Rostocker Radsprinter André Greipel : Der Gorilla sieht rosa

André Greipel (M.), hier beim Frankfurter Radklassiker am 1. Mai, hat sich mit einer wahren Ochsentour im Frühjahr auf die Saisonhöhepunkte vorbereitet.
André Greipel (M.), hier beim Frankfurter Radklassiker am 1. Mai, hat sich mit einer wahren Ochsentour im Frühjahr auf die Saisonhöhepunkte vorbereitet.

Rostocker Radsprint-Ass André Greipel hofft auf Etappensiege beim morgen beginnenden 100. Giro d'Italia

svz.de von
04. Mai 2017, 12:00 Uhr

Vom Radfahren hatte André Greipel die Nase gestrichen voll. Eine Woche ließ der deutsche Top-Sprinter nach dem intensiven Programm des Frühjahrs seine Rennmaschine in der Ecke stehen, im Kreise der Familie erholte sich der „Gorilla“ von den Strapazen der Flandern-Rundfahrt sowie von Paris-Roubaix und tankte Kraft für die nächste große Herausforderung: Zum Start des 100. Giro d'Italia winkt dem deutschen Rekord-Etappensieger nach dem Beginn am morgigen Freitag zumindest ein Tag im Rosa Trikot – und einer der größten Erfolge der Karriere.

„Ich bin auch nur ein Mensch und brauche auch mal ein bisschen Zeit ohne Fahrrad, um den Kopf frei zu bekommen“, sagte Greipel über seine selbst verordnete Auszeit.

Greipel, der am Montag beim Eintagesrennen Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt sein Comeback gab, hat in diesem Jahr noch stärker als in der Vergangenheit die Klassiker in den Fokus genommen – mit beachtlichem Erfolg. Bei der Flandern-Rundfahrt in Belgien wurde er 20., die „Hölle des Nordens“ in Roubaix meisterte er als Siebter und bester Deutscher. Nun betritt der Lotto-Soudal-Profi wieder gewohntes Terrain, in den Massensprints der Italien-Rundfahrt will Greipel um Tageserfolge kämpfen.

„Das Ziel ist es, eine Etappe zu gewinnen. Der Giro ist eine der größten Rundfahrten, es wäre schön, dort unter den Etappensiegern zu sein“, sagte Greipel, mit sechs Tagessiegen vor Rudi Altig und Marcel Kittel (beide vier) erfolgreichster Deutscher beim Giro.

Die erste Gelegenheit bietet sich dem 34-Jährigen schon am Freitag. Die Chancen auf ein Sprintfinale beim 206 km langen Teilstück von Alghero nach Olbia auf Sardinien stehen gut. Allerdings stellt sich den Sprintern mit dem kurzen, aber bis zu zwölf Prozent steilen Anstieg nach San Pantaleo rund 20 km vor dem Ziel ein ernstzunehmendes Hindernis in den Weg. „Der Beginn des Giro wird mit Sicherheit nicht sehr leicht“, sagte der gebürtige Rostocker Greipel, der das Rennen ohne seinen Helfer und Kumpel Marcel Sieberg (Castrop-Rauxel) bestreitet. Auf der hügeligen zweiten Etappe nach Tortoli (221 km) würde Greipel die Gesamtführung aber sehr wahrscheinlich wieder verlieren.

Der Giro bleibt für Greipel ohnehin nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Tour de France, die am 1. Juli in Düsseldorf startet. Auch deshalb wird sich Greipel aller Voraussicht nach nicht in der enorm anspruchsvollen und berglastigen Giro-Schlusswoche aufreiben.

„Wer die letzte Woche sieht, weiß, dass es für Sprinter nicht gerade spaßig wird. Ich gehe mal davon aus, dass ich den Giro früher verlassen werde“, sagte er, schränkte jedoch ein: „Wenn ich das Sprinttrikot noch auf den Schultern hätte, würde ich auf jeden Fall nicht aussteigen.“ Mit einem Tag in Rosa fiele der Abschied mit Sicherheit leichter.

Nach heftiger Kritik: Abfahrtswertung gestrichen

Die Organisatoren des Giro d'Italia haben die umstrittene Abfahrtswertung der Rundfahrt nach teils heftiger Kritik wieder aus dem Programm genommen.

Ursprünglich sollten auf zehn Abfahrten die Zeiten gestoppt und der Gesamtsieger mit 5000 Euro belohnt werden. Dies hatte zu heftiger Kritik geführt. Als „gefährlich und unverantwortlich“ hatte Michael Carcaise, der Direktor der Fahrer-Vereinigung, den Wettbewerb bezeichnet. Erst 2011 war der Belgier Wouter Weylandt auf einer Abfahrt beim Giro tödlich verunglückt.

Die Giro-Veranstalter wollen aber trotzdem die Zeiten auf den Abfahrten nehmen und den Fans zur Verfügung stellen.

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