Olympia : Winterspiele am Ende der Welt: Feuerland als Alternative?

Der Eisbrecher «Ara Irizar» verlässt einen Hafen auf Feuerland. P. Defensa/telam
Der Eisbrecher «Ara Irizar» verlässt einen Hafen auf Feuerland. P. Defensa/telam

Noch nie wurden Olympische Winterspiele auf der Südhalbkugel ausgetragen. Nun erwägt Ushuaia, an der Südspitze Argentiniens, sich für 2026 zu bewerben. An Schnee fehlt es nicht.

svz.de von
05. November 2018, 09:31 Uhr

Weiter südlich geht kaum noch. Ushuaia, 3000 Kilometer von Buenos Aires in Richtung Südpol entfernt, erwägt gemeinsam mit der argentinischen Hauptstadt eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026.

«Als Marketing-Strategie ist die Bewerbung gut», sagt Martín Bianchi, Event-Koordinator der örtlichen Tourismus-Agentur Infuetur. «Wenn man die Winterspiele aber tatsächlich ausrichten will, muss man sich schon sehr ernst daran setzen.»

Argentinien hatte sich in der vergangenen Woche völlig überraschend ins Spiel gebracht. Angesichts der Schwierigkeiten bei den offiziellen Bewerbern Calgary, Stockholm und Mailand/Cortina d'Ampezzo könnten die Südamerikaner eine Alternative darstellen. Zunächst war noch unklar, ob Buenos Aires und Ushuaia die Spiele wirklich haben wollen oder ob es eher darum geht, die bisherigen Bewerber unter Druck zu setzen, sich etwas mehr ins Zeug zu legen.

Bislang war eine Bewerbung von Argentinien lediglich für die Winterspiele 2030 im Gespräch gewesen. Auch für die nächsten Olympischen Winter-Jugendspiele 2024 interessieren sich die Südamerikaner, nachdem die Olympischen Sommer-Jugendspiele im Oktober erfolgreich in Buenos Aires stattfanden. «Nach diesem überwältigenden Erfolg kann niemand mehr daran zweifeln, dass Buenos Aires auch in Zukunft eine großartige Stadt für Olympische Spiele sein könnte», sagte IOC-Präsident Thomas Bach.

Eigentlich will das IOC die Winterspiele wieder verstärkt in traditionelle Wintersportgebiete vergeben, auch um die Kosten gering zu halten. In Ushuaia hingegen wäre noch einiges zu tun. «Die Infrastruktur im Skigebiet Cerro Castor ist modern und gut, müsste aber ausgeweitet werden», sagt Bianchi, der 2006 bei den Spielen in Turin selbst im Langlauf gestartet war. «Die Langlaufstrecken müssten noch stärker ausgebaut werden. Skischanzen oder Bob-, Schlitten- und Skeletonbahnen gibt es überhaupt nicht.»

Bei den Sportlern ist die Region allerdings beliebt. Im europäischen Sommer kommen regelmäßig Profis zum Training nach Cerro Castor, wie zuletzt Sportdelegationen aus Frankreich, Italien, Slowakei und Russland. 2015 trafen sich rund 700 Skilehrer zum Kongress Interski in der Provinzstadt am Ende der Welt.

«Wir haben in Feuerland die beste Landschaft und den besten Schnee Südamerikas. Ushuaia ist mit Skandinavien vergleichbar, einer der wenigen Orte der Welt, wo es Schnee praktisch auf Meereshöhe gibt», sagt Bianchi. «Der Schnee in Feuerland ist Breitengradschnee, kein Höhenschnee. Damit gibt es auch die großen Flächen für den Langlauf, die es nicht in den reinen Berggegenden gibt. In Europa gibt es immer weniger Schnee.»

Ushuaia bedeutet in der Sprache der seit langem ausgestorbenen indigenen Yamana «Die Bucht, die das Land bis zum Westen durchdringt». Es ist eine der südlichsten Städte der Welt und liegt auf dem Breitengrad 54 - eine Lage vergleichbar mit Kiel oder Moskau auf der Nordhalbkugel. Die Durchschnittstemperatur im kältesten Wintermonat liegt bei 1 Grad Celsius. Das ist allerdings dort im Juli. Schnee liegt normalerweise von Juni bis Oktober.

Sollten die Winterspiele tatsächlich zum ersten Mal auf der Südhalbkugel ausgetragen werden, müsste der Olympia-Kalender geändert werden. Das ist wohl das größte Manko von Argentinien: Die Begeisterung für Olympische Winterspiele dürfte sich bei den Fans in den USA und Europa im Hochsommer in Grenzen halten.

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