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Internationaler Verband blockt : Volleyball-Politikum Hidalgo: Der Kampf mit der Bürokratie

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Salvador Hidalgo hat einen Traum. Der auf Kuba aufgewachsene Volleyballer will einmal für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen. Der Verband kämpft um ihn. Die EM in Polen wäre für ihn etwas ganz Besonderes. Eine Geschichte über Geld und Bürokratie.

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erstellt am 23.Aug.2017 | 09:09 Uhr

Der Kampf von Salvador Hidalgo begann vor sechs Jahren. 2011 wurde der in Leningrad geborene und auf Kuba aufgewachsene Volleyballer deutscher Staatsbürger. Damals dachte der Außenangreifer noch, ein Einsatz in der Nationalmannschaft könne nur eine Frage von Monaten sein.

Salvador Hidalgo lag falsch. Trotz aller Bemühungen des deutschen Verbandes, eine Spielgenehmigung für das Kraftpaket zu erwirken, wird auch eine Teilnahme des 31-Jährigen an der EM in seiner Wahlheimat Polen ein Wunschtraum bleiben.

«Er ist ein sehr interessanter Spieler mit Hunger nach Erfolg», sagte Bundestrainer Andrea Giani der Deutschen Presse-Agentur über Hidalgo, der zusammen mit DVV-Kapitän Lukas Kampa beim polnischen Spitzenteam Jastrzębski Węgiel spielt. «Vielleicht könnte sich für die nächste Saison etwas ergeben.» Warum - wenn überhaupt - erst dann? Warum bekommt Hidalgo einfach keine Spielerlaubnis?

Dabei hat Hidalgo für den kubanischen Verband noch nicht mal ein einziges offizielles Länderspiel bestritten. «Meine Eltern sind Kubaner, in meinen Adern fließt kubanisches Blut, meine Gefühle sind kubanisch», erzählte Hidalgo polnischen Medien. «Ich habe aber nie die Chance bekommen, in Kubas Nationalmannschaft zu spielen.»

Hidalgo verließ den Karibik-Staat 2005, zwei Jahre später sicherten sich die Netzhoppers KW-Bestensee die Dienste des Globetrotters. «Deutschland hat mir die Türen geöffnet, professionell Volleyball zu spielen, dafür bin ich meinem ersten Verein dankbar», sagte Hidalgo.

2012 startete der DVV den ersten Versuch einer Freigabe. Der kubanische Verband hat aber seitdem trotz mehrerer Bemühungen auf keine Anfrage aus Deutschland reagiert. 2013 teilte Kuba nach DVV-Angaben zumindest dem Weltverband FIVB seine Ablehnung mit.

«Es gibt die grundsätzliche politische Einstellung von kubanischer Seite, keine Hilfestellung zu leisten, wenn ein Spieler den Verband verlässt», erklärte Fritjof Werner, der vor den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona als Videoscout- und analyst beim kubanischen Verband eingestiegen ist und die Abläufe dort kennt.

«Die fragen immer Kuba, obwohl ich doch keinen Kontakt dahin habe», sagte Hidalgo in Richtung Weltverband. «Ich mache deshalb nicht den kubanischen, sondern den internationalen Verband verantwortlich.»

Angeblich ließe sich der Weltverband gegen die Zahlung eines Entgelts dazu bewegen, sich in die Causa einzuschalten und eine Entscheidung herbeizuführen. Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur, wovon Hidalgos Spielgenehmigung nun abhänge, reagierte das Gremium aber nicht. Hidalgo und der DVV bekommen die vielleicht schmerzhafteste Facette der Bürokratie zu spüren - Nichtbeachtung.

«Ich wollte das nie sagen, aber kubanische Spieler sind auch ein Geschäft für den internationalen Verband, weil die Ablösesummen für uns so hoch sind», vermutet Hidalgo und verweist auf Gebühren, die der FIVB bei Wechseln angeblich kassieren soll.

Bürokratische Hürden lassen sich aber auch überwinden - es dauert jedoch. Der gebürtige Kubaner Osmany Juantorena erhielt nach seiner Heirat 2010 die italienische Staatsangehörigkeit, fünf Jahre später lief er erstmals für die Squadra Azzurra auf.

Einmal das DVV-Trikot offiziell tragen - Hidalgo gibt diese Sehnsucht nicht auf. Ein Tattoo mit dem Schriftzug «Faith» (Glaube) ziert seine Haut. Es soll ein Omen sein. «Ich glaube, dass sich eines Tages etwas ändern wird», meint Hidalgo. Das kann aber noch dauern.

Hidalgo-Profil bei Wegiel

Tweet von Hidalgos Management zu Meldedaten

Hidalgo-Profil bei seinem Management

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