Formel 1 : Vettels Eintracht-Visite und Winter-Langeweile

Sebastian Vettel hatte in dieser Saison einige Probleme. /AP
Sebastian Vettel hatte in dieser Saison einige Probleme. /AP

Nun ist Rennpause. Fit halten, vorbereiten, verbessern. Sebastian Vettel wird seine Lehren aus der erneut verpassten WM ziehen. Lewis Hamilton will eh immer noch mal eins drauflegen. Das deutsche Heimrennen ist gerettet, 2019 kann eigentlich schon kommen.

svz.de von
25. November 2018, 16:45 Uhr

Sebastian Vettel hofft auf eine Visite bei seiner momentan so erfolgreichen Frankfurter Eintracht, Nico Hülkenberg graut es ein wenig vor der rennfreien Zeit.

Nach der ersten Formel-1-Saison mit nur zwei deutschen Fahrern seit 1996 ist vor der nächsten: Vettel wird mit Ferrari aus den Fehlern in diesem Jahr die richtigen Lehren ziehen müssen, um doch noch im WM-Kampf mit der Scuderia gegen den schier unschlagbar erscheinenden Lewis Hamilton im Mercedes erfolgreich zu sein. Hülkenberg muss sich auf einen neuen Teampartner einstellen, der nach einer völlig verkorksten Saison mit den meisten Ausfällen aller Piloten schnelle Wiedergutmachung will.

DIE LEHREN AUS DEN FERRARI-FEHLERN

Vettel selbst machte Fehler, weil er mehr und mehr im WM-Kampf unter Druck geriet. Ursache dafür waren wiederum manchmal strategische Merkwürdigkeiten bei Ferrari. Ausgerechnet die Scuderia, die einst die Teamorder auf die Spitze trieb, unternahm diesmal nicht alles, um Vettel weiteren Schub zu geben. Die Hoffnung nach den ersten beiden Saisonsiegen und einer starken ersten Saisonhälfte schwanden zusehends. Von der Tatsache, dass der Ferrari als stärkstes Auto zunächst im Feld gehandelt wurde, blieb in der zweiten Hälfte nicht mehr viel übrig.

Vettel habe es nicht geschafft, Hamiltons «Flow» zu durchbrechen, schrieb Nico Rosberg in einem Beitrag der «Bild am Sonntag», «auch weil er viele eigene Probleme hatte.» Wenn man als Fahrer spüre, dass man nicht den kompletten Support habe, sei das sehr frustrierend. Fraglich ist allerdings, inwiefern der neue Teampartner Charles Leclerc zum weiteren Frustfaktor für den 31 Jahre alten Vettel werden könnte. Der zehn Jahre jüngere Monegasse stammt aus der Ferrari-Nachwuchsschmiede, ist hochtalentiert und hochehrgeizig. Und Ferrari hat klar gemacht, dass er die Zukunft des Rennstalls ist.

HAMILTONS AUFSTIEG GEHT IMMER WEITER

«Ich verbessere mich noch», ist einer von Hamiltons Leitsprüchen. 2018 bewies der Brite genau das. Es gab Jahre, in denen er mehr gehadert, sich selbst auch ein Stück gebremst hätte. Er ließ sich von seinen anfänglichen Problemen in dieser Saison nicht beirren, arbeitete mit dem Team an dem Wagen und schaffte die Wende. «Es ist definitiv mein bestes Jahr», sagte Hamilton. «Als ich vergangenes Jahr die WM gewonnen habe, habe ich gleich gedacht: 'Wie werde ich mich noch verbessern können? Wie kann ich fitter werden? Wie fokussierter? Wie kann ich ein kompletterer Fahrer werden?'»

Auch Teamchef Toto Wolff spricht vom besten Hamilton, den er in den gemeinsamen sechs Jahren seit dem Wechsel des Briten als Nachfolger von Michael Schumacher zur Saison 2013 gesehen habe. «Wir hatten Zeiten, in denen das Auto gut genug war um zu gewinnen und Zeiten, in denen es nicht so war. Aber er war immer sehr stabil.» 2019 kann Hamilton zumindest rechnerisch seinen Polerekord in den dreistelligen Bereich schrauben, rechnerisch könnte er sogar die 91 Rennsiege von Michael Schumacher überbieten.

DER DEUTSCHE HEIMFAKTOR

Die gute Nachricht für die deutschen Fans kam Ende August, nachdem Sebastian Vettel beim Heimrennen den sicheren Sieg durch einen Fahrfehler verspielt hatte: Es wird auch im kommenden Jahr ein Rennen in Deutschland geben. Nach einigem Hin und Her einigten sich die Verantwortlichen der Formel 1 mit den Verantwortlichen des Hockenheimrings. Die geforderten Antrittsgebühren von angeblich mehr als 21 Millionen Euro wurden deutlich gesenkt, Autobauer Mercedes tritt 2019 bei dem Rennen als Titelsponsor auf. «Wir haben alle gezittert, dass es nicht mehr stattfindet. Die Organisatoren haben sich dieses Jahr und für nächstes Jahr ein Bein ausgerissen. Das sind die wahren Helden», kommentierte Sebastian Vettel die Einigung für den 37. Formel-1-Auftritt auf dem Kurs in Nordbaden.

DIE DEUTSCHE MINI-FRAKTION

Vettel und Hülkenberg, der sich im kommenden Jahr im Team mit Daniel Ricciardo (Red Bull) messen muss, waren die einzigen beiden deutschen Fahrer und werden es auch 2019 sein. Hülkenberg will mit Renault dann den nächsten Schritt machen, nachdem er sich sowas wie den inoffiziellen Titel «Best of the rest» hinter den Duos von Mercedes, Ferrari und Red Bull verdient hat. Nur ein Problem hat der 31-Jährige aus Emmerich jetzt erstmal: Zu viel Freizeit. «Mir graut es immer vor dem Winter.»

HALLO, HALO - TSCHÜSS, GRID GIRLS

Kritik gab es schon vor dem ersten Rennen. «Wenn man mir eine Kettensäge geben würde, würde ich ihn entfernen», sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff über den Cockpitschutz Halo. Als Fernando Alonsos McLaren in Spa-Francorchamps über den Sauber von Charles Leclerc flog, atmeten nicht wenige auf, dass es den Sicherheitsbügel gibt. Verwirrt war Vettel vor dem Saisonstart, dass die Rennen später starten und «ein bisschen traurig, dass es keine Grid Girls mehr gibt». Die Trauer über den verpassten WM-Titel nach der Saison dürfte bedeutend größer sein.

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