Erste Olympia-Medaillen für Deutschland : Der Gold-Jung(e) und sein silbernes Team

Die Vielseitigkeitsreiter haben die erste Medaille für die deutsche Mannschaft in Rio gewonnen. Das Team um Michael Jung kam auf Platz zwei hinter Frankreich. 

Die Vielseitigkeitsreiter haben die erste Medaille für die deutsche Mannschaft in Rio gewonnen. Das Team um Michael Jung kam auf Platz zwei hinter Frankreich. 

Die deutschen Vielseitigkeitsreiter haben den Bann gebrochen: Gold für Michael Jung und Silber für die Mannschaft.

svz.de von
09. August 2016, 21:00 Uhr

  Der Gold-Jung(e) war wieder mal unschlagbar, für das Team gab es ein silbernes Happy End: Angeführt von einem überragenden Michael Jung, der mit seinem Pegasus Sam zum zweiten Mal nacheinander in den Olymp der Vielseitigkeitsreiter flog, hat auch die deutsche Equipe einen Wettbewerb voller Rückschläge mit Silber beendet – es waren die ersten deutschen Medaillen überhaupt in Rio nach drei enttäuschenden Tagen.

Jung zementierte mit einer grandiosen Vorstellung im Gelände und in den beiden abschließenden Springen gesterng seinen Ruf als Weltbester seiner Zunft. Mit einer kaum fassbaren Souveränität steuerte er seinen Sam über die letzten Hindernisse und flog mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit seiner insgesamt dritten olympischen Goldmedaille entgegen. Typisch Jung: Heute geht es direkt wieder Richtung Heimat, die Arbeit auf dem heimischen Hof „macht sich ja nicht von selbst“.

Während Jung als Spitzenreiter in die Einzel-Entscheidung ging und Gold vom „Mozart der Reiterei“ fast schon erwartet wurde, stand der Mannschafts-Wettbewerb bis zum allerletzten Starter auf des Messers Schneide. Der Bundestrainer konnte gar nicht mehr hingucken, derweil hörte es Jung beim TV-Interview voller Freude hinter sich „immer nur scheppern“.  Letztlich spülten die Fehler der Konkurrenz Deutschland vollkommen unerwartet noch vom vierten auf den zweiten Platz – es war nach Tagen voller Rückschläge die allererste deutsche Medaille überhaupt in Rio. Am Ende fehlte nur ein einziger Abwurf der siegreichen Franzosen zum deutschen Gold.

 „Wir wussten ja, dass wir eigentlich nah dran sind, wenn wir es schaffen, alle null zu reiten“, sagte Jung: „Nach jeder Runde waren wir mehr motiviert. Ich war nervös, muss ich sagen, aber wir haben gekämpft und freuen uns wirklich sehr über die Silbermedaille.“ Sein Wallach Sam stand derweil im Stall und erholte sich. „Er wird ein bisschen runtergekühlt, dann geht es ja auch schon weiter“, sagte Jung.

Die Deutschen wussten, dass sie liefern mussten, und das taten sie mit Bravour. Jung, Sandra Auffarth mit Opgun Louvo und Ingrid Klimke mit Hale Bob gingen souverän über den Parcours, alle drei blieben wie erhofft fehlerfrei, waren aber auf die Ergebnisse der nach ihnen folgenden Schlussreiter aus Neuseeland und Australien angewiesen. „Wir haben uns das von der Tribüne aus eigentlich sehr locker angeguckt“, sagte Klimke: „Plötzlich war es Bronze und dann sogar Silber. Das war schon ein sehr geiles Gefühl, denn eine Medaille mit der Mannschaft war unser größtes Ziel hier.“

Hans Melzer hielt das alles nicht aus. Als Michael Jung die letzte deutsche Nullrunde gedreht hatte, verließ der Bundestrainer das Stadion und tigerte auf dem Abreiteplatz hin und her. „Ich hab dann dort die vielen Ahs und Ohs gehört, als die Stangen bei der Konkurrenz fielen“, erzählte Melzer: „Ich bin aber erst ganz am Schluss wieder reingegangen, vorher hab ich es nicht fertiggebracht.“

Damit nahm Olympia auch für Debütantin Krajewski noch ein glückliches Ende, und die 27-Jäjhrige machte aus ihrer großen Erleichterung keinen Hehl. Erst kurz vor Beginn des Turniers nicht ohne Nebengeräusche für Andreas Ostholt in die Vierer-Equipe berufen, erlebte sie zuvor einen Wettkampf zum Vergessen.

Nach einer eher mäßigen Dressur schien ihre Disqualifikation im Gelände gleichbedeutend mit dem Aus im Medaillenkampf.  „Aber das zeichnet halt diese Mannschaft aus, dass alle da sind, wenn es bei einem mal nicht so läuft“, sagte sie und gab zu, „dass es mir heute deutlich besser geht als nach dem Geländeritt“. In dem hatte Krajewskis Wallach Samourai du Thot dreimal verweigert, was gemäß Reglement den Ausschluss bedeutete.

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