Weltcup in Altenberg : Weiter Materialsorgen für deutsche Bobpiloten

Francesco Friedrich und Martin Grothkopp landen im Eiskanal in Altenberg auf Rang zwei.
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Francesco Friedrich und Martin Grothkopp landen im Eiskanal in Altenberg auf Rang zwei.

Der Schlittenwechsel hat sich für Zweierbob-Weltmeister Friedrich bezahlt gemacht. Lochner dagegen zweifelt. Ein Umstieg ist kaum möglich. Er muss sich notfalls bei Olympia auf die Königsklasse konzentrieren. Walthers Disqualifikation passt zur Gesamtsituation.

svz.de von
07. Januar 2018, 10:58 Uhr

Sechs Wochen vor den olympischen Zweierbob-Rennen haben die deutschen Bobpiloten immer noch mit grundlegenden Materialproblemen zu kämpfen.

Der Grund: Die Entwicklung der Wallner-Zweierbobs lief komplett in die falsche Richtung. So musste der viermalige Weltmeister Francesco Friedrich beim ersten Weltcup im Olympia-Jahr in Altenberg auf die Dienste des langjährigen Partners FES zurückgreifen - und fuhr am Samstag prompt auf Rang zwei. «Die Analysen zeigen, dass wir speziell im unteren Bereich, sprich bei höherer Geschwindigkeit, noch zu viel Zeit verlieren», sagte Cheftrainer René Spies über die Wallner-Bobs.

Im großen Schlitten sieht es anders aus: «Hier sind wir absolut siegfähig. Die neue Form, die wir gemeinsam mit BMW entwickelt und gefertigt haben, zeigt hervorragende Tendenzen, vor allem im Hochgeschwindigkeitsbereich. Immerhin ist es uns gelungen, den Luftwiderstand um sechs Prozent zu reduzieren», erklärte Spies.

Der Berchtesgadener Lochner fuhr vor dem Rennen am Sonntag schon drei Siege in der Königsklasse ein - er gilt aber auch als Zweierspezialist. Nach Platz sechs am Samstag war er ratlos. «Wenn ich zwischen den Systemen wechsle, mache ich mir den Vierer auch noch kaputt. Wenn ich ganz ehrlich bin, mir gehen die Ideen aus. Wir haben probiert, entwickelt, wieder Schritte zurückgemacht, der kleine Schlitten zieht einfach nicht», sagte er. Eine Medaillenchance sieht er derzeit nicht. Und sich nur auf den Viererbob konzentrieren? «Das ist die Endlösung, die ich nicht will.»

Da ist Friedrich in einer komfortableren Position, weil er früher regelmäßig FES-Bobs fuhr und somit beide Lenksysteme beherrscht. «Ich habe noch fahrerische Defizite, da ich erst wenige Fahrten mit dem Bob hatte», sagte der Doppel-Weltmeister nach Platz zwei mit Martin Grothkopp hinter dem Kanadier Justin Kripps.

Die staatlich geförderte Berliner FES-Schmiede musste nach dem Olympia-Debakel in Sotschi viel Prügel einstecken - auch vom deutschen Verband. Doch die Tüftler haben ihre Hausaufgaben gemacht. «Wir ziehen unsere Tests mit Nico Walther und den Frauen bis zur letzten Entwicklungsstufe Ende Januar wie geplant durch», sagte FES-Direktor Harald Schaale. Friedrich genießt nach dpa-Informationen aber kein Erstnutzungsrecht mehr, muss sich quasi hinten anstellen.

Denn nur Walther hatte sich als einziger Pilot neben den Frauen komplett für FES entschieden - und mit Siegen in beiden Disziplinen überzeugt. Bitter: Nach Platz drei im Zweierbob mit Christian Poser wurde er nachträglich disqualifiziert. «Ein technischer K.o.», sagte Heimtrainer Gerd Leopold. Die Haube am Bob war fünf Millimeter zu dünn. «Ein Vermessungsfehler», räumten die FES-Ingenieure ein.

Vereinskollege Walther hätte sich den Schritt von Friedrich eher gewünscht: «Da hätte man besser testen und unheimliche Fortschritte daraus schöpfen können.» Spies steht nun unter Zeitdruck: «Eine endgültige Entscheidung muss bis zur Verschiffung der Geräte am 24. Januar gefallen sein.» Grundsätzlich sieht er den Weg mit zwei Herstellern als weise Entscheidung. «Ich bin überzeugt, dass wir mit dieser Strategie für Olympia sehr gut aufgestellt sind.»

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