Trotz Widerstands der Sportler : IOC billigt Athleten-Erklärung

Britta Heidemann ist Mitglied der 20-köpfigen IOC-Athletenkommission.
Britta Heidemann ist Mitglied der 20-köpfigen IOC-Athletenkommission.

Die Athleten sind das Herz der olympischen Bewegung. Eine Deklaration soll sie nun vor Missbrauch, Doping und Diskriminierung schützen. Bei der Ausarbeitung des Dokuments fühlen sich viele Sportler allerdings übergangen.

svz.de von
09. Oktober 2018, 18:07 Uhr

Entgegen der Kritik zahlreicher Athleten hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Buenos Aires die umstrittene Erklärung über die Rechte und Pflichten der Sportler (Athletes Declaration) gebilligt. Die IOC-Mitglieder nahmen das Dokument einstimmig an.

Die Erklärung war von der IOC-Athletenkommission ausgearbeitet worden. Das Dokument soll die Sportler vor Missbrauch, Doping und Diskriminierung schützen. Dennoch regte sich kurz vor der IOC-Versammlung in Buenos Aires Widerstand gegen die Erklärung. Bemängelt wurde vor allem, dass die breite Masse der Profisportler nicht angehört wurde.

Athletenvertreter und Menschenrechtsorganisationen appellierten an das IOC, die Athletencharta nicht im Hau-Ruck-Verfahren durchzudrücken. «Wir unterstützen die Idee hinter der Initiative, haben aber einige Bedenken bezüglich der Verabschiedung des Dokuments», hieß es zuletzt in einer gemeinsamen Erklärung mehrerer Sportlergremien, darunter der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB).

In der bisherigen Fassung gewähre die Erklärung den Sportlern nicht ausreichenden Schutz, hieß es in dem Schreiben an IOC-Präsident Bach. Zudem sei unklar, wie Verletzungen der Rechte sanktioniert würden. «Wir, die Athleten, die so viel für den Sport geopfert haben, bitten darum, dass eine Erklärung aufgesetzt wird, die uns schützt, der wir vertrauen und die wir unterstützen können», schrieben die Sportler.

Die Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes, Claudia Bokel, die von 2012 bis 2016 der IOC-Athletenkommission vorsaß, sagte dazu im ZDF-Morgenmagazin: «Zumindest gibt es Athletinnen und Athleten und auch Athletenkommissionen, die sagen: Wir würden da gern mitreden, aber wir haben nicht das Gefühl, dass unsere Stimme gehört wird.»

Max Hartung, Athletensprecher im Deutschen Olympischen Sportbund, sagte ebenfalls im ZDF: «Ich denke, das ist ein grundsätzlicher Trend, den das IOC gerade wahrnimmt und den es gar nicht aufhalten kann.»

Die IOC-Athletenkommission hat 20 Mitglieder, darunter die Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann aus Köln. Den Vorsitz hat seit den Winterspielen im Februar in Pyeongchang die frühere Schwimmerin Kirsty Coventry aus Simbabwe inne.

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