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20. November 2017 | 09:00 Uhr

Boxen : Von Brähmers Sieg überzeugt

vom
Aus der Onlineredaktion

Schwerins Boxtrainer Michael Timm ist überzeugt: Sein Schützling gewinnt die „Ali Trophy“ im Supermittelgewicht

von
erstellt am 22.Okt.2017 | 09:00 Uhr

Den nächsten Freitag, 27. Oktober, sollten sich Boxfans rot in ihrem Kalender anstreichen. Dann startet mit Jürgen Brähmer der letzte verbliebene deutsche Teilnehmer in die „World Boxing Super Series“. Gegen den US-Amerikaner Rob Brant kämpft der Schweriner in der heimischen Sport- und Kongresshalle um den Einzug ins Halbfinale im Kampf um die „Muhammad Ali Trophy“ (live mit Sky Select und auf ranFIGHTING.de). Im Interview mit Jan Kucht erinnert sich seinem Michael Timm , Brähmers erster und wieder aktueller Trainer, an die Anfänge seines Schützlings und erklärt, wieso er an einen Turniersieg Brähmers glaubt.

Können Sie sich an den Moment erinnern, wo Sie das erste Mal auf Jürgen Brähmer trafen?
Michael Timm: Jürgen war damals 14 und wurde zu einem Trainingslager des DBV eingeladen. In dem Moment, wo ich ihn das erste Mal trainieren sah, war ich begeistert. Dabei wollte ich ihn erst gar nicht in meiner Trainingsgruppe haben, da ich so viele Kaderathleten betreute – da war gar kein Platz für ihn. Doch einer meiner Kollegen nötigte mich geradezu, mir den Jungen anzuschauen. Das tat ich zum Glück und in diesem Moment dachte ich: „Da ist ein Edelstein, den der Box-Himmel zur Erde geschickt hat.“

Welche seiner Qualitäten hat Sie damals so besonders fasziniert?
Zum einen sein Bewegungstalent – er war ein großartiger Leichtathlet und Fußballer, sehr ausdauernd. Und Jürgen konnte natürlich Boxen. Das war zu diesem Zeitpunkt schon große Klasse, wie er das rübergebracht hat. Aber das für mich Wichtigste war schon damals, dass er Biss und Herz hatte. Jürgen wollte nach ganz oben und unbedingt die Nummer eins sein. Und dieser Erfolgswille ist immer noch in seinem Kopf verankert.

Bei den Amateuren wurde Jürgen Brähmer Junioren-Weltmeister auf Kuba und schlug Leute wie Ricky Hatton und Carl Froch. Was war einige Jahre später das Entscheidende, dass er auch ein erfolgreicher Profi wurde?
Jürgen musste einfach nur das weiterführen, was er bis dahin gelernt hatte. Natürlich war es für ihn wichtig, noch stabiler zu werden und seine Athletik sowie Kondition zu erhöhen. Aber das Boxerische, das große Kämpferherz und das Auge, das hat er alles gehabt – das musste Jürgen tatsächlich nur festigen.

In seinen jungen Jahren hatte Ihr Schützling neben Höhen allerdings auch Tiefen zu überstehen. Wie wichtig war es daher auf mentaler Ebene mit ihm zu arbeiten?

Wie gesagt, im sportlichen Bereich war es eine wahre Freude mit ihm, und ich hatte nicht viel zu meckern. Das Einzige, was ich als echte Arbeit empfand, war, ihn immer wieder zu wecken, um sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Jürgen hatte immer einen Traum: Er wollte einen großen Hof und eine Familie gründen. Daran hat er immer geglaubt und daher auch nie den Ehrgeiz verloren, sich im Training zu schinden und somit seinen Traum zu verwirklichen.

Das Ergebnis sieht man heute: Jürgen ist 39 Jahre alt und zählt immer noch zur Weltspitze.

Diesen Traum konnte er sich ja erfüllen. Gibt es noch einen Unterschied zwischen dem Jürgen von damals und dem von heute?

Als er 18 war, da kam rein sportlich alles von allein – Jürgen ist einfach ein Talent fürs Boxen. Wenn man älter wird, muss man sich, egal wie talentiert jemand ist, alles hart erarbeiten. Das hat Jürgen gelernt zu akzeptieren. Er denkt jetzt viel mehr nach in Sachen Trainingsgestaltung und wie er sich verbessern kann. In Sachen Ehrgeiz und Erfolgshunger sehe ich immer noch den gleichen Jürgen vor mir.

Waren Sie überrascht, als Sie erfahren haben, dass er mit 39 Jahren an der „World Boxing Super Series“ teilnimmt?

Ja, im positiven Sinne. Es wird hier schließlich im Namen des größten Boxers aller Zeiten der beste Super-Mittelgewichtler der Welt ausgeboxt. Dass Jürgen diese Chance nicht lang vor seinem Karriereende bekommt, sprich zu den Besten der Besten zählt, macht mich sehr glücklich.

Aufgrund seines Alters wird Jürgen Brähmer von vielen Experten als Außenseiter angesehen. Wie überzeugt sind Sie, dass er aus diesem Turnier als der Sieger hervorgeht?
Ich glaube daran, ganz fest sogar. Seine Erfahrung gibt ihm einen riesigen Vorteil gegenüber den anderen Turnierteilnehmern. Das heißt aber nicht, dass ich die anderen Boxer unterschätze. Aber so fit wie Jürgen momentan ist und auf welchem Level er immer noch imstande ist, zu boxen, sehe ich gute Chancen für ihn, das Turnier zu gewinnen.


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