Scuderia Ferrari : Vettel wird Räikkönens Ruhe fehlen

In Abu Dhabi fahren Sebastian Vettel (l) und Kimi Räikkönen zum letzten Mal gemeinsam für die Scuderia Ferrari. /AP
In Abu Dhabi fahren Sebastian Vettel (l) und Kimi Räikkönen zum letzten Mal gemeinsam für die Scuderia Ferrari. /AP

Sie sind ein gutes Gespann. Nach vier gemeinsamen Jahren verlässt Räikkönen aber Vettel und Ferrari. Den nächsten Schritt muss Vettel mit einem Talent aus der Scuderia-Schmiede machen. Im fünften Jahr soll es endlich klappen mit dem Titel. So wie bei Michael Schumacher.

svz.de von
23. November 2018, 14:53 Uhr

Die Ruhe von Kimi Räikkönen wird Sebastian Vettel fehlen. Ansonsten hat der 31 Jahre alte Hesse auch mit neuem Teamkollegen nur ein Ziel: Den ersten Formel-1-Titel mit Ferrari.

Es wird sein fünftes Jahr bei der Scuderia sein. Im fünften Jahr holte sein Vorbild Michael Schumacher den ersten Titel mit dem italienischen Traditionsteam. Das ist der Maßstab.

«Wir arbeiten hart und ich denke, dass die Motivation da ist, den letzten Schritt zu machen, der noch aussteht», sagte Vettel vor dem Finale dieser Formel-1-Saison in Abu Dhabi - dem Ort seines ersten von vier WM-Titeln, die er aber allesamt mit Red Bull von 2010 bis einschließlich 2013 feierte.

Das Problem mit Ferrari hat Vettel ausgemacht und benannt. «Wir hatten unsere Momente in diesem Jahr mit starken Rennen, wir hatten aber auch Rennen, in denen wir nicht stark, nicht schnell genug waren», analysierte Vettel die Saison, die vielversprechend begonnen hatte, nach der Sommerpause aber für ihn und Ferrari in die falsche Richtung im Kampf gegen den immer unbezwingbarer wirkenden Fünffach-Weltmeister Lewis Hamilton und Mercedes verlaufen war. Kurzum: Es geht um den Speed.

Mithelfen soll bei der Mission Titelbeschleuniger der ehemalige Stellvertretende Rennleiter des Weltverbandes, Laurent Mekies. Am Freitag verriet Teamchef Maurizio Arrivabene, dass der 41 Jahre alte Franzose als Sportdirektor im kommenden Jahr arbeiten soll. Ferrari hatte ihn bereits vor dieser Saison verpflichtet, er war aber mit einer Sperre belegt worden - Mekies hat natürlich auch ein großes Wissen über die Gegner von Ferrari durch seinen FIA-Job angehäuft.

Arrivabene lehnte es ab, irgendjemanden die Schuld für die erneut verpasste WM zu geben. «Ich will nicht mit dem Finger aufs Team oder die Fahrer zeigen», betonte er, sichtlich genervt von den Fragen nach Ursachen und Konsequenzen des verkorksten Titelversuchs. «Wir sind in einer sehr guten Form in die Saison gestartet. «Ab Monza waren wir mit dem Auto nicht mehr da.»

Den beiden Auftaktsiegen von Vettel folgten drei weitere bis zum Finale, der letzte liegt aber schon ein Vierteljahr zurück. So schlägt man Hamilton nicht, der vor dem Großen Preis von Abu Dhabi auf zehn Siege kommt und damit die Hälfte der bisher 20 Grand Prix gewann.

73 Punkte holte Vettel nur noch aus den sieben Rennen (möglich waren 175) Rennen nach seinem Sieg in Spa. Selbst Teamkollege Räikkönen war mit 105 Punkten deutlich erfolgreicher in der Zeit. Dass der 39 Jahre alte Finne, der Oldie im Feld, Ferrari verlassen und zu Sauber wechseln wird, ist auch für Vettel eine große Umstellung und Herausforderung.

Beide verbindet eine freundschaftliche Beziehung, sie vertrauen sich. Sie waren in der Schweiz zeitweise Nachbarn. «Zwischen uns gab es nie irgendeinen Bullshit», betonte Vettel. «Das hat es für mich einfacher gemacht, ich glaube auch für ihn und für das Team.»

Räikkönen verlässt Ferrari zum zweiten Mal, zwei Jahre nach seinem WM-Titel 2007 musste er damals für Fernando Alonso Platz machen. 2014 und damit ein Jahr vor Vettel kam er zurück. «Ich bin nicht traurig, weil es keinen Grund gibt, traurig zu sein», sagte Räikkönen: «Wir bleiben Freunde.»

Gespannt sein darf man nun sein, wie Vettel mit seinem neuen Teampartner klarkommt. Der 21 Jahre alte Monegasse Charles Leclerc stammt aus der Nachwuchsschmiede der Scuderia. Er gilt als großes Talent und ist fest entschlossen, das auch unter Beweis zu stellen. «Charles ist natürlich anders als Kimi, wir werden sehen, wie es funktioniert», meinte Vettel: «Aber ich denke, er ist ein guter Junge.»

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