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Profiboxer Zeuge : „Das war weltmeisterlich“

vom
Aus der Onlineredaktion

Supermittelgewichts-Champion Zeuge mit Strahlkraft und absolut konzentrierter Leistung unangefochten zur Titelverteidigung

Nach einer ebenso fulminanten wie erfolgreichen Nachtschicht saß Tyron Zeuge tiefenentspannt im zweiten Stock der Wetzlarer Arena und ließ seinen WM-Gürtel nicht mehr aus den Augen. Die klitzekleine Schramme auf der Stirn des einzig verbliebenen deutschen Profibox-Weltmeisters störte nach der souveränen Titelverteidigung niemanden. Der Wert und die Strahlkraft von Zeuges einstimmigem Punktsieg (119:108, 119:108, 119:108) vor 2300 Zuschauern gegen den Engländer Paul Smith (34) war allen bewusst.

„Dass Tyron gewonnen hat, ist für den gesamten deutschen Boxsport von immenser Bedeutung“, sagte sein Promoter Kalle Sauerland: „Wir arbeiten hart, um diesen Sport über Wasser zu halten und sind auf dem richtigen Weg. Wir haben gesehen, dass man dabei auf Tyron bauen kann – das war weltmeisterlich.“

Die Tatsache, dass Routinier Smith eine Stunde nach Mitternacht nicht zur Pressekonferenz erschien, sprach Bände. „Es war ein harter Kampf. Paul hat tiefe Cuts davongetragen, die untersucht werden müssen“, erklärte Eddie Hearn – und schwärmte fast im selben Atemzug über Zeuge: „Tyron hat eine große Zukunft vor sich. Jugend, Schlagkraft, Talent – alles spricht für ihn.“

Zeuge sagte nach dem 21. Erfolg in seinem 22. Profikampf (ein Unentschieden) grinsend: „Das hat Spaß gemacht heute. Ich glaube, Jürgen ist auch ganz zufrieden.“ Gemeint war sein Schweriner Trainer Jürgen Brähmer. Der konnte dies bestätigten. „Tyron hat so geboxt, wie ich das sehen wollte.“

Nach dieser Leistung wird Sauerland nicht umhin können, Zeuge für das weltweite Turnier um die Muhammad-Ali-Trophy zu nominieren. Jeweils acht der weltbesten Boxer ermitteln zunächst im Supermittelgewicht und Cruisergewicht in K.o.-Runden ihre Champions. Die Veranstalter wollen Preisgelder in Gesamthöhe von 50 Millionen Dollar ausschütten. Am 8. Juli wird in Monaco das Teilnehmerfeld präsentiert. Auch Ex-Weltmeister Arthur Abraham und Vincent Feigenbutz sind Kandidaten, aber nur ein Deutscher wird dabei sein.

Den Blick nach vorne wollte Linksausleger Zeuge allerdings nicht ausarten lassen. „Ich trinke ein Bierchen, und dann freue ich mich erst einmal auf ein paar Tage Ruhe und Entspannung“, kündigte der alte und neue WBA-Champion an. Das Belohnungsküsschen von Freundin Mandy gab es für den Hoffnungsträger bereits im Ring. Und die geliebte Currywurst? „Die wird erst Montag oder Dienstag gegessen“, verriet der bodenständige Zeuge.

Übrigens: Beinahe hätte der Kampfabend in Wetzlar gar nicht stattgefunden. Die WBA hatte das Duell des Champions gegen die Nummer fünf vor 14 Tagen abgesagt, wie erst jetzt durchsickerte. Zeuge sollte vorher einen Rückkampf gegen den Nigerianer Isaac Ekpo bestreiten. Im ersten Duell vor drei Monaten hatte der Berliner durch Abbruchsieg wegen eines Augenbrauencuts nach einem unabsichtlichen Kopfstoß Ekpos gewonnen.

Der generell wegen seiner Vorliebe für Kopfstöße, Ellenbogenchecks und Nahkampf-Keilerei unbeliebte Afrikaner muss laut Anordnung der WBA aber binnen 120 Tagen Zeuges nächster Gegner sein. Was wird dann aus seinem Einsatz bei der Ali-Trophy? Sauerland zuckt mit den Achseln.

Innerhalb der Rahmenkämpfe in Wetzlar landete Zeuges Trainingskollege Denis Radovan den fünften Sieg in seinem fünften Profikampf. Gegen den Kroaten Josip Duric setzte sich der 25-jährige Schützling von Jürgen Brähmer nach Punkten durch.

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