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Grozer fordert «Vollgas» : Deutsche Volleyballer mit «Bubis» ins EM-Abenteuer

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Es war ein Sommer der Enttäuschungen. Die EM soll für die deutschen Volleyballer nun ein Highlight werden. An Polen haben sie beste Erinnerungen. Vor drei Jahren schrieben sie dort bei der WM Geschichte. Star Georg Grozer hat höchste Ansprüche.

svz.de von
erstellt am 24.Aug.2017 | 11:03 Uhr

Drei Jahre nach dem historischen Bronze-Coup bei der WM löst die Rückkehr nach Polen bei den deutschen Volleyballern noch immer Gänsehaut aus.

Doch nach einem Sommer der Enttäuschungen ist die Reise in die Hafenstadt Stettin für die mit «Bubis» gespickte EM-Mannschaft von Nationaltrainer Andrea Giani ein Aufbruch ins Ungewisse. Mit weniger als einer Medaille will sich Daueroptimist und Ausnahmespieler Georg Grozer aber keineswegs zufrieden geben.

«Ich glaube auch an vielleicht unglaubliche Sachen. Mein Ziel ist es immer, eine Medaille zu holen», versicherte der 32 Jahre alte Diagonalangreifer der Deutschen Presse-Agentur vor dem Auftakt am Freitag in Gruppe B gegen den Olympia-Zweiten und klaren Favoriten Italien. «Das Spiel ist nicht zum Warmmachen. Es ist Vollgas angesagt. Wir spielen, um zu gewinnen.»

Vor allem spielt der WM-Dritte von 2014 erheblich riskanter und aggressiver als unter dem vorsichtigeren Erfolgstrainer Vital Heynen. Giani zieht diesen Stilwechsel konsequent durch, fordert Zeit - und darf sich Misserfolge erlauben. Die WM 2018 wurde in zwei Turnieren verspielt, ebenso wie der Aufsteig in der Weltliga. «Wir wollen unter die ersten Sechs kommen», sagte Giani.

Der Auftakt ist gleich der Gradmesser. Die Italiener müssen zwar auf ihre überragenden Angreifer Osmany Juantorena, der nach Olympia eine Pause einlegt, und Ivan Zaytsev, der mit dem Verband in einem Ausrüsterstreit steckt, verzichten. Der sechsmalige EM-Champion verfügt aber immer noch über ganz viel Klasse.

«Natürlich ist das mein Land, für das ich 20 Jahre gespielt habe. Und ich werde beide Nationalhymnen im Geist mitsingen», räumte Giani ein, der mit 474 Länderspielen Italiens Rekordmann und eine lebende Legende ist. «Aber ich bin Trainer der deutschen Nationalmannschaft und wenn das Spiel beginnt, denke ich nur an meine Jungs.»

Seine Jungs, das sind im 14-Mann-Kader allein sieben EM-Debütanten, darunter der erst 17 Jahre alte Außenangreifer Linus Weber und der erst 18 Jahre alte Mittelblocker Tobias Krick. Der Altersschnitt liegt bei gerade einmal 25,0 Jahren.

«Ich versuche, ihnen die Nervosität zu nehmen», sagte Führungsfigur Grozer, der mit 32 Jahren der älteste im deutschen Aufgebot ist und auch vor 35 Monaten bei der Sensations-WM dabei war. Nach Gold für die DDR 1970 war Bronze in Kattowitz erst der zweite deutsche Podestplatz der WM-Geschichte.

Und in Kattowitz wartet der Auftakt in die K.o.-Runde. «Da kriegt man Gänsehaut. Ich freue mich», sagte Grozer in Erinnerung an 2014. Ein Jahr später, bei der letzten EM in Bulgarien und Italien, spielten die Deutschen meilenweit unter Form und wurden nur Achte. Giani führte damals die Slowenen völlig überraschend zu Silber.

Die Tschechen am Sonntag und die Slowakei am Montag als letzte Staffelgegner sollten für die Deutschen keine zu hohe Hürden darstellen. Es zählt jeder Punkt. Denn nur die Gruppensieger erreichen direkt das Viertelfinale, die Zweit- und Drittplatzierten müssen in die Achtelfinals.

«Wir haben unser Niveau angehoben, aber wir müssen es bei der EM über einen längeren Zeitraum zeigen. Dazu müssen wir an uns glauben», betonte Giani, dessen Mannschaft in den letzten Tests gegen Finnland und Belgien immer besser harmoniert hat. Gegen eine EM voller Gänsehautmomente hätte der Italiener nichts einzuwenden.

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