„Das werde ich genießen“

Für einen Tag sogar Tour-Bergkönig: Jens Voigt
Für einen Tag sogar Tour-Bergkönig: Jens Voigt

„Demütiger“ Voigt sehnt Tour-Ende herbei – vorher gehts über die Pyrenäen

von
22. Juli 2014, 18:00 Uhr

Jens Voigt hat es nicht bereut, und es war schon jetzt alles dabei. „Das ganze Kaleidoskop“, sagt der Radsport-Altmeister, habe er erlebt bei dieser Tour de France, seiner 17. und wahrhaftig letzten. Die Freude, gut genug für eine Nominierung gewesen zu sein. Der Genuss, wenn ihm die Menschen applaudieren. Aber auch das Leiden, wenn der Schmerz der Anstrengung durch den Körper kriecht, und ein bisschen Angst, wenn der beinharte Kampf um die Positionen das Sturzrisiko dramatisch erhöht. Jens Voigt hat es bald geschafft, die Pyrenäen muss er noch durchstehen – sich morgen auf der Königsetappe ein allerletztes Mal über den mythischen Col du Tourmalet quälen.

Spätestens dann ist Paris ganz nah. Der fast 43-Jährige würde die französische Metropole zum 14. Mal in seiner Tour-Karriere erreichen, sich noch einmal feiern lassen von den Millionen Menschen, die den Prachtboulevard Champs Élysées am Sonntag wieder säumen werden. „Ein toller Augenblick, das werde ich nochmal in vollen Zügen genießen“, sagt der gebürtige Grevesmühlener.

Seine letzte Frankreich-Rundfahrt war bisher keine Spazierfahrt, keine Abschiedstour, bei der Voigt täglich fröhlich winkend mit der Menge abklatscht und Champagner schlürft. Das kann er machen, wenn die 3664 km geschafft sind und die Ehrenrunde absolviert wird. „Es ist schwere Arbeit für mich“, sagte der Profi des Teams Trek. Helferdienste hat er zu verrichten vor allem für den Luxemburger Fränk Schleck, der noch in die Top 10 der Gesamtwertung vorstoßen möchte. So wird es wohl auch auf den verbleibenden Kilometern seines Tour-Lebens sein. Die Pyrenäen sind für den Wahl-Berliner ein Ort des sportlichen Überlebenskampfes geworden. Früher hätte er dort der Konkurrenz zugesetzt. „Vor zehn Jahren hätte ich gesagt: Na klar greife ich an. Jetzt gucke ich, wo das Zeitlimit ist. Man wird demütiger“, sagt Voigt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen