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22. November 2017 | 10:38 Uhr

Profiboxer Araik Marutjan : Verletzter Gewinner

vom
Aus der Onlineredaktion

Trotz Kampfabbruchs wegen gerissener Achillessehne: Araik Marutjan siegt beim Debüt als Profiboxer

von
erstellt am 06.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Eine MRT-Untersuchung hat gestern bestätigt, woran eigentlich kein Zweifel mehr bestand: Araik Marutjan hat sich am Sonnabend bei seinem Debütkampf als Boxprofi gegen den Ukrainer Serhii Ksendzov die Achillessehne gerissen. Und zwar ganz durch. Ob der 24-Jährige aber unters Messer muss oder konservativ behandelt werden kann, soll heute eine weitere Untersuchung klären.

Dafür hat Araik in anderer Hinsicht mehr Glück gehabt: Er hat seinen Kampf trotz des verletzungsbedingten Abbruchs nicht wie gestern – auch von uns – irrtümlich gemeldet durch technischen K.o. verloren, sondern mittels „technischem Punktsieg“ gewonnen.

Grundlage dafür ist die Regel 21, Absatz 4 des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB). Darin heißt es: „Falls ein Boxer sich unfallbedingt oder durch höhere Gewalt verletzt, so dass der Kampf nicht fortgesetzt werden kann, muss bis Ende der 3. Runde das Urteil ,ohne Entscheidung‘ lauten. Die Runde ist mit dem Gongschlag beendet. Die daran anschließende Pause zählt schon zur nächsten Runde. Die angefangene Runde ist zu bewerten. Hat keine Aktion stattgefunden, ist die Runde mit 10:10 zu bewerten.“

Da sich Araik in der vierten Runde verletzte, wurden die Punktzettel zu Rate gezogen und da lag der Schützling von Jürgen Brähmer auf jedem einzelnen klar vorn.

Diese Regel hatte sich der BDB übrigens erst vor rund acht Jahren gegeben. Präzedenzfall dafür war das Profidebüt des Hamburger Schwergewichtlers Christian Hammer in Oberhausen. Hammer hatte den Slowaken Robert Gregor förmlich durch den Ring gejagt, ehe er sich die Schulter auskugelte und nicht weiterboxen konnte. Gregor, der am Kampf quasi gar nicht teilgenommen hatte, gewann durch technischen K.o. Um so etwas fürderhin auszuschließen, wurde die Regel eingeführt.

Eine sehr ähnliche Regel haben auch die großen Weltverbände. Hier wird der Kampf – in der Regel ja Meisterschaftskämpfe über zehn, zwölf Runden – bis einschließlich der vierten Runde ohne Entscheidung gewertet. Allerdings gilt das nur bei einer Unfallverletzung wie zum Beispiel nach unabsichtlichem Kopfstoß.

Hätte auch die WBA die „höhere Gewalt“ in diesen Passus integriert, wäre Jürgen Brähmer immer noch deren Weltmeister im Halbschwergewicht. Denn die Ellenbogenverletzung, die den Schweriner im Kampf gegen Nathan Cleverly am 1. Oktober 2016 in Neubrandenburg in der Pause vor der siebten Runde zur Aufgabe zwang, ließ sich nicht zweifelsfrei auf einen Kampfunfall zurückführen. Brähmer verlor durch technischen K.o.

Für Araik Marutjan gilt es nun, Behandlung und Reha hinter sich zu bringen, um dann schnellstmöglich wieder im Ring anzugreifen – mit einem Sieg auf der Habenseite.

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