Cyberattacken : Wieder die Russen? Hackerattacken auf den Weltsport

Matthieu Reeb ist Generalsekretär des Internationalen Sportgerichtshofs CAS.
Matthieu Reeb ist Generalsekretär des Internationalen Sportgerichtshofs CAS.

Russland ist nach den beispiellosen Dopingskandalen zurück auf dem Weg zu einem vollwertigen Mitglied des Weltsports. Nun gibt es aber massive Vorwürfe, russische Hacker hätten wichtige internationale Sportorganisationen angegriffen. Die Reaktionen sind unterschiedlich.

svz.de von
05. Oktober 2018, 16:57 Uhr

Zufrieden haben Sportorganisationen darauf reagiert, dass die Urheber von Cyberattacken auf sie angeblich ausfindig gemacht wurden.

«Es ist gut zu wissen, dass die Hacker nun identifiziert sind», teilte Matthieu Reeb, der Generalsekretär des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Nationale Antidoping-Agentur NADA «begrüßt die Untersuchungen».

Wie die USA, Großbritannien und die Niederlande beschuldigt nun die Bundesregierung offiziell Russland als Urheber massiver Cyberattacken der vergangenen Jahre. Das FBI und das US-Justizministerium hatten am Donnerstag sieben Agenten des russischen Militärgeheimdiensts GRU unter anderem wegen der Hackerangriffe auf Organisationen des Weltsports angeklagt. Dazu gehören neben dem CAS unter anderen die Welt-Antidoping-Agentur WADA, der Internationale Leichtathletik-Verband IAAF und der Fußball-Weltverband FIFA.

Der Sportgerichtshof CAS bestätigte, dass seine Website am 11. und 12. August 2016 während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro Ziel von Hackern gewesen sei. «Die Server des CAS waren widerstandsfähig genug, um Datensicherheit zu gewährleisten», sagte Generalsekretär Reeb. Die WADA hatte die deutsche NADA laut deren Angaben bereits 2016 über einen vermeintlichen Hackerangriff informiert und zusätzliche Sicherheitsoptionen in ihre Computersysteme eingebaut. Damit schützte sie das Meldesystem Adams, in dem Sportler unter anderem ihre Aufenthaltsorte hinterlegen. Die WADA teilte mit, dass es seitdem keinen beweisbaren Einbruch in die Systeme gegeben habe.

IOC-Präsident Thomas Bach sagte nach der Sitzung des Exekutivkomitees am Donnerstag in Buenos Aires, dass das IOC das Ziel von «zahlreichen Attacken» gewesen sei und das Abwehrsystem deshalb «ständig verbessert» wurde. Er nannte die Russen allerdings nicht als Verantwortliche. Bach sagte, er wolle sich derzeit nicht im Detail äußern, um den Hackern keine Tipps zu geben.

Ein zentraler Vorwurf der Behörden lautet: Nach den Olympischen Spielen 2016 hätten die Russen laut Anklage im Netz gestohlene medizinische Informationen über fast 250 Athleten über die Website und die Social-Media-Kanäle der Hackergruppe Fancy Bears veröffentlicht. Das FBI schrieb auf seiner Website: «In einigen Fällen haben die Russen die Informationen so verändert, dass es aussieht, als wenn nicht-russische Athleten dopen würden.»

Die ebenfalls betroffene US-Antidoping-Agentur teilte in einer Stellungnahme mit: «Diese illegalen und boshaften Taten waren ein verzweifelter Versuch, abzulenken vom staatlich gestützten russischen Dopingprogramm und einem breiten System korrupten und unethischen Verhaltens der russischen Regierung.»

Die WADA hatte Russland jahrelang staatlich gesteuertes Doping vorgeworfen, insbesondere bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro durfte daraufhin nur ein dezimiertes russisches Team antreten, bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang starteten ausgewählte russische Athleten unter neutraler Flagge.

Kurz nach Ende der Spiele in Südkorea nahm das Internationale Olympische Komitee Russland allerdings wieder auf. Im vergangenen Monat hob die Welt-Antidoping-Agentur die Suspendierung der russischen Antidoping-Agentur auf und ebnete damit den Weg für die Rückkehr des Landes in den Weltsport.

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