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19. November 2017 | 22:47 Uhr

Boxen : Rio-Chance in Karabach begraben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kaukasus-Konflikt bringt Boxer Robert Harutyunyan um letzte Olympia-Hoffnung. Marutjan und Scheurich können Tickets noch lösen

von
erstellt am 20.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Der neu entflammte Konflikt zwischen den früheren Sowjetrepubliken Aserbaidshan und Armenien um die Kaukasus-Region Berg Karabach bringt Schwerins Kaderboxer Robert Harutyunyan endgültig um seine Olympia-Chance. Nachdem der Leichtgewichtler in der vorigen Woche im türkischen Samsun bei der Europa-Qualifikation das Ticket nach Rio verpasst hatte – Dritter hätte er werden müssen, scheiterte jedoch im Achtelfinale – wird er nun ein Opfer der Politik. Denn um den letzten Strohhalm zu ergreifen, müsste der 26-Jährige bei der Welt-Quali im Juni in Baku, der Hauptstadt Aserbaidshans, starten. Eine Reise, die auch eigentlich gut geschützten Sportlern keineswegs zu empfehlen ist, wenn sie – wie Robert – armenische Wurzeln haben. „Viel zu gefährlich! Da schicke ich meine Jungs nicht hin. Das mach’ ich nicht“, sagt denn auch Schwerins Cheftrainer Michael Timm.

Dass der olympische Boxweltverband AIBA wohl ähnliche Gedanken und Befürchtungen hegt und armenische Boxer im wahrsten Sinne des Wortes aus der Schusslinie nehmen wollte, legt die Resultatsliste von Samsun nahe. Fünf Boxer aus Armenien erreichten das Halbfinale, vier davon qualifizierten sich für Rio. Zum Vergleich: Bei der EM 2015 gewann der Kaukasus-Staat eine Bronzemedaille…

Mit „meine Jungs“ meint Meistermacher Timm außer Robert noch Araik Marutjan, ebenfalls armenischer Herkunft. Auch der WM-Dritte und EM-Zweite im Weltergewicht von 2013 musste in Samsun im Achtelfinale die Segel streichen. Der große Unterschied: Für den 23-Jährigen ist Baku nicht die letzte Ausfahrt auf dem Weg nach Rio. Weil er 2015 in der APB boxte, der Profiserie der AIBA, kann er sich noch über die Quali-Runde der Profis – mit den echten wie Wladimir Klitschko und denen der AIBA – qualifizieren. Von dem Turnier weiß man bislang nur, dass es zeitlich nach Baku stattfinden soll, aber nicht genau wann und auch nicht wo.

Robert bleibt diese Tür verschlossen. Zwar boxte auch er schon in der WSB, der semiprofessionellen Team-WM der AIBA. Doch war das vor zwei Jahren – zu lange her für ein Startrecht in der Profi-Quali.

Noch zwei Optionen für Rio hat Sarah Scheurich. Nachdem die Vize-Europameisterin im Mittelgewicht mit dem Halbfinal-Aus in der Türkei die Chance auf einen der beiden dort vergebenen Olympia-Startplätze verpasste, kann sie durch ihren Sieg im Kampf um Platz drei sozusagen durch die Hintertür doch noch Glück haben. Denn wenn bei der Frauen-WM in Kasachstan (19. bis 27. Mai) die jetzt vor ihr platzierten Jakuschina (Rus) und Laurell (Swe) ins Halbfinale kämen und damit quasi ein zweites Ticket lösen würden, dürfte die Schwerinerin nachrücken. Desgleichen, sollten eine andere Russin oder Schwedin im WM-Halbfinale stehen. Denn Olympia gestattet jeder Nation maximal einen Startplatz pro Gewichtsklasse. Ohne Wenn und Vielleicht fährt Sarah nach Brasilien, wenn sie selbst ins Halbfinale einzieht, da bei der WM in den nur drei olympischen Frauen-Limits (51 kg, 60 kg, 75 kg) jeweils vier Olympiaplätze zur Verteilung kommen.

Darauf spekulieren auch die seit einiger Zeit bei Michael Timm trainierenden Ornella Wahner (Berlin/51 kg) und Tasheena Bugar (Karlsruhe/60 kg). Zudem hofft mit Ronny Beblik (Chemnitz/52 kg) noch ein weiterer aktueller Timm-Schützling auf eine Nominierung für Baku.

Mit Roberts Bruder Artem Harutyunyan, APB-Weltmeister im Halbwelter, sowie Erik Pfeifer (Lohne/Superschwer) und David Graf (Sindelfingen/Schwer) hat Deutschland bis jetzt drei Olympiastarter.

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