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Sieg mit besonderer Wertigkeit : «Kampfsau» Brendel: Trotz Auszeit WM-Hattrick im Canadier

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Trotz viermonatiger Auszeit paddelt der dreimalige Olympiasieger Sebastian Brendel zum WM-Hattrick in seiner Paradedisziplin Canadier-Einer. Sportdirektor Jens Kahl nennt ihn respektvoll eine «Kampfsau hoch zehn».

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erstellt am 27.Aug.2017 | 15:22 Uhr

Sichtlich gerührt nahm Sebastian Brendel seine sechsjährige Tochter Hannah und seinen dreijährigen Sohn Edwin nach der Siegerehrung für seinen dritten Weltmeister-Titel im Canadier-Einer über 1000 Meter in den Arm.

Nach seinem erneuten WM-Coup war der 1,92 Meter große Modellathlet wieder als Familienvater gefragt. «Sport ist nicht alles, wir sind sein großer Rückhalt. Wenn es mal nicht läuft, sind wir immer für ihn da», beschrieb seine Frau Romy am Samstag bei den Titelkämpfen im tschechischen Racice die Bedeutung der Familie für den 29-Jährigen.

Dass dieser Titel etwas Besonderes war für ihren Mann, wusste sie auch: «Vielleicht ist der Sieg ein Ticken mehr Wert. Dass er hier WM-Gold holt, wo eigentlich Martin Fuksa der Topfavorit war, ist ganz großes Kino.» Da wusste sie noch nicht, dass ihr Mann am Sonntag zwei WM-Titel nachlegte.

Im Canadier-Vierer siegte er über 1000 Meter mit der Crew Conrad Scheibner (Berlin), Stefan Kiraj (Potsdam) und Jan Vandrey (Potsdam). Im letzten WM-Wettbewerb über 5000 Meter setzte er sich gegen den Cubaner Serguey Torres und den Polen Mateusz Kaminski durch und krönte sich mit seinem dritten Gold zum erfolgreichsten Athleten der Titelkämpfe in Tschechien.

«Jetzt brauche ich erstmal Urlaub», sagte Brendel. Er fährt mit seiner Familie für drei Tage an den Chiemsee. Nach seinen zwei Olympiasiegen - im Einer und im Zweier mit Jan Vandrey - in Rio hatte er sich eine lange Auszeit gegönnt. Diese war nach über 20 Jahren Kanurennsport «mental und auch körperlich wichtig», betonte er. So kam er in dieser Saison nur auf gut 2500 bis 3000 Kilometer. In der olympischen Saison hatte er noch 4500 Kilometer absolviert.

«Dass ich jetzt so zurückkommen konnte, ist natürlich auch den langjährigen Trainingsjahren geschuldet, weil ich eine gute Grundlage hab», sagte der gebürtige Schwedter. «Und ein großes Dankeschön geht an meinen Trainer, der nochmal alles in die Vorbereitung gesteckt hat.» Sein erfahrener Heim- und Bundestrainer Ralph Welke war happy: «So einen Sportler bekommt man nur einmal im Leben.»

Sein Wille, seine Kraft, sein Ehrgeiz und sein untadeliges Auftreten machen laut Welke Brendels Größe aus. «Sebastian wird inzwischen sogar auf der Straße erkannt. Das passiert in unserem Sport sonst nur Birgit Fischer», sagte Verbandspräsident Thomas Konietzko und zog sogar einen Vergleich mit der achtmaligen Olympiasiegerin.

Von allen Seiten bekommt Brendel Anerkennung. Bei der Schlussfeier in Rio trug der dreimalige Olympiasieger die deutsche Flagge ins Maracanã-Stadion. Der WM-Dritte Isaquias Queiroz dos Santos aus Brasilien nannte seinen Sohn aus Respekt vor dem Champion sogar Sebastian. «Das ist eine große Ehre für mich», sagte Brendel.

Das Ansehen und den Respekt hat er sich schwer erarbeitet. Doch auch ihm gelingt nicht immer alles. Bei der WM 2011 brach ihm nach wenigen Schlägen sein Paddel. Beim Weltcup in Portugal im Mai wurde er disqualifiziert, weil sein Boot 20 Gramm zu wenig wog.

Die Formkurve ging trotz langer Pause zuletzt steil nach oben. Sein tschechischer Dauerrivale Fuksa hatte mit Blick auf die WM durchtrainiert. «Er hat nach Rio alles investiert. Man will zu Hause natürlich zeigen, dass man der Stärkste ist», meinte Brendel. DKV-Sportdirektor Jens Kahl glaubte dennoch an den Coup: «Basti ist eine Kampfsau hoch zehn. Wenn er sich irgendwo festbeißt, dann tut es mir leid für jeden Gegner.»

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