Jürgen Brähmer bleibt Weltmeister : Verdienter Triumph zum Jubiläum

Temporeich und hammerhart: Jürgen Brähmer (r.) und Eduard Gutknecht schenkten sich im WM-Kampf nichts.  Fotos: Klaus Frevert
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Temporeich und hammerhart: Jürgen Brähmer (r.) und Eduard Gutknecht schenkten sich im WM-Kampf nichts. Fotos: Klaus Frevert

Jürgen Brähmer bezwingt vor knapp 5000 begeisterten Fans in Neubrandenburg Herausforderer Eduard Gutknecht und bleibt Weltmeister

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13. März 2016, 20:00 Uhr

Michael Timm war sich am frühen Sonntagmorgen direkt am Ring im Neubrandenburger Jahnsportforum sicher: „Glückwunsch an Jürgen. Aber vor fünf Jahren hätte er Eddi noch weggehauen.“ Auch Dariusz „Tiger“ Michalczewski spielte auf das Alter an: „Du bist geboren, wann du geboren bist. Das kannst du nicht verstecken.“

Was zu dem Zeitpunkt weder der Ex-Trainer noch der frühere Universum-Stallgefährte des Schweriners Jürgen Brähmer wussten: Der alte und neue Profi-Boxweltmeister im Halbschwergewicht nach WBA-Version hatte bei seiner erfolgreichen Titelverteidigung gegen Herausforderer Eduard Gutknecht (Gifhorn) in der zweiten Hälfte des Kampfes seiner schärfsten Waffe, der linken Schlaghand, Schonung auferlegen müssen. „Ich verspürte in Runde sechs in der Hand einen Schmerz und dachte nur noch: Sch…, pass lieber auf jetzt“, sagte der 37 Jahre alte Champion.

Trotz dieses Handicaps, von dem nicht einmal Trainer Karsten Röwer wusste („Jürgen hat in der Ecke nicht rumgejammert.“), und eines in der neunten Runde per Kopfstoß erlittenen Cuts am linken Auge hatte Brähmer im technisch wenig attraktiven, dafür aber hinsichtlich Tempo und Intensität grandiosen Duell klar und verdient einstimmig nach Punkten (116:111, 116:111 und 118:110) triumphiert.

„Der eine Punktrichter ist mit ‘nem Blindenhund gekommen und muss mit dem auch wieder zurückgeführt werden“, machte sich Winfried Spiering, Chef von Gutknechts Wiking-Boxstall Luft, erkannte aber neidlos an: „Jürgen hat verdient gewonnen. Eddi war sich zu sicher. Er dachte, er könne zur Mitte des Kampfes etwas Entscheidendes fabrizieren, konnte es aber nicht.“

Das sah auch der Herausforderer selbst so: „Ich habe die ersten vier Runden viel zu klar abgegeben und hätte letztlich viel mehr machen müssen.“

Wie es jetzt bei Weltmeister Brähmer weitergeht, ist noch nicht entschieden. Während ihm zum Beispiel Ex-Weltmeister und Ex-Trainingskollege Sebastian Sylvester den gutgemeinten Rat gibt, nur ja nicht den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören zu verpassen, hält der den noch lange nicht für gekommen. Kein Wunder, hat er doch gerade in seinem nunmehr 50. Profikampf die fast 5000 Fans von den Stühlen gerissen und zur Feier des Tages neben den schon Genannten mit Juan Carlos Gomez, Artur Grigorian, Sebastian Zbik, Sascha Dimitrenko, Susi Kentikian oder auch Ina Menzer zahlreiche alte Weggefährten aus gemeinsamen Universum-Tagen begrüßen dürfen.

„Das Boxen macht mir immer noch viel Spaß und es gibt noch so einige Optionen“, sagt der Weltmeister. „Aber darum muss ich mich zum Glück nicht kümmern, das macht unser Management.“

Promoter Kalle Sauerland hat dabei große Namen im Blick: Man verhandle bereits mit WBC-Champion Adonis Stevenson (Kan) und dem Waliser Nathan Cleverly, der ebenfalls schon Weltmeister war. Auch ein Kampf gegen den Russen Sergej Kowalew, WBA-Superchampion sowie IBF- und WBO-Weltmeister, sei denkbar.

Aber das ist alles noch Zukunftsmusik. „Am Montag gehe ich erstmal zum Arzt“, sagt Jürgen Brähmer. „Wir haben in Schwerin einen hervorragenden Hand-Chirurgen.“ Dabei setzt er darauf, dass es nicht so schlimm ist wie nach seinem Kampf zuvor. Da hatte er sich einen Bänderriss zugezogen. „Aber diesmal ist die Hand nicht gleich so dick geworden“, hofft der Weltmeister auf weniger Scherereien.

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