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Virus schwächt Athleten : DLV mit düsterer WM-Zwischenbilanz

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Die deutschen Leichtathleten zahlen in London mehr Lehrgeld als erwartet - und kämpfen jetzt mit erschwerten Bedingungen wegen eines Virus. «Es ist eine Ausnahmesituation» , sagt Chefcoach Gonschinska.

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2017 | 21:04 Uhr

Die Altstars reißen nichts, die Jungspunde sind oft noch nicht so weit - und jetzt schwächt und stresst auch noch ein Magen-Darm-Virus Sportler und Betreuer. Für den Deutschen Leichtathletik-Verband fällt die Zwischenbilanz bei der Weltmeisterschaft in London ziemlich düster aus.

Die Funktionäre sprechen angesichts der gesundheitlichen Probleme von einem Krisenmanagement. Mannschaftsarzt Andrew Lichtenthal nannte bei einer Pressekonferenz insgesamt 13 Fälle bei Athleten und Betreuern in den vergangenen Tagen. Zwei Sportler seien noch in einer 48-Stunden-Quarantäne, deren Startchancen stünden 50:50. «Bei den 13 Fällen ist es wahrscheinlich, dass sie das Noro-Virus haben», sagte der Mediziner. Andere Nationen sind längst auch betroffen.

«Wir haben eine Ausnahmesituation», erklärte Chefcoach Idriss Gonschinska. Wegen der Ansteckungsgefahr werden Athleten ausquartiert, die physiotherapeutischen Maßnahmen sind eingestellt. Unsicher sei derzeit, ob der DLV seine Staffeln zusammenbekomme. Die WM-Zwischenbilanz sei zu relativieren, «weil es Rahmenbedingungen sind, die wir nicht erwarten konnten», sagte Gonschinska. Die Frage sei vor allem, wie die WM-Teilnehmer darauf reagieren.

Unabhängig von den aktuellen medizinischen Sorgen droht der olympischen Kernsportart beim Umbruch im Nationalteam eine ähnlich magere Ausbeute wie in Rio de Janeiro. «In der zweiten WM-Hälfte haben wir noch eine Reihe von Medaillenchancen, traditionell sind wir nach hinten raus immer erfolgreicher gewesen», betonte jedoch DLV-Präsident Clemens Prokop.

Nur einmal Silber für Siebenkämpferin Carolin Schäfer - mehr Medaillen sprangen in den ersten sechs Wettkampftagen für die 71 deutschen Teilnehmer nicht heraus. Drei waren es bei Olympia 2016, gleich acht bei der letzten WM 2015 in Peking. Irgendwo dazwischen liegt wohl der wahre Leistungsstand. Am Dienstagabend standen allerdings zwei weitere deutsche Mitfavoriten ratlos in den Katakomben des Olympiastadions: Katharina Molitor, Titelverteidigerin im Speerwurf, enttäuschte als Siebte, Raphael Holzdeppe, Weltmeister von 2013, scheiterte an seiner Anfangshöhe im Stabhochsprung.

Für das Final-Wochenende hat der DLV noch einige Trümpfe in der Hinterhand: das in der Welt führende Speerwurf-Trio mit Olympiasieger Thomas Röhler, dem deutschen Rekordhalter Johannes Vetter und Andreas Hofmann sowie die Zehnkämpfer Rico Freimuth und Kai Kazmirek.

Mit dem zweifachen Kugelstoß-Weltmeister David Storl und Diskus-Olympiasieger Robert Harting waren allerdings zwei erfahrene Athleten leer ausgegangen. Eine Erkenntnis von London: Die Werfer sind nicht mehr die Medaillengaranten.

«Begründet durch den internationalen Wissenstransfer und die weltweiten Talentpotenziale sind die Wurfdisziplinen nicht mehr die alleinige Domäne der europäischen Athleten. Somit wird die Konkurrenzsituation immer größer», erläuterte Gonschinska, verwies aber auf «absolute Weltklasseleistungen» wie jene der fünftplatzierten Lisa Ryzih im Stabhochsprung und Kristin Gierisch im Dreisprung.

Selbst so manche erfahrene Athleten wie Sprinter Julian Reus (29) kamen vor der lautstarken Kulisse mitunter nicht klar. «Es ist nicht einfach, direkt in so ein Haifischbecken geschmissen zu werden. Ich habe das zwar schon mehrmals gemacht, aber wir haben es nur einmal im Jahr», sagte der Wattenscheider nach seinem Vorlauf-Aus.

Aber es gab auch andere: Gina Lückenkemper flitzte in der Weltklassezeit von 10,95 Sekunden durch den Vorlauf, Hanna Klein kam bei ihrem WM-Debüt über 1500 Meter als Elfte ins Ziel - vor Titelverteidigerin und Weltrekordlerin Genzebe Dibaba aus Äthiopien. «Ich glaube, dass wir uns gegenseitig anspornen und sehen, da geht doch etwas. Das treibt weiter an», sagte die 24-Jährige.

«Ich finde, die jungen Athleten haben eine bewundernswerte Vorstellung gegeben. Es zeigt, dass wir bis zu den Olympischen Spielen 2020 gut aufgestellt sind», sagte Prokop.

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