Russland bei Olympia : Deutsche Asse für einen Ausschluss

So wie Hammerwerferin Betty Heidler denken viele deutsche Sportler: „Um die Glaubwürdigkeit der Leichtathletik und der guten Leistungen wieder herzustellen, sollte eine Suspendierung erfolgen.“
So wie Hammerwerferin Betty Heidler denken viele deutsche Sportler: „Um die Glaubwürdigkeit der Leichtathletik und der guten Leistungen wieder herzustellen, sollte eine Suspendierung erfolgen.“

Keine Gnade für die Russen – aber eine Hintertür nach Rio für saubere Sportler

svz.de von
17. Juni 2016, 05:50 Uhr

Die deutschen Leichtathletik-Asse sind mehrheitlich für einen Ausschluss des russischen Verbandes wegen der Dopingskandale in dem Riesenreich.

„Die russischen Leichtathleten bei Olympia starten zu lassen wäre das falsche Signal“, sagt Ex-Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler. „Die Dinge, die dort abgelaufen sind, sind belegt. Um die Glaubwürdigkeit der Leichtathletik und der guten Leistungen wieder herzustellen, muss man ein klares Statement geben. Es sollte eine Suspendierung erfolgen.“

Der Weltverband IAAF entscheidet heute in Wien, ob die seit November 2015 wirksame Sperre gegen den gesamten russischen Verband bestehen bleibt. In diesem Fall dürften die Sportler auch bei Olympia in Rio de Janeiro nicht antreten.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA erhob inzwischen erneut schwere Vorwürfe: Allein zwischen Februar und Mai hätten in Russland über 700 geplante Dopingkontrollen nicht durchgeführt werden können, Kontrolleure seien von Athleten massiv behindert und von Geheimdienst-Beamten eingeschüchtert, Pakete mit Dopingproben vom russischen Zoll manipuliert worden. Zudem hätten Sportler falsche Angaben über ihren Aufenthaltsort gemacht und versucht, Dopingtests bei Wettbewerben zu umgehen.

Deutschlands Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting brachte einen Kompromiss ins Spiel. „Viele Länder werden ja kreativ, wenn es um die eigene Flagge geht. Es wäre aber auch toll, wenn man es hinbekommt, dass saubere russische Sportler, die es ja auch ohne Zweifel gibt, in Rio starten“, meinte der Berliner. „Das tut Russland viel mehr weh: wenn man Athleten findet, die sauber sind und sie unter IOC-Flagge starten lässt. Das wäre beschämend für das Land.“

„Wenn die ganzen Enthüllungen stimmen, dann bin ich persönlich der Meinung, dass Russland ausgeschlossen bleiben muss“, so Weitspringerin Alexandra Wester.

Kugelstoßerin Christina Schwanitz hingegen meint: „Ich weiß nicht, ob das der Sache dient, eine Nation völlig vom Sport auszuschließen. Ich bin der festen Überzeugung, es gibt Sportler, die das ehrlich und fair machen. Und denen sollte man nicht die Möglichkeit verwehren, bei Olympia zu starten.“

Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor: „Wenn es Athleten gibt, die regelmäßig von der WADA kontrolliert werden konnten und bei denen die WADA nahezu sicher sein kann, dass sie nicht im russischen Dopingsystem sind, sollten für sie meiner Meinung nach Ausnahmen gemacht werden.“

Für Marathonläufer Arne Gabius kommt nur eine Suspendierung in Frage: „Es muss ein klares Signal gesetzt werden, sonst wird eine Chance vertan. Wenn man ein Land sperrt und ein Hintertürchen öffnet, um Athleten, die in den letzten x Monaten unabhängig kontrolliert wurden, teilnehmen zu lassen, dann unterläuft man damit eine harte Strafe.“

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