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Freitag bis Sonntag : Sturm-Warnung: Böen mit Orkanstärke über SH

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Stellenweise erwartet der DWD Orkanböen von zwölf Beaufort. Die Warnungen gelten ab Mitternacht bis Sonntag.

svz.de von
erstellt am 08.Jan.2015 | 10:40 Uhr

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt von Freitag, 0 Uhr bis Sonntag, 12 Uhr vor einem Unwettern mit Orkanböen. „Der Südwest- bis Westwind nimmt merklich zu“, heißt es in der Prognose. „Von Freitag bis Sonntag treten - mit kurzen Pausen - an den Küsten und in den freien Lagen der Mittelgebirge verbreitet orkanartige Böen bis 115 km/h (Bft 11), vereinzelt auch Orkanböen über 120 km/h (Bft 12) auf.“ Doch auch im Binnenland weht es kräftig, hier erwartet der DWD Sturmböen bis 100 km/h (Bft 10), vorübergehend auch orkanartige Böen bis 115 km/h (Bft 11). Die Prognose soll in den kommenden Stunden konkretisiert werden. Die Wetterwarnung gilt für die Insel Helgoland, die Kreise Nordfriesland, Dithmarschen, Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde, Plön sowie die Stadt Flensburg.

Schon seit Anfang der Woche warnen Meteorologen vor einem stürmischen Wochenende. Jetzt sind ihre Berechnungen konkreter: „Am Freitag geht es richtig los“, sagte gestern Alina Voß von Wetterwelt in Kiel. Das Tief Christian hat sich bei Island festgesetzt und schaufelt zwei kleinere Tiefs – Elon und ein noch namenloses, das wohl Felix getauft wird – in schneller Folge nördlich an Schleswig-Holstein vorbei. Norddeutschland liegt an ihrer besonders ungemütlichen Südflanke.

Die Prognose für Donnerstag und Freitag.
Die Prognosen für Donnerstag und Freitag. Foto: wetter online / montage: nobis
 

„Der erste Höhepunkt wird der Freitagvormittag mit Orkanböen bis zu 130 km/h an der Küste, auch im Binnenland wird es sehr stürmisch“, so Voß (siehe Wetterwarnung oben). Bis Sonnabendmittag bleibt es etwas ruhiger, am Nachmittag drohen wieder Böen mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 130 km/h. Bis in die kommende Woche hinein ist zudem mit starken Niederschlägen zu rechnen.

Jörg Elias, Wehrführer der Westerländer Feuerwehr, nimmt die Sturmwarnung durchaus ernst. Er rät den Bewohnern seiner Insel zur Vorsicht: „Sollte es zu einem Orkan kommen, sollten die Menschen möglichst im Gebäude bleiben.“ Elias betont: „Außerdem sollten freistehende Gegenstände wie Gartenmöbel oder Pflanzen, gesichert werden, da sich diese schnell zu Geschossen entwickeln. Autos sollten vorausschauend und sicher abgestellt werden.“

Tipps der Feuerwehr

Wie sichere ich mein Wohnhaus und Grundstück?

Sichern Sie Ihr Gebäude - achten Sie vor allem auf möglicherweise bereits vorhandene Beschädigungen. Schwachstellen können lose Ziegel, Schornsteine oder Dachrinnen sein. Schützen Sie Keller und Niedergänge rechtzeitig vor eindringendem Wasser, wenn in ihrer Gegend Überflutungsgefahr besteht. Achten Sie darauf, dass Rückschlagventile im Keller funktionsfähig sind. Sichern Sie Balkone und Terrassen so, dass Möbel oder Pflanzen nicht umhergewirbelt werden können. Entfernen Sie Laub aus Wassereinläufen wie Gullys oder Abflussrinnen.

Wo soll ich das Auto abstellen?

Stellen Sie Fahrzeuge vorausschauend und sicher ab. Bei älteren Gebäuden, Baustellen oder morschen Bäumen kann der Wind Teile lockern, die dann eventuell auf das Auto herabstürzen können.

Muss ich etwa auf meinen Waldspaziergang verzichten?

Verlassen Sie während des Unwetters das Haus möglichst nicht. Meiden Sie Wälder und Alleen - nicht nur während, sondern auch nach dem Orkan. Instabile Bäume und herab fallende Äste gefährden Sie auch in den Stunden danach.

Ich muss mit dem Auto fahren – was sollte ich beachten?

Wenn Sie Autofahrten nicht vermeiden können: Passen Sie ihre Fahrgeschwindigkeit an. Achten Sie auf unvorhergesehene Hindernisse wie umher fliegende Gegenstände oder abgebrochene Äste. Beim Ein- und Aussteigen sollte man die Fahrzeugtüre vorsichtig öffnen und den Griff fest in der Hand halten. Windböen können sonst die Türe aufreißen und erheblichen Schaden anrichten.

Seitenabstand beachten: Vor allem auf Landstraßen können Böen selbst Schwerfahrzeuge wie Lkw oder Busse um mehr als einen Meter versetzen. Im schlimmsten Fall landet man plötzlich im Straßengraben oder gerät auf die Gegenfahrbahn. Dachlasten oder Aufbauten, die eine breite Angriffsfläche bieten, können auch dazu beitragen, dass das Fahrzeug vom Sturm verrissen wird. Dachlasten und Anhänger sollten daher an stürmischen Tagen vermieden werden. Der Schwerpunkt sollte möglichst tief liegen, das Gewicht auf beide Fahrzeugachsen verteilt sein.

Wenn man von einer Sturmböe erfasst wird: Ruhe bewahren. Jede heftige Bewegung mit dem Lenkrad macht das Fahrzeug nur noch instabiler. Um das Auto wieder zurück auf die Spur zu bringen, nur gefühlvoll gegenlenken.

Achtung: Erhöhte Gefahr bei Brücken oder Tunnelausfahrten durch Fahrbahnglätte.

Bei mir ist ein Schaden entstanden – wann rufe ich den Notruf?

Allgemein gilt: Melden Sie Gefahrenstellen und Schäden, bei denen Sie Hilfe brauchen, unter der Notrufnummer 112. Bitte melden Sie Schäden, von denen keine akute Gefahr ausgeht, erst nach dem Ende des Unwetters.

 

„Es muss mit einem Wasserstand von zweieinhalb bis drei Meter über NN gerechnet werden“, betont Voß. Ab zweieinhalb Meter über dem mittleren Pegelstand spricht man bereits von einer schweren Sturmflut. In der Nacht zu Sonntag soll der Wind dann etwas abschwächen, auch wenn es bis Montag stürmisch bleiben soll.

Zwölf Beaufort ist der höchste Wert in der Messung von Windgeschwindigkeiten. Schon bei zehn Beaufort können schwere Schäden entstehen.

Beaufort-Tabelle

0 Beaufort - Windstille

Es ist kein Wind zu bemerken, die See ist spiegelglatt.

1 Beaufort - leiser Zug

1 Beaufort ist kaum zu bemerken. Rauch treibt leicht ab, Wasser kräuselt sich, Fahnen bleiben aber unbewegt

2 Beaufort - leichte Brise

Blätter rascheln, auf See zeigen sich kleine Wellen.

3 Beaufort - schwache Brise

Blätter und dünne Zweige bewegen sich, Wimpel werden gestreckt.

4 Beaufort - mäßige Brise

Zweige bewegen sich, loses Papier wird vom Boden gehoben.

5 Beaufort - frische Brise

Größere Zweige und Bäume bewegen sich,  der Wind deutlich hörbar.

6 Beaufort - starker Wind

Dicke Äste bewegen sich, hörbares Pfeifen an Drahtseilen.

7 Beaufort - steifer Wind

Bäume schwanken beim beim Gehen merkt man den Widerstand gegen den Wind.

8 Beaufort - stürmischer Wind

Schon bei Windstärke 8 kann es im Wald gefährlich werden: Zweige brechen von Bäumen, große Bäume durchgeschüttelt. Auf See kommt es zu hohen Wellenbergen.

9 Beaufort - Sturm

Äste brechen und es entstehen oft kleinere Schäden an Häusern: Ziegel und Rauchhauben werden von Dächern gehoben, Gartenmöbel werden umgeworfen und verweht. Windstärke 9 macht sich auf See mit hohen Wellen und Gischt bemerkbar.

10 Beaufort - schwerer Sturm

Schon ein schwerer Sturm von Stärke 10 kann hohe Schäden verursachen: Bäume werden entwurzelt, Baumstämme brechen. An Häusern können größere Schäden entstehen. Was nicht fest ist, kann vom Sturm erfasst werden: Häufig werden Gartenmöbel weggeweht. Auf See kommt es zu Brechern.

11 Beaufort - orkanartiger Sturm

Heftige Böen können  schwere Sturmschäden verursachen. In Wäldern können Bäume gefällt werden. In schlimmen Fällen werden Dächer abgedeckt und selbst dicke Mauern werden beschädigt. Vorsicht auch im Straßenverkehr: Autos werden aus der Spur geworfen -  Gehen wird nahezu unmöglich gemacht. Stärke 11 kommt fast nur an den Küsten und auf See vor, selten im Landesinneren. Sehr hohe Wellen erschweren die Seefahrt.

12 Beaufort - Orkan

An Land können durch Orkane schwerste Sturmschäden und Verwüstungen entstehen. Sie  sind  aber sehr selten im Landesinneren. Stärke 12 sorgt auf dem Meer für außergewöhnlich schwere See - die Sicht ist durch Gischt nahezu unmöglich.

 

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