Eisschnelllauf : Nico Ihle verpasst EM-Medaille: Platz vier über 500 Meter

Sorgte in Kolomna für eine Premiere: Eisschnellläufer Nico Ihle.
Sorgte in Kolomna für eine Premiere: Eisschnellläufer Nico Ihle.

Es hat nicht geklappt mit der ersten EM-Medaille auf einer Einzel-Distanz. Etwa zwei Zehntelsekunden fehlten Nico Ihle zum Bronzerang. Doch der Eissprinter aus Sachsen sieht sich für Olympia gut gerüstet. Gabi Hirschbichler dringt in neue Dimensionen vor.

svz.de von
05. Januar 2018, 17:50 Uhr

Nach dem Blick zur Anzeigetafel verzog Nico Ihle die Miene. Bei der EM-Premiere der Eisschnellläufer im russischen Kolomna verfehlte der Chemnitzer die angepeilte Medaille über 500 Meter als Vierter knapp.

«Hoffentlich habe ich diesen bitteren Rang jetzt weg für dieses Jahr», meinte er wenige Minuten später schon wieder schmunzelnd. Der Vize-Weltmeister war in 35,03 Sekunden ohne Wackler über die Kurzdistanz gekommen. Den ersten EM-Titel der Eisschnelllauf-Geschichte auf der Sprintstrecke sicherte sich aber der Olympia-Dritte Ronald Mulder aus den Niederlanden in 34,80 Sekunden. Mika Poutala aus Finnland setzte sich mit vier Tausendstelsekunden vor Pawel Kulischnikow aus Russland im Kampf um Platz zwei durch. Beide sprinteten 34,85 Sekunden, daher entschied die dritte Zahl hinter dem Komma über die Medaillenränge.

«Ich bin nur zwei Zehntel weg. Das gibt mir Kraft. Denn ich weiß, das kann man bis Pyeongchang noch aufholen», tröstete sich Ihle, der am Samstag über 1000 Meter noch eine zweite EM-Chance hat. Und er gab für die letzten Wochen der Olympia-Vorbereitung die Devise aus: «Ich bin lieber der Jäger als der Gejagte. Der Gejagte zu sein, ist keine so schöne Rolle. Für mich war das hier ein sehr gutes Training für Olympia - auch mental.»

Der 32 Jahre alte Hoffnungsträger spielte darauf an, dass er erst im letzten Paar lief und die guten Zeiten der Konkurrenten erst einmal wegstecken musste. Unter den Augen des vor allem wegen seiner Rolle im Sotschi-Doping-Skandal umstrittenen russischen Vize-Premiers Witali Mutko kam der Inzeller Joel Dufter in 35,71 Sekunden auf Rang 13. Wenig später belegte er beim Sieg des Russen Denis Juskow (1:44,53) über 1500 Meter in 1:49,52 Minuten den zwölften Platz.

Eine Überraschung gelang Gabriele Hirschbichler, die innerhalb von nur zwei Stunden die besten internationalen Platzierungen in ihrer Karriere erreichte. Über 1500 Meter hängte sie im direkten Duell die am Ende achtplatzierte deutsche Meisterin Roxanne Dufter ab und lief in 1:58,18 Minuten auf Rang fünf. «Ich ärgere mich ein bisschen, weil ich dachte, dass ich die letzte Runde noch ein wenig besser durchstehen kann», meinte sie dennoch. Den Titel sicherte sich in 1:55,52 Minuten die Niederländerin Lotte van Beek.

Nur knapp zwei Stunden zuvor hatte die 34-jährige Hirschbichler mit dem achten Platz im 500-Meter-Sprint aufhorchen lassen und einen Monat vor den Winterspielen in Pyeongchang ihre starke Form bewiesen. Jubeln durfte Vanessa Herzog, die in 37,69 Sekunden den ersten Sprint-Titel nach Österreich holte. Die deutsche Meisterin Judith Dannhauer aus Erfurt hatte im Zuge der Olympia-Vorbereitung auf einen Start in Kolomna verzichtet.

Erstmals seit 1891 werden bei den Europameisterschaften in Kolomna, rund 100 Kilometer südlich von Moskau, Titel über 14 Einzelstrecken und nicht im Mehrkampf vergeben.

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