Ein Emmrich in Wimbledon

Martin, der Sohn des DDR-Tennis-Rekordmeisters Thomas Emmrich, ist im Doppel Spitze

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01. Juli 2014, 17:48 Uhr

Wenn zu DDR-Zeiten vom Tennis die Rede war, dann wurde das immer wieder mit dem Namen Thomas Emmrich verbunden. Der Wahl-Magdeburger bestimmte von 1970 bis 1990 das Tennis-Geschehen im Osten nach Belieben. Unglaubliche 48 DDR-Meistertitel hat er in dieser Zeit errungen, darunter allein 17 im Einzel. Im Ostseebad Zinnowitz, dem wichtigsten Tennis-Ereignis in der DDR, war er zehn Mal erfolgreich. Die Experten trauten ihm auch eine große internationale Karriere zu. Doch die ließen die DDR-Sportoberen nicht zu. Tennis gehörte in der DDR nicht zu den „besonders geförderten Sportarten“.

Was Thomas Emmrich von „oben“ verwehrt wurde, das ist nun seinem Sohn Martin vergönnt. Der inzwischen 29-Jährige ist in diesen Tagen bereits zum dritten Mal in Wimbledon dabei, bestreitet beim traditionsreichsten Turnier der Welt das Herren-Doppel – wo er in der ersten Runde mit Partner Christopher Kas am Duo Knowle (Aut)/Melo (Bra) mit 4:6, 5:7, 3:6 ausschied – und das Mixed, wo er noch im Rennen ist.

Seine Profikarriere hat laut offizieller ATP-Statistik zwar schon 2001 begonnen, doch erste größere Erfolge stellten sich erst 2011 ein. „Da habe ich mich dazu durchgerungen, mich ganz auf das Doppel zu konzentrieren. Mein Vater hatte mich schon früher dazu gedrängt. Nun bin ich sehr froh, dass ich mich zu diesem Schritt entschlossen habe, denn im Einzel hätte ich es nie zu einer Teilnahme bei einem Grand Slam geschafft“, zeigt sich Martin Emmrich als Realist.

Die Zahlen beweisen es. Die beste Platzierung, die der Linkshänder in der Einzel-Weltrangliste schaffte, war am 12. Oktober 2009 die Nummer 604. Im Doppel war er am 5. August 2013 sogar schon bis auf den 35. Platz geklettert, aktuell ist er 58. Mit dieser Platzierung ist für ihn die Teilnahme bei allen Grand-Slam-Turnieren garantiert. Wimbledon 2014 ist für ihn schon sein insgesamt elftes. Inzwischen bestritt er auch schon sein erstes Doppel im deutschen Nationaltrikot, also im Daviscup.

In Wimbledon gibt es in diesem Jahr für Emmrich noch eine ganz besondere Premiere. Er bestreitet nämlich zum ersten Mal mit Michaella Krajicek das Mixed. Vor zwei Wochen hat er der 25-jährigen Holländerin, Halbschwester des 1996er Wimbledonsiegers Richard Krajicek, beim Turnier in s´Hertogenbosch vor großer Zuschauerkulisse einen Heiratsantrag gemacht.

Die Freude beim jungen Paar war nach dem 6:2, 3:6, 6:2-Auftaktsieg gegen Yung-Jan Chan (Taiwan) und Santiago Gonzalez (Chile) riesig, auch wenn in der 2. Runde mit den an 15 gesetzten Nenad Zimjonic (SRB)/Samantha Stosur (Aus) ein starker Gegner wartet. „Wir sind seit über einem Jahr ein Paar, im nächsten soll geheiratet werden“, bekräftigt Emmrich noch einmal.

Natürlich spielt bei beiden der Fußball auch in Wimbledon eine große Rolle. „Michaella ist von Hollands Titelgewinn überzeugt, ich vom deutschen ehrlich gesagt nicht so hundertprozentig. Doch Streit kommt deswegen bei uns nicht auf.“


Kerber und Lisicki im Viertelfinale


Unterdessen ist Angelique Kerber mit einem überraschenden Sieg gegen French-Open-Gewinnerin Maria Scharapowa ins Damen-Viertelfinale eingezogen. Die Kielerin rang die Favoritin aus Russland 7:6 (7:4), 4:6, 6:4 nieder. Die Berlinerin Sabine Lisicki schaffte mit einem 6:3, 3:6, 6:4 gegen die Kasachin Jaroslawa Schwedowa ebenfalls den Sprung ins Viertelfinale.

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