zur Navigation springen
Weitere Sportarten

23. November 2017 | 03:06 Uhr

Studie : Staatsdoping der DDR erforscht

vom
Aus der Onlineredaktion

Forscher dokumentiert Gesundheitsschäden von DDR-Doping-Opfern.

svz.de von
erstellt am 24.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Er sah die Bilder am Fernseher. Mit einem lauten Schrei stieß die Chinesin Gong Lijiao Anfang August die Kugel im Londoner Regen auf 19,94 Meter. Niemand war besser. Weltmeisterin. Auf der Tribüne jubelte Dieter Kollark, ihr Trainer, der zu DDR-Zeiten Athleten in Neubrandenburg formte. Und er, der am Fernseher? Durchlebt beim Anblick des Jubels die Szenen von damals. Er, das Opfer des DDR-Staatsdopings. Die Medizin nennt das einen Traumafolgeschaden.

Den Namen, um wen es sich dabei handelt, verrät Jochen-Friedrich Buhrmann nicht. Aber, so sagt der Chefarzt für Psychosomatik an der Schweriner Helios-Klinik gestern im Schloss: Jetzt, nach der ersten breit angelegten Studie über die gesundheitlichen Folgen des DDR-Staatsdopings, wüssten er und sein Greifswalder Forschungskollege Harald J. Freyberger über „das Ausmaß Bescheid“.

In Zusammenarbeit mit dem Verein der Dopingopfer-Hilfe (DOH), gegründet von der DDR-Sprinterin Ines Geipel, werteten die beiden Wissenschaftler zusammen mit Doktoranden Informationen von rund 1500 ehemaligen DDR-Athleten aus, die sich seit 2013 beim DOH gemeldet hatten. Das Ergebnis: Betroffene hätten infolge des Dopings, verglichen mit der Normalbevölkerung, einen zwei- bis fünffach erhöhten Faktor zu erkranken. Freyberger zählt auf: „Traumata, Psychosen, Krebs, Herzerkrankungen, Magen-Darm-Krankheiten…“. Und er spricht von sexuellem Missbrauch sowie einem Klima der Angst, das geschaffen wurde.

Die Landesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit, Anne Drescher, erklärt, in Mecklenburg-Vorpommern wären schätzungsweise 1000 Sportler vom staatlich angeordneten Doping betroffen gewesen. 180 Geschädigte von ihnen hätten sich bislang gemeldet. „Die Täter schweigen, die Sportmediziner, die Trainer“, sagt Freyberger. Gleiches gelte für die Koryphäen, jene, die damals Goldmedaillen gewannen.

Noch bis Ende 2018 haben Dopingopfer die Möglichkeit, eine Entschädigung einzufordern. Der Bund gewährt ihnen im Falle der Anerkennung eine Einmalzahlung in Höhe von 10  500 Euro.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen