Alternative zu Binde und Tampon : Was ist eine Menstruationstasse und wie funktioniert sie?

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Das Nischenprodukt wird immer beliebter – und gilt als nachhaltige Alternative zu den herkömmlichen Produkten.

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erstellt am 31.Aug.2017 | 08:07 Uhr

Mooncup, Femmecup oder gar Menstruationsglöckchen: Das Gebilde hat viele Namen. Am bekanntesten ist jedoch Menstruationstasse. Der Name ist Programm, denn es handelt sich um ein kelchförmiges Gefäß, das das Blut während der Periode innerhalb des Körpers sammelt. Darin unterscheidet es sich stark von herkömmlichen Produkten wie Tampons oder Binden, die das Blut aufsaugen.

Erfindung war zuerst ein Flop

Erfunden in den 1930er Jahren in den USA floppte die Tampon-Alternative bei vorherigen Markteinführungen immer wieder. Das scheint sich jetzt geändert zu haben, selbst Drogerieketten wie dm haben sie in ihr Warenangebot aufgenommen.

Peggy Bellmann von der ProFamilia-Beratungsstelle in Hannover nennt gleich mehrere Gründe für die steigende Beliebtheit der Tasse: „Zum einen hat sich das Material sehr verbessert. Die Tassen bestehen aus hochwertigem Silikon, Naturkautschuk oder dem medizinischen Kunststoff TPE. Sie sind formbar und wenig anfällig für Bakterien-, Pilz und Virenbefall.“

Zudem würden immer mehr junge Frauen darauf achten, was für Produkte sie für ihren Körper verwenden. Viele setzten auf Nachhaltigkeit – und haben weniger Scheu als ältere Generationen, sich mit ihrer Periode und ihrem Körper auseinanderzusetzen.

Erfunden in den 1930er Jahren in den USA floppte die Menstruationstasse bei vorherigen Markteinführungen immer wieder.
Erfunden in den 1930er Jahren in den USA floppte die Menstruationstasse bei vorherigen Markteinführungen immer wieder. Foto: Michael Gründel
 

Glitzer und Farben sollen Frauen überzeugen

Sexualpädagogin Bellmann ist vom Nutzen des Produktes überzeugt: „Im Gegensatz zu Tampons trocknet die Menstruationstasse die Vagina nicht aus – und das schont die Schleimhaut.“ Wenn sie junge Mädchen über die Periode aufklärt, gehört die Menstruationstasse daher genauso zum Programm wie Binden und Tampons. Doch meistens wüssten die Mädchen eh schon, worüber sie redet: „Mittlerweile kennen viele junge Mädchen die Menstruationstasse, weil viele Youtuberinnen sie vorstellen.“

Passend dazu wird das Produkt sehr frauenaffin vermarktet: „Zumeist ist sie farbig; und wird mit einem ebenfalls farbigen wenn nicht gar mit Glitzer versehenden Stoffbeutel für die Verwahrung verkauft. Dies alles spricht die Mädchen sehr an.“

Wie wird die Menstruationstasse verwendet?

Die Tasse im bunten Beutel hat es also auf die Styleblogs der sogenannten Influencer von YouTube geschafft. Doch wie kommt sie in den Körper? „Sie wird in die Vagina eingeführt, muss dafür zumeist geknickt werden.“

Ganz einfach sei das am Anfang nicht – zudem gibt es die Tasse in verschiedenen Standardgrößen und Härtegraden. Welche passend ist, muss erst am eigenen Körper ausprobiert werden. „Ähnlich wie der erste Gebrauch von Tampons kann dies am Anfang frustrierend sein, besonders, wenn die Tasse nicht passt und dann eine andere Größe gekauft werden muss.“ Menstruationstassen kosten zwischen 15 und 30 Euro, einige Frauen scheuen diese erneuten Kosten und geben auf.

Andererseits kann die Tasse mehrmals verwendet werden: „Die Hersteller empfehlen, sie ein Jahr zu verwenden. Einige Benutzer sprechen von zwei oder drei Jahren.“ Auf Onlineforen finden sich dann auch Frauen, die das Gefäß sogar über mehrere Jahre benutzen. Finanziell könnte sich die Anschaffung durchaus lohnen: 10.000 bis 17.000 Tampons beziehungsweise Binden verbraucht eine Frau in ihrem Leben.

Toxisches Schocksyndrom auch bei Menstruationstassen?

Ist die Tasse voll, läuft sie über. „Allerdings entwickeln die Frauen schnell ein Gefühl dafür, wann sie entleert werden muss. Dafür muss der Kelch leicht eingedrückt und aus der Scheide herausgezogen werden. Danach wird er ausgeleert, die Tasse unter Wasser ausgespült und wieder eingeführt.“ Nach der Periode wird empfohlen die Tasse auszukochen.

Vergisst eine Frau ihren Tampon im Körper, kann sie am toxischen Schocksyndrom erkranken, eine Infektionskrankheit mit dem Bakterium Staphylococcus aureus. Sie kann zu einem schweren Organ- und Kreislaufversagen führen.

Für die Menstruationstasse wurden derartige Fälle bis jetzt nicht nachgewiesen, so Bellmann. „Allerdings gibt es auch noch keine Studien, die sich über längere Zeit mit dem Produkt beschäftigt haben.“

Menstruationstassen für Entwicklungsländer?

Für Länder, in denen Frauen keinen Zugang zu Monatshygieneartikel haben – oder diese unerschwinglich teuer sind –, kann die Tasse sogar ein Segen sein. Mancherorts dürfen Frauen während der Zeit ihrer Periode dort nicht ihr Haus verlassen, weder arbeiten noch zur Schule gehen. Um ihnen zu helfen, gibt es verschiedene Aktion, erzählt Bellmann: „Einige Organisationen initiieren Nähkurse, um in ihnen wiederverwertbare Binden herzustellen. Andere spenden Menstruationstassen für die Mädchen und Frauen.“

„Femme Kits“ heißen die Packungen, die die Organisation „Femme International“ an Schülerinnen in Kenia verteilt. In Ihnen enthalten sind neben der Tasse auch das passende Reinigungszeug – falls die Frauen keinen Zugang zu sauberen Wasser haben.

Setzt sich die Menstruationstasse in Deutschland durch?

Die hygienischen Bedingungen sind in Deutschland gegeben, ob sich die Menstruationstasse aber auch durchsetzten wird, wird sich zeigen: „Die Hälfte der Mädchen, denen ich sie vorstelle, reagiert erst einmal abwehrend. Wohl auch weil beim Einsetzen oder Herausnehmen der Tasse Blut über die Finger laufen kann und der gefüllte Becher entleert und gereinigt werden muss.“

Diese abwehrenden Gefühle beschränkten sich jedoch nicht nur auf die Menstruationstasse, sondern treten bei einigen Frauen generell beim Thema Periode und Hygieneartikel auf, weiß Bellmann. „Ich nehme diese Ängste der Mädchen ernst und spreche mit ihnen über die Einstellung zum eigenen Körper.“

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