Radsport : Triathlet Michael Kruse mit neuem Rad zur WM?

 Bei dieser neuen Zeitfahrmaschine hat Triathlet Michael Kruse (2.v.r.) gut lachen. Das Team von Steffen Rademacher (r.) hat das Rad für den Schweriner zusammengestellt.
Bei dieser neuen Zeitfahrmaschine hat Triathlet Michael Kruse (2.v.r.) gut lachen. Das Team von Steffen Rademacher (r.) hat das Rad für den Schweriner zusammengestellt.

Triathlet Michael Kruse will sich in Thailand für die 70.3-Weltmeisterschaften 2018 qualifizieren. Dafür hat er ein neues Zeitfahrrad im Repertoire

svz.de von
27. Mai 2017, 16:00 Uhr

Wie viele Rennräder Michael Kruse in seiner langen Sportlaufbahn bereits besessen hat, daran kann sich der 51-jährige Schweriner nicht mehr so recht erinnern. An seinen neuesten „Drahtesel“ wird er aber mit Sicherheit auch noch in 20 Jahren denken, denn das neue Sportgerät hat schlappe 8500 Euro gekostet und wurde exakt auf Kruse zugeschnitten. „Das ist nicht nur ein Zeitfahrrad, das ist schon eine richtige Zeitfahrmaschine“, betont der Triathlet.

Und diese Zeitfahrmaschine hat so einige Besonderheiten in petto. Vor allem der Rahmen war sehr kostspielig, ist dafür aber im Windkanal getestet worden und aerodynamisch für einen Triathleten nicht zu toppen. Der steife Rahmen sorgt zusätzlich dafür, dass die eingesetzte Kraft direkt in den Vortrieb wirkt. Darüber hinaus befindet sich im Rahmen eine Trinkblase, Getränke müssen also nicht außen befestigt werden – so wird der Fahrwiderstand minimiert. Neben einer elektrischen Schaltung sorgen Sattel und Lenkeraufsatz – zumindest für Michael Kruse – für optimale Entlastung. „Die Triathleten sollen sich auf dem Rad ja erholen und essen sowie trinken. Am Ende sollen sie für das abschließende Laufen ausgeruht sein“, erklärt Jan Schult von Rademacher-Bicycles.

Schult ist einer von sieben Mitarbeitern bei Steffen Rademacher. Das Kruse-Rad haben sie an eineinhalb Tagen zusammengebaut und -geschraubt. Auch wenn die Jungs am Schweriner Ziegenmarkt gerade in Sachen Sporträder für viele in und um Schwerin der erste Ansprechpartner sind, ist es auch für die Rademacher-Crew nicht alltäglich, an so einer „Maschine“ zu werkeln. Einig sind sie sich alle, dass das aber schon richtig Spaß gemacht hat. „Wir freuen uns natürlich über jedes Rad, das wir zusammenschrauben können. Man merkt aber auch, dass sich die Nachfrage nach Rennrädern in den letzten Jahren deutlich erhöht hat“, so Jan Schult. Sicherlich auch wegen der vielen Jedermann-Triathlons und -Radrennen, die immer mehr Zulauf erfahren.

Neben den Rennrädern macht Schult noch einen weiteren Trend aus: „Immer mehr Leute interessieren sich für sogenannte Adventurebikes, Fahrräder fürs Abenteuer.“ Räder, mit denen man über Stock und Stein fahren kann, die mit Taschen behängt sind, in denen Schlafsack und Zelt stecken, sind also groß im Kommen. „Das ist natürlich nicht ganz billig. Wir wollen aber nicht, dass Kunden nach zwei Wochen gleich wieder mit einem kaputten Rad in den Laden kommen, nur weil sie auf ein billiges Modell gesetzt haben“, rührt Schult ein wenig die Werbetrommel.

Allerdings wird Kundenbindung bei Rademacher tatsächlich großgeschrieben. Neue Fahrradteile werden selbstverständlich vorher getestet. „Wir wollen ja nicht irgendetwas verkaufen, sondern gute Sachen. Wenn wir das austesten, wissen wir, wovon wir reden“, sagt Schult.

Zusätzlich bietet Rademacher jeden Mittwoch eine Ausfahrt mit dem Rennrad an. Um 16 Uhr treffen sich dann am Ziegenmarkt bei Wind und Wetter Gleichgesinnte zur zwei- bis dreistündigen Ausfahrt. „Da können sich die Leute austauschen, fachsimpeln und auch ein paar Tipps weitergeben. Zusätzlich lernen die Kunden uns als Mitarbeiter näher kennen. Das baut schon Vertrauen auf“, gibt Schult die Gründe an. Auch da testen Rademachers Mitarbeiter, was sich an Rädern und Materialen bewährt und was nicht.

Die Zeitfahrmaschine von Michael Kruse, die hat sich schon bewährt. Beim 25. Vorpommern Duathlon in Lubmin gewann Kruse die Kurzdistanz. „Das lief schon ganz gut, nur der Sattel ist für meine Muskeln noch etwas ungewohnt. Ob wir das verändern müssen, wird die Zukunft zeigen“, gibt Kruse zu verstehen. Zukunft. Das bedeutet für den ehemaligen Extremsportler vor allem viele kleine Wettkämpfe in der Umgebung, um sich für den einen großen Wettkampf in Form zu bringen. „Ich starte in diesem Jahr wieder beim 70.3-Triathlon in Thailand. Dieses Mal ist mein Sohn Dennis auch mit am Start.“

Die Zielstellung ist klar: „Nach Möglichkeit möchte ich mich wieder für die Weltmeisterschaften qualifizieren. Das hat im letzten Jahr schon geklappt, nur fällt der WM-Termin 2017 genau in die Zeit des Schweriner Jedermann-Radrennens. Und letztendlich geht Arbeit vor. Ich hoffe aber, die WM-Quali gelingt mir dieses Mal wieder.“ Von seinem Ehrgeiz hat der 51-Jährige überhaupt nichts verloren. Bei diesem neuen Zeitfahrrad ist das aber auch kein Wunder.

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