Streit um Alfie Evans : Todkranker Junge atmet selbst – zur Überraschung der Ärzte

Unterstützer von Alfies Eltern demonstrieren für das Leben des Jungen.

Unterstützer von Alfies Eltern demonstrieren für das Leben des Jungen.

In England streiten Ärzte und Eltern um das Leben des kleinen Alfie. Eine Tragödie, die sich zum Politikum entwickelt.

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24. April 2018, 20:45 Uhr

Es ist eine dramatische Geschichte, die sich im Alder Hey Hospital in Liverpool abspielt: Der kleine Alfie Evans kämpft dort seit mehr als einem Jahr um sein Leben. Mit gerade einmal 23 Monaten leidet er an einer noch nicht klar diagnostizierten neurologischen Krankheit und wird künstlich beatmet. Darüber, ob es für Alfie noch eine Chance gibt, ist in Großbritannien ein heftiger Streit entbrannt. 

Auf der einen Seite stehen die Ärzte des Krankenhauses. Sie halten lebenserhaltende Maßnahmen bei Alfie für sinnlos, weil das Gehirn des Kindes durch die Krankheit fast vollständig zerstört sein soll. Eine Verlängerung seines Leidens bezeichnen sie als unmenschlich. 

Alfies Eltern und ihre Unterstützer auf der anderen Seite sehen das anders. Sie haben die Hoffnung darauf, dass der Junge den Kampf gegen die Krankheit gewinnen kann, noch nicht aufgegeben. Auch sehen sie es nicht als bewiesen an, dass Alfie leidet. Wenn die Eltern entscheiden dürften, würden sie ihren Sohn am liebsten in der päpstlichen Kinderklinik Bambino Gesù in Rom behandelt lassen.

Doch sie dürfen nicht entscheiden. Nicht mehr.

Nachdem die Ärzte beschlossen hatten, die lebenserhaltenden Maßnahmen einzustellen, haben seine Eltern dagegen geklagt. Sie sind mit ihrem Anliegen inzwischen bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegangen. Dort wurde am Montag ihr Anliegen genauso abgewiesen wie zuvor vom Supreme Court, dem obersten britischen Gericht.

Alfie überrascht die Ärzte

Nach dem Urteil trennten die Ärzte Alfie vom Beatmungsgerät. Doch zu ihrer Überraschung, atmete der schwerkranke Junge selbstständig weiter. Seine Eltern feierten diesen neuen Hoffnungsschimmer auf ihren Social-Media-Kanälen. Sein Sohn habe mehr als neun Stunden ohne fremde Hilfe geatmet, sagte sein Vater Thomas Evans am Dienstagmorgen zu Reportern vor dem Krankenhaus.

Thomas Evans kämpft seit Monaten um das Leben seines Sohnes.
imago/Independent Photo Agency Int.

Thomas Evans kämpft seit Monaten um das Leben seines Sohnes.

 

Die Ärzte seien „baff“ gewesen, als klar geworden sei, dass Alfie selbst atmen könne, sagte Evans der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge. Später sei die Zufuhr von Sauerstoff und Wasser wieder gestartet worden. Alfie atme aber weiterhin selbst. Wie es mit seiner Versorgung weitergeht, war zunächst unklar. Das Krankenhaus teilte am Dienstag mit, dass es aus Respekt vor der Privatsphäre von Alfie und seiner Familie keine weiteren Neuigkeiten zum Zustand des Kindes veröffentlichen werde.

Unterstützung aus Italien

Der tragische Streit um den Jungen ist inzwischen zu einem Politikum geworden. Der Vatikan und die italienischen Behörden unterstützen Alfies Eltern. Thomas Evans wurde in der vergangenen Woche vom Papst empfangen, der sich auch auf Twitter immer wieder dafür einsetzt, dass die medizinische Behandlung des Jungen fortgesetzt wird.

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Die italienische Regierung hat ein Spezialverfahren eingeleitet, um Alfie die italienische Staatsbürgerschaft verleihen zu können und ihn so doch noch in die päpstliche Kinderklinik bringen zu können. Alfies Eltern finden immer mehr Unterstützer. So äußerte sich auch der italienische Politiker Antonio Tajani, momentan Präsident des Europäischen Parlaments, auf Twitter zu dem Fall. „Die Kraft der Liebe schlägt den Zynismus derjenigen, die einen Schlussstrich ziehen wollen. All meine Unterstützung für Alfie und seine außergewöhnlichen Eltern.“

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Vor dem Krankenhaus war es am Montagabend zu tumultartigen Szenen gekommen, als Unterstützer der Eltern versuchten, den Empfang zu stürmen. Sie wurden von der Polizei zurückgedrängt.

Wie es mit dem Jungen nun weitergeht, scheint inzwischen komplett unklar. Auf Facebook schrieb Alfies Vater am Dienstagmittag, er habe mit aller Kraft vor Gericht für seinen Sohn gekämpft, weil er wisse, was richtig sei. „Und seht her, wo wir jetzt stehen, mein Sohn ist auch nach zehn furchtbaren, beängstigenden, herzzerreißenden Stunden noch immer am Leben.“ (mit dpa)

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