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Sportgeschichte : Der fast vergessene Triumph des DDR-Fußballs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

1976 holten „Dixie“ Dörner und seine Mannschaftskollegen Olympia-Gold

Hans-Jürgen Dörner hat den Olympiasieg von 1976 noch immer vor Augen, jeden Tag. „Die Goldmedaille steht zu Hause in der Vitrine. Ich habe viel erreicht, aber dieser Erfolg übertrifft alles“, sagt „Dixie“ Dörner über jenen historischen Sonnabend in Montréal, an dem er die DDR zum bis heute einzigen Olympiasieg einer deutschen Fußball-Elf führte. Am Sonntag jährt sich das Finale gegen Polen (3:1) zum 40. Mal.

Doch während der damalige Kapitän Dörner noch immer einzelne Spielzüge beschreiben kann, geriet der Triumph an sich etwas in Vergessenheit. Wohl auch, weil der Westen „nur“ mit Amateuren spielte, die Ostblock-Länder jedoch ihre aus „Staatsamateuren“ bestehenden A-Nationalteams schickten.

Dörner hält dagegen: „Wir haben gegen Brasilien und Spanien gespielt, gegen Frankreich mit Platini. Natürlich waren das nicht die A-Teams, aber das waren deswegen keine Amateure. Das waren Profis, wenn auch junge“, sagt der 65-Jährige. In der Tat war der Weg zu Gold kein Spaziergang: Finalgegner Polen war zwei Jahre zuvor WM-Dritter, im Angriff stürmte WM-Torschützenkönig Grzegorz Lato.

Doch jener 31. Juli 1976 erwies sich als Glückstag für die DDR. Am Morgen holte Waldemar Cierpinski Marathon-Gold und wurde zur Legende, wenige Stunden später besiegte der Schweriner Boxer Jochen Bachfeld im Weltergewichts-Finale Pedro Gamarro aus Venezuela knapp mit 3:2 und am Abend lieferten die Fußballer eines ihrer besten Länderspiele ab. Längst vergessen war da das Auftakt-0:0 gegen Brasilien, nach dem DDR-Sportchef Manfred Ewald in einer Brandrede gedroht hatte, die Mannschaft heimzuschicken. Im Finale hielt nicht einmal der miserable Rasen das Team auf.

„Im Stadion war zuvor eine Reitveranstaltung. Danach wurde der Platz einfach mit grüner Farbe bestreut“, erinnert sich Dörner. Hartmut Schade (7.) und Martin Hoffmann (14.) beruhigten schnell die Nerven, nach Latos Anschluss (59.) machte Reinhard Häfner (84.) alles klar. „Mit spritzigem Angriff und sicherer Abwehr zum ersten Olympiasieg“, titelte das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“. 40 Jahre später ist das Team noch immer eine Einheit. „Wir telefonieren viel, bei Länderspielen treffen wir uns regelmäßig“, sagt Dörner. Schmerzlich vermisst werden dann Trainer Georg Buschner, der 2007 starb, und Mittelfeldspieler Reinhard Lauck. „Mäcki“ kämpfte nach der Karriere mit Alkoholproblemen, 1997 starb er an den Folgen eines Sturzes vom Fahrrad. In Laucks Heimat Sielow, einem Vorort von Cottbus, wurde eine Kopie der Goldmedaille in den „Walk of Fame“ vor dem Rathaus eingelassen.

„Unsere Mannschaft war einzigartig, wir hatten Gold verdient“, sagt Dörner. Bei den Spielen in Rio hofft er dennoch auf eine Wiederholung des Triumphs. „Ich freue mich, dass wieder eine deutsche Mannschaft qualifiziert ist“, sagt Dörner vor dem Auftaktspiel am Donnerstag gegen Mexiko: „Das Potenzial für eine Medaille ist vorhanden. Und wenn es sogar Gold wird wie bei uns, würde es mich freuen.“

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erstellt am 31.Jul.2016 | 09:00 Uhr

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