Boxtrainer Jürgen Brähmer : „Einen Plan B haben wir nicht“

Eine der letzten Trainingseinheiten in Schwerin: Trainer Jürgen Brähmer (r.) nahm Tyron Zeuge während des Medientages noch einmal richtig ran.
Eine der letzten Trainingseinheiten in Schwerin: Trainer Jürgen Brähmer (r.) nahm Tyron Zeuge während des Medientages noch einmal richtig ran.

Boxtrainer Jürgen Brähmer vor dem Kampf seines Schützlings Zeuge am Sonnabend: Tyron muss sein Potential abrufen

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13. Juni 2017, 12:00 Uhr

Im November 2016 führte der Schweriner Boxer und Trainer Jürgen Brähmer seinen Schützling Tyron Zeuge zum WM-Erfolg. Im März gab es die erste Titelverteidigung gegen Isaac Ekpo – am Sonnabend steht in Wetzlar die zweite Titelverteidigung gegen den Engländer Paul Smith (live in Sat.1) an. Was der Coach über diesen Kampf denkt, erzählte er beim Medientag im Schweriner Trainingscamp in der Palmberg Arena im Interview mit Volker Beier und Jan Kucht.

Jürgen Brähmer, am 17. Juni steigt Ihr Schützling Tyron Zeuge zu seiner zweiten Titelverteidigung gegen Paul Smith in den Ring. Wie laufen die Vorbereitungen?
Brähmer: Sehr gut. Wir haben noch bis zum Wochenende Sparring gemacht. Insgesamt hatte Tyron dabei sechs verschiedene Gegner – mich eingeschlossen. Einige davon haben wir sogar extra aus England kommen lassen. Am Dienstagabend gibt es noch einmal eine letzte Belastungsspitze, am Mittwoch geht es dann nach Wetzlar. Wir sind bestens auf diesen Kampf vorbereitet.

Was halten Sie von Paul Smith?
Er steht stabil, ist konditionell stark und sucht den Kampf. Zudem hat er mit seinen 34 Jahren eine Menge Erfahrung – und boxt sehr fair. Das dürfte Tyron liegen.

Tyron Zeuges letzter Gegner war nicht ganz so fair. Was halten Sie im Nachhinein von dem Kampf gegen Isaac Ekpo?
Das war kein guter Kampf, aber ein lehrreicher. Ekpo hat mit allen Mitteln gearbeitet – und diese waren nicht sauber. Aber auch damit muss man umgehen können. Hier hat Tyron noch Schwächen gezeigt, die er abstellen muss. Aber das kommt mit der Erfahrung.

Nach dem Ekpo-Fight hatten Sie und Tyron nur eine kurze Pause. War das gut?
Das war sehr gut. Tyron durfte einen Kurzurlaub machen, nach zwei Wochen stieg er wieder ins Training ein. Dadurch brachte er auch eine gute Grundfitness mit – und wir konnten uns nach dem Grundlagentraining schnell auf das spezielle Training konzentrieren. Tyson muss jetzt nur noch seine Trainingsleistung im Wettkampf abrufen. Und er darf nicht die Konzentrationsschwächen wie zuletzt zeigen, das muss er abstellen. Das darf man sich auf diesem Niveau nicht erlauben.

Als Tyron Zeuge zu Ihnen kam, hatte er mit starken Gewichtsproblemen zu kämpfen. Davon ist jetzt nichts mehr zu merken.
Er hat begriffen, dass er seine Ernährung komplett umstellen muss. Das hat er auch getan und hält sich schon seit längerer Zeit an seinen Ernährungsplan, den wir ausgearbeitet haben. Er spürt, dass er dadurch viel besser aufgestellt ist und konditionell intensive zwölf Runden gehen kann. Dieses Gefühl und dieses Vertrauen in seine Leistungsfähigkeit ist wichtig.

Tyron Zeuge war früher auch bekannt für eine gewisse Unzuverlässigkeit. Konnten Sie daran arbeiten?
Da ist Tyron schon sehr weit gekommen. Vor einem Jahr hätte er beinahe aufgehört. Jetzt ist er häufig eine Viertelstunde vor dem eigentlichen Termin zur Stelle. Die Einstellung zur Disziplin hat sich bei ihm sehr stark verbessert.

Zeuge ist der letzte deutsche Weltmeister. Wie groß ist da der Druck, unbedingt gewinnen zu müssen?
Wir empfinden da gar keinen Druck. Den gibt es höchstens von mir, wenn mal etwas nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle. Das geht bis ans Körperliche – beispielsweise mit einer Extraeinheit außer der Reihe am Sonntagmorgen… Aber im Ernst: Wir gehen in jeden Kampf mit dem Ziel, zu gewinnen. Einen Plan B haben wir nicht.


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