Dankbar und umstritten : Han Ying - Deutschlands Beste kommt aus China

Han Ying hat seit 2010 einen deutschen Pass.
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Han Ying hat seit 2010 einen deutschen Pass.

China dominiert den Tischtennis-Sport - selbst bei einer Europameisterschaft. Die beste deutsche Spielerin heißt Han Ying, wurde in China geboren und hat seit 2010 einen deutschen Pass. Es ist eine Geschichte voller Dankbarkeit, Erfolg - und Ablehnung.

svz.de von
15. September 2017, 15:54 Uhr

Han Ying gegen Li Qian: Mit diesem Spiel begann am Freitag ein EM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Polen. Han Ying gewann am Ende gegen Li Qian und Deutschland auch gegen Polen.

Aber viele denken dabei auch: Typisch Tischtennis. Selbst bei einer Europameisterschaft kommen die besten Spielerinnen aus China.

Han Ying hat seit 2010 einen deutschen Pass, Li Qian seit 2007 einen polnischen. Sie können viele Geschichten darüber erzählen, wie das so ist: Für ein anderes Land zu spielen als das, in dem man geboren und aufgewachsen ist. Han Ying fällt da zum Beispiel die EM 2013 ein, als sie zum ersten Mal mit der deutschen Mannschaft einen großen Titel gewann. Damals feuerten die Zuschauer nur die einheimischen Spielerinnen an, nicht aber die eingebürgerten. Obwohl sie wussten: Mit Han Ying wird man Europameister. Ohne sie eher nicht.

Oder sie denkt nur 13 Monate zurück, in denen sie für Deutschland bei Olympia spielen durfte, bei der Heim-WM in Düsseldorf dann nicht und bei dieser Team-EM in Luxemburg nun wieder doch. Unterschiedliche Verbände leisten sich bei diesem Thema ganz unterschiedliche Regeln.

Wenn Han Ying solche Geschichten erzählt, tut sie das in einem nicht akzent-, aber fast fehlerfreien Deutsch. Die 34-Jährige kam schon vor 15 Jahren in ihre zweite Heimat. «Es gibt Menschen, die mich gern sehen wollen, und Menschen, die das nicht tun. Das kann ich nicht ändern», meint sie. «Dadurch, dass wir mittlerweile seit Jahren gut spielen und hier leben, ist vieles besser geworden. Nach der Medaille bei den Olympischen Spielen im letzten Jahr habe ich viele Briefe und Autogrammwünsche bekommen. Ich denke, das ist ein gutes Zeichen.»

Bei der Team-EM in Luxemburg hat der Titelverteidiger Deutschland zwei gebürtige Chinesinnen im Team: Han Ying, die Weltranglisten-9. Und Shan Xiaona, die Weltranglisten-16. Beide sind schon 34 Jahre alt und damit 14 Jahre älter als ihre Teamkolleginnen Nina Mittelham und Yuan Wan (geboren in Eberswalde). Alles an dieser EM ist neu für eine 20-jährige Debütantin wie Mittelham. Aber sie sagt: «Neben mir habe ich zwei Top-Spielerinnen. Von daher kann ich ganz gelassen sein.» Selbst mit einer völlig neuformierten Mannschaft stehen die Deutschen am Samstag schon wieder im Halbfinale gegen die Niederlande.

Fragt man Han Ying, was sie mit Deutschland verbindet, spricht sie sehr schnell von Dankbarkeit. Und Glück. «Durch die deutsche Nationalmannschaft habe ich die Chance bekommen, solche Erfolge zu feiern und an so großen Wettbewerben wie den Olympischen Spielen teilzunehmen. In China ist so etwas fast unmöglich.»

Dass gebürtige Chinesinnen in Europa selbst dann kaum zu schlagen sind, wenn sie in China nicht gut genug für die Nationalmannschaft waren, ist kein Zufall. Tischtennis ist in China Volkssport. Nirgendwo sonst werden so viele Spielerinnen so früh, so gut, aber auch so knallhart ausgebildet. «In Deutschland werden Talente oft erst viel zu spät entdeckt und gefördert. In China wird man von klein auf gedrillt», sagte Shan Xiaona 2016 in einem «taz»-Interview.

Han Ying und Shan Xiaona: Beide sind gleich alt, beide wohnen in Düsseldorf, beide gewannen 2016 Olympia-Silber mit dem deutschen Team und beide wollen auch nach dem Ende ihrer Karriere in Deutschland bleiben. «Meine Tochter, mein Mann, meine ganze Familie lebt hier. Ich habe keinen Plan, irgendwo anders hinzugehen», sagt Han.

Was den beiden auch noch hilft, ist: Sie haben eine Bundestrainerin, die all das aus eigener Erfahrung kennt, was Han Ying und Shan Xiaona erlebt haben. Jie Schöpp kam 1989 selbst aus China nach Deutschland.

«Als wir das erste Mal für Deutschland spielten, hatten wir als eingebürgerte Chinesinnen natürlich auch Druck», erinnert sich Han Ying. «Aber den größten Druck hatte Jie Schöpp. Sie hat die ganzen kritischen Stimmen abgekriegt. Sie musste alles verantworten. Aber sie hat uns immer gesagt: 'Ihr müsst nur gut spielen, mehr nicht. Um alles andere kümmere ich mich.' Das werde ich ihr nie vergessen.»

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Die bisherigen Europameister

Infos über das deutsche Team

taz-Interview mit Shan Xiaona

Spielerinnenprofil Han Ying

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