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Jens Voig radelt wieder : 24 Stunden Teufelsberg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ex-Profi Jens Voigt kehrt zwei Jahre nach seinem Karriereende für guten Zweck zurück auf das Rad.

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2017 | 06:00 Uhr

Wildschweine, die nachts durch den Berliner Grunewald streifen, sind die größte Gefahr. Aber Jens Voigt ist gewappnet: mit einer starken Lampe auf dem Helm und einer kleineren am Lenker seines Cross-Rades. Für alle Fälle hat er auch eine Klingel montiert. Der Straßenbelag ist feucht und glitschig, nachts werden Temperaturen unter Null erwartet, der erste Schnee dieses Winters ist gefallen.

Die Ausrüstung für die ganz besondere Herausforderung stimmt beim Ex-Radprofi: Der 45-Jährige will seinen Hausberg in Berlin-Charlottenburg so oft hoch und hinunter fahren, bis er das Äquivalent der Höhe des Mount Everest (8848 Meter) geschafft hat. Voigt veranschlagte für seine Charity-Fahrt über rund 400 Kilometer etwa 24 Stunden – nonstop.

„Nachts wird’s hart“, sagte er gestern Mittag beim Start auf dem Parkplatz am Fuße des etwa 120 Meter hohen Teufelsbergs, der nach dem Krieg im Bezirk Charlottenburg aus Trümmern aufgeschüttet wurde. Bei Schneeregen waren zunächst immerhin knapp 20 Hobbyradler als Begleitung und moralische Stütze zur Stelle. Mehr sollten es allerdings nicht werden, „das musste ich dem Förster versprechen“, meinte Voigt.

„Heute Abend kommt mein Sohn. Im Auto habe ich genug trockene Kleidung zum Wechseln. Meine Frau hat gekocht“, berichtete Voigt, dem das öffentliche Interesse zwei Jahre nach seinem Rücktritt sichtlich angenehm war. Große Pausen, oder gar ein Stopp in seinem Haus um die Ecke, in dem er mit seiner Frau und den sechs Kindern lebt, sind nicht erlaubt.

Ein eisiger Wind empfing Voigt, als er seine „Tour de Cure“ zur Unterstützung von Krebspatienten begann. Der Ex-Profi, immer noch mit Idealgewicht unterwegs, war in seinem Element. Als Aktiver konnte er oft aussichtslos kämpfen und so schön telegen leiden. Das kann er auch als Ex. Einmal Ausreißerkönig, immer Ausreißerkönig.

Geld für den guten Zweck kann via Twitter oder Facebook gespendet werden. Das Ziel sind laut Voigt 10  000 Euro, die knappe Hälfte war schon vor dem Beginn seiner Marathon-Tour erreicht.

Kurz bevor es losging, bekam der zuletzt beim Trek-Team John Degenkolbs Beschäftigte einen Zehn-Euro-Schein zugesteckt. „Ich habe auch noch ein leeres Marmeladenglas für weitere Spenden dabei“, ließ Voigt wissen. Auch seine Mutter war gekommen.

„Ein bisschen persönliche Verrücktheit, aber vor allem eine gute Sache, das Jahr zu starten“, nannte der ehemalige Stunden-Weltrekordler die Hauptgründe für seine ganz besondere Energieleistung, die heute Mittag vollbracht sein soll. „Das längste Rennen, das ich bisher gefahren bin, war Mailand-San Remo mit knapp 300 Kilometern“, erzählte Voigt, der so viel Höhenmeter vor sich hatte, wie früher zwei schwere Berg-Etappen der Tour de France boten.

Wenn Voigt am Dienstag fix und fertig nach Hause kommen wird, ist erst einmal eine Rasur fällig: „Dann kommt mein Vollbart ab“.

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