Box-Trainer Jürgen Brähmer : „Wir sprechen die gleiche Sprache“

Titel im Visier: Tyron Zeuge (M.) will mit Hilfe seine Trainer Jürgen Brähmer (r.) und Conny Mittermeier (l.) am 16. Juli den Weltmeistergürtel der WBA im Supermittelgewicht erobern.
Titel im Visier: Tyron Zeuge (M.) will mit Hilfe seine Trainer Jürgen Brähmer (r.) und Conny Mittermeier (l.) am 16. Juli den Weltmeistergürtel der WBA im Supermittelgewicht erobern.

Jürgen Brähmer holt Conny Mittermeier ins Team und will gemeinsam mit dem Trainerfuchs Tyron Zeuge zum Weltmeister machen

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14. Juni 2016, 21:00 Uhr

Sein größter Fan schaut Trainer-Neuling Jürgen Brähmer derzeit tagtäglich in der Schweriner Boxhalle quasi auf die Finger. „Ich finde richtig gut, wie er das macht. Er hat die nötige Ruhe und auch die richtige Ansprache in der Ecke. Und dass er vom Boxen etwas versteht, ist ja ohnehin keine Frage“, sagt Schwerins Cheftrainer Michael Timm zur Arbeit des Mannes, den er einst zum Profi-Weltmeister formte und der nun selbst zum Meistermacher werden will.

Mit seinem bislang einzigen Schützling, Supermittelgewichtler Tyron Zeuge, sieht er sich auf einem guten Weg. „Wir haben noch vier Wochen bis zum WM-Kampf gegen Giovanni de Carolis in Berlin und sind dafür konditionell schon sehr weit“, sagt Brähmer. Konditionell schon sehr weit heißt, dass WM-Kandidat Zeuge zuletzt 19 Runden boxerischer Belastung am Stück ebenso problemlos wegsteckte wie ein 50-minütiges Kreistraining ohne jegliche Pause. Und Ende dieser Woche soll er nochmal richtig Gas geben, „mit einem Puls von über 200, der nach einer Minute wieder runter ist auf 130“, sagt Brähmer: „Sich so erholen zu können, das ist die Qualität, die wir brauchen.“

Qualität ist dem 37-Jährigen wichtig. „Trainingsmethodisch sind wir in Deutschland hinterher – weit hinter den Amis, den Engländern und den Russen sowieso.“ Um das zu ändern, wühlt er sich durch Fachliteratur, durchforstet jede Menge Videomaterial, berät sich mit Fachleuten und reflektiert oft, was ihm selbst als Athlet gut und was weniger gut bekommen ist. „Wir fahren ein etwas anderes Programm als sonst, schneller und facettenreicher“, fasst der WBA-Halbschwergewichtsweltmeister zusammen.

Mit wir meint er keineswegs nur sich und seinen Athleten, sondern ebenso Fitnesstrainer Sebastian Förster sowie Sportwissenschaftler Marc Hachmann, dessen Laufprogramme er selbst in Hamburg bei Universum abspulte. Und vor allem meint er den Stuttgarter Conny Mittermeier, der zuletzt Marco Huck auf dessen jüngsten Kampf vorbereitet hatte und vor ein paar Wochen zum Schweriner Team stieß.

„Conny ist top im speziellen Training und absolute Weltklasse in Sachen Pratzenarbeit – vielleicht sogar der Beste überhaupt. Er hat unter anderem Vitali Tajbert groß gemacht“, begründet Brähmer, warum er so um den 55-jährigen Stuttgarter kämpfte, dessen Pratzen er einst in Hamburg auch selbst malträtierte. „Ich habe eine bestimmte Vision, wie ich Tyron boxen sehen will und als ich hier sein erstes Pratzentraining mit Konni sah, war ich glücklich. Das war genau, was ich mir vorstellte.“

Dass sie als gleichberechtigtes Duo arbeiten, erwähnen beide eher nebenbei. „Wir kennen uns lange, vertrauen einander völlig und sprechen die gleiche Sprache“, sagt Jürgen Brähmer. „Da gehts auch ohne Chef und Co.“

Die spricht er auch mit seinem WM-Anwärter. „Als selbst noch aktiver Boxer kann er sich besser in mich hineinversetzen, bringt auch mehr Verständnis auf als Trainer, die das mehr von außen betrachten“, schätzt der 24-jährige Berliner besonders an seinem neuen Coach.

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