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Zeuge verpasst WM-Titel : Geschichtsbücher müssen warten

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Brähmer-Schützling Zeuge verpasst in Berlin mit Remis gegen Weltmeister de Carolis die Chance, jüngster deutscher Champion zu werden

von
erstellt am 17.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Der erhoffte Eintrag in die Geschichtsbücher des Boxsports musste verschoben werden, obwohl die Stifte in der Nacht zum Sonntag bereits gezückt waren: Nur hauchdünn verpasste es Tyron Zeuge beim Berliner Kampfabend unter dem Motto „Making History“, jüngster deutscher Profi-Boxweltmeister aller Zeiten zu werden und seinen Coach Jürgen Brähmer zum ersten Profi überhaupt zu krönen, der als Weltmeister einen Champion herausbringt.

Zwei der drei Punktrichter hatten den WM-Fight im Supermittelgewicht gegen WBA-Titelträger Giovanni de Carolis (Ita) mit 114:114 gewertet, der dritte sah ihn 115:114 – für Zeuge. Dennoch reichte es nicht für den 24-jährigen Berliner. Die zwei Remis-Wertungen gaben den Ausschlag (siehe Hintergrund). Und ein Unentschieden rettet dem Champion seinen Titel, weil es der Herausforderer nicht schaffte, ihn per Sieg vom Thron zu schubsen.

Einig waren sich nahezu alle in der Halle, dass es ein „sauenger Kampf“ und „ganz großes Kino“ war, nicht aber über das Urteil. „Ich dachte, Tyron hätte verloren“, sagte Sauerland-Stallgefährte Jack Culcay, selbst WBA-Interimsweltmeister im Halbmittelgewicht. Conny Mittermeier, gemeinsam mit Jürgen Brähmer Zeuges Trainer, sagte hingegen: „Für mich war Tyron der bessere Boxer . Und er hat auch die klareren Treffer gelandet.“

So sah es auch Jürgen Brähmer. „Von Übervorteilung will ich nicht reden – so ist halt Boxen. Da sieht der eine das so, der andere so“, sagte er und betonte, mit dem spektakulären Kampf und Zeuges Rolle darin zufrieden zu sein. Nur in einem wollte er nicht den Diplomaten geben. „ Nicht zufrieden bin ich damit, dass die ersten vier Runden unentschieden sein sollen. Besonders die erste Runde – da bin ich richtig sauer drüber“, schimpfte er.

Er hätte gewollt, dass sein Schützling öfter auf den Körper schlägt. Das war aber aufgrund einer Schulterverletzung, die den seit Mitte des Kampfes behinderte, nicht möglich. „Ich konnte mich nicht mehr richtig bewegen. Ich habe noch versucht, die Auslage zu wechseln und das Beste draus zu machen. Aber na ja…“ sagte Zeuge selbst.

Dass er den Kopf nicht in den Sand zu stecken braucht, bescheinigte ihm selbst die gegnerische Ecke. „Ich hatte selten einen so harten und taktisch guten Gegner“, sagte de Carolis und dessen Trainer fügte hinzu: „Tyron hat eine große Zukunft vor sich. Das ist der kommende Weltmeister.“

Vielleicht wird Zeuge das ja sogar noch in diesem Jahr, wenn das vertraglich zugesicherte Rematch steigt. Jürgen Brähmer kündigte schon an: „Wir haben erst angefangen und wir machen weiter.“

Man sollte also die Stifte und auch die Geschichtsbücher nicht allzu weit weglegen.

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