zur Navigation springen

Formel-1-Boss im Interview : Carey: «Drama» Vettel gegen Hamilton bis Saisonende

vom

Chase Carey pocht auf Seriosität. Damit unterscheidet sich der Boss der Formel 1 von seinem Vorgänger Bernie Ecclestone. Im dpa-Interview spricht Carey über das Duell Vettel gegen Hamilton, den nächsten TV-Vertrag für Deutschland und das Prinzip «Teilen und Herrschen».

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 10:25 Uhr

Die Formel-1-Show zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton soll erst am 26. November in Abu Dhabi ihren Höhepunkt erreichen. Zumindest wünscht sich der Vorstandschef der Motorsport-Königsklasse, Chase Carey, einen Titelkampf bis zum letzten Grand Prix dieser Saison.

«Dass sich die beiden miteinander messen, ist großartig», sagte der US-Amerikaner der Deutschen Presse-Agentur vor dem Rennen in Japan in einem Interview.

Vor etwas mehr als einem Jahr haben Sie der Formel 1 nach der Übernahme durch Liberty Media im Fahrerlager von Singapur Ihre Aufwartung gemacht. Welche Überschrift würden Sie diesem Jahr geben?

Chase Carey: Dieses Jahr war ein guter Start in eine, wie wir finden, aufregende Zukunft. Als wir nach Singapur kamen, hatten wir den Übergang von Besitz und Management noch nicht vollzogen, das liegt sieben Monate zurück. Deshalb ist es noch nicht ein Jahr her und wir konnten noch nicht so viel umsetzen, daher sollte man von Februar an rechnen. Es war ein großartiger Start in eine vielversprechende Zukunft. Vor uns liegt aber noch viel Arbeit.

Was war die größte Überraschung in der Anfangszeit?

Carey: Es gab ein ganze Handvoll Überraschungen. Eine der Überraschungen war der Grad an Unterstützung und Begeisterung in dem Sport. Eines der ersten Dinge, das wir angegangen sind, war die Nähe zu den Fans zu suchen, den Sport ein bisschen weiter durch Fanzonen und digitale Plattformen zu öffnen, um das Ganze interessanter und aufregender zu machen. Wir waren in der Vergangenheit ein Sport, der zu zu vielen Dingen nein gesagt hat. Wir wollen jetzt zu viel mehr Dingen ja sagen. Wir wollen ein Sport sein, der ja und nicht nein sagt und Chancen ergreift.

Sie hätten gerne, dass jeder Grand Prix zu einer Art Super Bowl wird. Wie sieht der Stand aus?

Carey: Es gibt da kein Universalkonzept. Es gibt verschiedene Grand Prix in verschiedenen Stadien, die Entwicklung ist unterschiedlich. Ich denke nicht, dass man diese Analogie heranziehen sollte, die Super-Bowl-Analogie wurde schon zu weit getrieben. Ich möchte nicht Wimbledon gegen den Ryder Cup oder gegen die Champions League klassifizieren. Die Super-Bowl-Analogie war in ihrem Kern die Verbildlichung eines Spektakels, das wie eine Party eine Woche lang dauert, aber das Sportevent in ihrem Zentrum hat, etwas womit sich die meisten Menschen identifizieren können. Mein Fokus liegt nicht darauf, das mit anderen Sportveranstaltungen zu vergleichen.

Zuletzt gab es Kritik vom stellvertretenden Teamchef von Force India, Bob Fernley, der Ergebnisse seit der Übernahme von Liberty Media anmahnt. Wann gibt es einen klaren Fahrplan für die Zukunft?

Carey: Wir sind mit vielen Dingen beschäftigt. Wir sind aber eher darauf konzentriert, wie wir diese Angelegenheiten umsetzen als wie wir sie bekanntgeben. Wir beschäftigen uns mit dem Geschäftsmodell für die Rennställe. Wenn man sich solche Dinge vornimmt, sollte man sie vertraulich behandeln. Das ist der beste Weg, um komplizierte Sachverhalte anzugehen, in die viele Parteien involviert sind. Wenn man zu einer Lösung kommt, kann man sie auch öffentlich diskutieren, ohne dass sich zu viele Parteien in Pose stellen. Wir können den Wettbewerb, die Action noch viel besser und wir können den Sport für jedermann um einiges gesünder machen. Sollte ein Team eine halbe Milliarde zahlen, um einen Wagen auf die Strecke zu bringen? Ich denke nicht. Ich denke auch nicht, dass das gesund für den Sport ist. Wir sind mittendrin, man muss dabei aber auch wohlüberlegt handeln. Man hat viele Parteien, die zehn Teams, die FIA, und man muss da sicherstellen, dass sie alle eine Stimme in diesem Prozess haben. Der Sport hat da in der Vergangenheit ein bisschen zu reflexartig und impulsiv reagiert und landete dann dort, wo er zum Beispiel heute mit dem Motor steht. Deshalb versuchen wir sicherzugehen, dass wir einen sorgfältigen Prozess haben, so dass wir dann einen einfacheren, billigeren und lauteren Motor haben.

Ende dieser Saison läuft der Vertrag für Deutschland mit RTL aus. Wie geht es weiter in Deutschland?

Carey: Wir sind in Verhandlungen, das sind aber Verhandlungen, die man vertraulich unter den Parteien führen sollte. Ich werde das nicht öffentlich verhandeln. Dieser Sport schien sich in der Vergangenheit gerne in der Öffentlichkeit in Positur zu bringen, in der Öffentlichkeit zu verhandeln. Ich denke nicht, dass das die besten Ergebnisse hervorbringt. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn man versucht diese Verhandlungen und Diskussionen vertraulich zu führen. Wenn man dann zu einer Entscheidung kommt, diskutiert man, wie man dorthin gelangt ist. Sich öffentlich in Pose zu stellen, führt für gewöhnlich zu einer Entzweiung und behindert die Entscheidungsfindung und behindert die Fähigkeit, echte Partnerschaften aufzubauen. Wir versuchen mit Teams, Sponsoren und Sendern in einer Partnerschaft zusammenzuarbeiten. In der Vergangenheit gab es ein gewisses «Teilen und Herrschen», es sollte aber nicht um ein «Teilen und Herrschen» gehen. Wir reden für gewöhnlich über Angelegenheiten, wenn sie erledigt sind und versuchen nicht, sie in Stellung zu bringen.

Wie sehen Ihre Pläne mit dem Deutschland-Rennen über 2018 hinaus aus?

Carey: Deutschland ist sehr wichtig. Wir waren sehr deutlich und haben über Wachstum in Amerika und Asien gesprochen. Die Bedeutung des Fundaments des Sports steht aber eindeutig an erster Stelle, und das Fundament des Sports liegt in Westeuropa. Deutschland ist das größte und wohlhabendste Land in Westeuropa mit einer großartigen Geschichte in dem Sport. Unser Weltmeister ist deutsch (Nico Rosberg), unser Konstrukteursweltmeister ist deutsch (Mercedes). In Deutschland gibt es eine unglaubliche Geschichte des Sports und wir würden sie gern weiterentwickeln. Ich denke nicht, dass wir das wahre Potenzial dieses Sports voll ausgeschöpft haben. Wir arbeiten daher mit potenziellen langfristigen Partnern in Deutschland zusammen und würden gern einen gemeinsamen Weg finden. Wir würden gern darauf aufbauen, was schon in Deutschland existiert, und ein Event in Deutschland ist ganz offensichtlich ein wichtiger Teil davon. Wir müssen herausfinden, wo und wie wir das stattfinden lassen können.

Wie wichtig ist der WM-Kampf zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton für die Formel 1?

Carey: Dass sich die beiden miteinander messen, ist großartig, aber ich hätte gern, dass sich drei oder vier miteinander messen. Drama entspringt dem Wettbewerb. Es ist großartig, dass wir diesen Wettstreit zwischen den Teams und diesen beiden über diese Saison hinweg haben, wir hätten gern mehr davon. Das macht den Sport in seinem Innersten aus und das macht den Sport so besonders.

Hoffen Sie, dass es ein WM-Kampf bis zum letzten Rennen bleibt?

Carey: Das hoffe ich sehr. Wir wollen das Drama, wir wollen die Spannung, die daraus erwächst. Unser Ziel wäre es, in den nächsten Jahren sogar noch mehr Wettbewerb zu haben. Heutzutage verläuft es sich ein wenig zu sehr, wir hätten gern mehr Fahrer, mehr Teams, die sich miteinander messen. Und wir wollen, dass es stets bis Abu Dhabi dauert, um für sie dort ein Rennen um die ultimative Krone zu haben.

ZUR PERSON: Chase Carey wurde am 22. November 1953 in New York geboren. Einen Namen machte sich der frühere Präsident von 21st Century Fox in der Medienbranche. Seit Anfang dieses Jahres ist Carey Nachfolger von Bernie Ecclestone als Formel-1-Geschäftsführer.

Zeitplan Japan-Rennen

2016er Ergebnisse

Infos zum Grand Prix

Streckenplan

Reifenwahl für Japan

Geschichte des Rennens

Mercedes-Vorschau

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen