Usedom-Cup im Tennis : Wohin Tiriac sogar zu Fuß kam

Rumäniens Tennis-Star Ion Tiriac (hier im Finale für seinen Einzel-Turniersieg 1970 in München), der später als Manager von Boris Becker sowie als Trainer von Anke Huber und Goran Ivanisevic brillierte, lief sogar zu Fuß von Wolgast zum Turnier in Zinnowitz.
Rumäniens Tennis-Star Ion Tiriac (hier im Finale für seinen Einzel-Turniersieg 1970 in München), der später als Manager von Boris Becker sowie als Trainer von Anke Huber und Goran Ivanisevic brillierte, lief sogar zu Fuß von Wolgast zum Turnier in Zinnowitz.

Das größte Tennisturnier der DDR in Zinnowitz lebt weiter: Fast 300 Altmeister bei Usedom-Cup. Comeback der Brigitte Hoffmann

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18. Juli 2018, 11:45 Uhr

Das Ostseebad Zinnowitz war zu DDR-Zeiten so etwas wie das Wimbledon des hiesigen Tennissports. Denn die einzige Veranstaltung von internationaler Bedeutung in dieser Sportart ging im damaligen Ostseebad der Wismut-Kumpel über die Bühne. Vor allem in den ersten Jahren dieses Turniers waren hier auch ganz große Asse zu bewundern. Zu den bekanntesten zählt der Rumäne Ion Tiriac, der 1963 nach seinem Aus in Wimbledon nach Zinnowitz kam, sah und siegte.

Er hatte sich nach seiner Landung in Tegel von West- nach Ostberlin durchgeschlagen und war mit dem Zug erst in der Nacht in Wolgast angekommen. Der Bäderzug fuhr nicht mehr, und so entschloss sich Tiriac die 14 Kilometer nach Zinnowitz zu Fuß zu gehen. Kurz nach seiner Ankunft und einem stärkenden Frühstück bestritt er noch am Morgen sein längst fälliges Erstrundenspiel und brauchte zum 6:0, 6:2, 6:0-Sieg gegen Gerhard Waldhausen aus Wernigerode nur 45 Minuten.

Einige Tage später erkämpfte der Rumäne, der noch heute einer der ganz großen Macher im Welt-Tennis ist, mit dem 6:4, 8:6, 1:6, 6:4-Endspielsieg gegen den Chinesen Chu Chen Hua den Titel.

Aber auch DDR-Spieler und -Spielerinnen bewiesen in Zinnowitz, dass sie entgegen der im Westen vorherrschenden Meinung sehr gut Tennis spielen konnten. Allen voran DDR-Rekordmeister Thomas Emmrich, der in Zinnowitz allein zehn Mal Sieger im Herren-Einzel wurde. Größerer Ruhm war dem Magdeburger nur deshalb nicht vergönnt, weil ihm die DDR-Sportoberen jeglichen Start im westlichen Ausland verwehrten. Tennis-Ikone Martina Navratilova meinte später sogar, er hätte das Zeug zu einem Grand-Slam-Champion gehabt.

Aber auch die DDR-Damen machten in Zinnowitz von sich reden. Eine davon war Brigitte Hoffmann, die 1971 gleich mit zwei Erfolgen einstieg. Da wurde die Berlinerin Turniersiegerin im Damen-Einzel und im Damen-Doppel mit der Hallenserin Hella Riede.

Mit dem Namen Brigitte Hoffmann schließt sich auch der Kreis zum heutigen Tennis in Zinnowitz. Denn 2007 fanden hier die Usedom Senior Open erstmals statt, und deren Anziehungskraft für die Altmeister aus ganz Deutschland war von Anfang an riesig. Inzwischen reicht die Tennisanlage in Zinnowitz längst nicht mehr aus, um ein Turnier dieser Größenordnung über die Bühne zu bringen. Es musste eine zweite hinzugenommen werden. Nämlich die im benachbarten Karlshagen, und die gab es zu DDR-Zeiten überhaupt noch nicht.

Fast 300 Teilnehmer waren in diesem Jahr bei der zwölften Auflage der Usedom Senior Open in acht Altersklassen der Herren und sieben bei den Damen in Aktion. Auch wieder Brigitte Hoffmann, und die wurde erneut zweifache Turniersiegerin. In der Altersklasse 75 gewann sie das Damen-Einzel, in der AK 65 mit der Berlinerin Inge Kubina das Damen-Doppel. Von ähnlichen Erfolgen der MV-Oldies gibt es leider nichts zu berichten.

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