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Die besondere Rückkehr : Hoy bei Vielseitigkeits-EM in heikler Doppelmission

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Als Reiterin im deutschen EM-Team starten und zugleich für einen anderen Verband arbeiten - geht das? Bettina Hoy versucht es zumindest.

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erstellt am 17.Aug.2017 | 14:37 Uhr

Bei der heiklen Doppelmission gab es am ersten Tag der Vielseitigkeits-EM nur eine kleine Schwierigkeit. «Ich muss schnell das T-Shirt wechseln», sagt Bettina Hoy vergnügt: «Das ist bisher das einzige Problem, das aufgetaucht ist.» Die Reiterin aus Rheine gibt im polnischen Strzegom (deutsch: Striegau) zum einen ihr Comeback im deutschen Nationalteam - und sie ist zugleich Trainerin des niederländischen Verbandes.

Nicht jeder im deutschen Verband ist über die zwei Aufgaben der Team-Reiterin glücklich. Aber zumindest der Bundestrainer findet es in Ordnung, dass Hoy einerseits Mitglied seines EM-Quartetts und andererseits Kollegin im Oranje-Dress ist. «Ich habe im Moment überhaupt kein Problem damit», sagt Hans Melzer.

Die 54-jährige Vielseitigkeitsreiterin arbeitet schon länger als Trainerin. Bei den Olympischen Spielen in Rio betreute sie die russischen Reiter, war aber nicht für das deutsche Team nominiert. Doch seit Beginn der Saison ist sie offiziell als Nationaltrainerin der Niederländer im Amt und reitet nun in Strzegom in Niederschlesien erstmals wieder in einem deutschen Team, seit sie 2006 in Aachen mit der Mannschaft den WM-Sieg feierte.

«Diese neue Position tut ihr gut», sagt der deutsche Bundestrainer. «Seitdem Bettina diesen Job macht, habe ich fast den Eindruck, dass sie entspannter reitet.» Melzer kam bei der EM-Nominierung nicht an Hoy vorbei. Mit Seigneur Medicott reitet die Einzel-Europameisterin von 1997 wieder «ein absolutes Weltklasse-Pferd».

Hoy selber sagt zu ihrer neuen Arbeit: «Ich bin dem holländischen Verband mehr als dankbar, denn ich habe auf einmal regelmäßige Einnahmen. Ich bin dadurch viel entspannter.» Der Vertrag gebe ihr mehr Sicherheit als zuvor ihre kurzfristigen Honorar-Jobs.

Bei der EM «klappt das bisher alles sehr gut», sagt sie. «Es ist nicht anders als bei normalen Turnieren, bei denen ich Schüler betreue.» Alle Termine werden abgestimmt. Unkompliziert ist es auch dadurch, dass der niederländische Verband kein komplettes Team nach Strzegom geschickt hat, sondern nur zwei Einzelstarter.

Bei der WM im kommenden Jahr dürfte das anders sein. Da es da auch um die Olympia-Qualifikation geht, kommt es zu einer Interessenkollision, die der deutsche Verband unterbinden will - auch wenn es laut Sport-Geschäftsführer Dennis Peiler «keine grundsätzliche Order des Verbandes gibt, dass Reiter nicht als Trainer arbeiten dürfen».

«Bei einer EM kann man damit großzügiger umgehen», sagt Peiler zu Hoys heikler Doppelmission: «Aber im WM-Jahr wird es das nicht geben. Reiter und Trainer, das geht nicht.» Hält der von Hoy gerittene Seigneur Medicott, was er verspricht, und wird der Wallach nicht vom Besitzer verkauft, dann würde Hoy im kommenden Jahr vor einer schwierigen Entscheidung stehen.

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