Haarscharf am Sieg vorbei

Klassikerspezialist Degenkolb gewinnt hinter Ausreißer Tony Gallopin den Spurt des Hauptfeldes

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16. Juli 2014, 18:41 Uhr

Sturzopfer John Degenkolb ist haarscharf am ersten Tour-Etappensieg seiner Karriere vorbeigeschrammt, stattdessen hat Tony Gallopin die Gastgeber ein weiteres Mal verzückt. Degenkolb fehlten am Ende der elften Etappe über 187,5 Kilometer von Besancon nach Oyonnax nur wenige Meter, um Ausreißer Gallopin noch abzufangen.

Der Franzose, der bereits am Nationalfeiertag vor zwei Tagen das Gelbe Trikot geholt hatte, sorgte damit für den zweiten Heimsieg bei der 101. Tour de France. Vincenzo Nibali, der Spitzenreiter und haushohe Favorit auf den Toursieg, hatte auf der Überführungsetappe keine großen Probleme, das Gelbe Trikot erfolgreich zu verteidigen. Zwei Tage vor der ersten schweren Alpenetappe mit der Bergankunft in Chamrousse liegt der Italiener weiter 2:23 Minuten vor dem neuen Sky-Kapitän Richie Porte aus Australien.

„Schade, es haben nur ein paar Meter gefehlt. Ich wollte fahren, bis die Schmerzen kommen. Sie sind nicht gekommen. Das ist ein gutes Zeichen, dass der Heilungsprozess vorangeschritten ist“, sagte Degenkolb, der bis zum Schluss hoffte, „dass wir noch an Gallopin rankommen, aber er ist ein starkes Finale gefahren“. So wurde Degenkolb im brutalen Finale mit vier Anstiegen auf den letzten 46 Kilometern zum traurigen Helden. Vor genau einer Woche war der Klassikerspezialist auf der Arenberg-Etappe schwer gestürzt und hatte eine Muskeleinblutung am Gesäßmuskel erlitten. Noch am Ruhetag hatte er von großen Schmerzen berichtet: „Bei jedem anderen Rennen würde ich nach Hause fahren. Ich klammere mich an den Strohhalm und hoffe noch auf einen Etappensieg. Ich bin kein Weichei.“ Die gestrige Vorstellung gibt ihm aber wieder Hoffnung auf den langersehnten Erfolg.

Die Entscheidung fiel auf der rasanten Abfahrt über 13 Kilometer. Mit einer furiosen Attacke holte sich Gallopin die entscheidenden Sekunden, um vor dem heranstürmenden Hauptfeld zu gewinnen. „Erst das Gelbe Trikot, dann heute die Etappe – das ist unglaublich“, sagte der neue französische Held.

Andrew Talansky hatte der Ruhetag dagegen nicht viel geholfen. Der Garmin-Kapitän litt weiter an seinen Sturzverletzungen der Vortage und hatte früh sogar den Kontakt zum Hauptfeld verloren, an dessen Spitze seine Teamkollegen Tempo machten. Sollte es für ihn in den nächsten Tagen nicht mehr weitergehen, hätte die Tour nach Chris Froome, Alberto Contador, Andy Schleck und Fabian Cancellara einen weiteren prominenten Fahrer verloren.

Heute erwartet die Fahrer auf dem Weg in die Alpen eine weitere klassische Überführungsetappe über 185,5 km nach Saint-Étienne. Das Terrain scheint mit vier kleinen Bergwertungen wie gemacht für eine erfolgreiche Flucht.

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