Boxen : Warten auf Cleverly

Verletzungsbedingt musste Jürgen Brähmer (l.) seinen WM-Gürtel an Nathan Cleverly (r.) weiterreichen.
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Verletzungsbedingt musste Jürgen Brähmer (l.) seinen WM-Gürtel an Nathan Cleverly (r.) weiterreichen.

Jürgen Brähmer will gegen den Weltmeister endlich die Option auf einen Rückkampf einlösen.

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22. Mai 2017, 21:00 Uhr

Ginge es nach Jürgen Brähmer, dann wäre Nathan Cleverly am 15. Juli seinen Titel als WBA-Profiboxweltmeister im Halbschwergewicht los. An diesem Tag würde der Schweriner liebend gern endlich die Option auf den Rückkampf gegen den Waliser wahrnehmen. „Ich weiß zwar noch nicht, wo der steigen würde, aber wir könnten an dem Tag Fernsehzeit bekommen“, sagt Brähmer.

Der 38-Jährige ist heiß auf den Kampf. Bekanntlich hatte Cleverly ihm am 1. Oktober 2016 in Neubrandenburg den WM-Gürtel entrissen – durch verletzungsbedingte Aufgabe des Mecklenburgers. Dass der Mann von der Insel, wie im damaligen Vertrag verankert, dem entthronten Champion die Chance auf Revanche gewähren würde, hatte er in der anschließenden Pressekonferenz ausdrücklich betont.

Lang, lang ist’s her – und von Cleverly nichts mehr zu hören. „Wir haben ihn sogar angerufen, aber er geht nicht ran“, berichtet Jürgen Brähmer, der weiß, dass er nur warten kann. „Wir haben eine Option auf den Rückkampf, mehr nicht. Cleverly müsste einen Kampfvertrag unterschreiben. Das tut er bislang nicht und zwingen können wir ihn nicht.“

Dennoch arbeitet der Schweriner, als stünde der 15. Juli als Kampftag bereits felsenfest. Während er als Trainer seinen Weltmeister Tyron Zeuge auf dessen Titelverteidigung am 17. Juni in Wetzlar gegen Paul Smith (GB) und Denis Radovan auf dessen gleichzeitigen fünften Profikampf vorbereitet, steht er auch längst selbst in der Vorbereitung. „Ich trainiere vor oder nach den Einheiten mit meinen Jungs und oft auch mit ihnen“, berichtet er. Und die Boxer helfen ihrem Coach, sei es als Partner bei der Pratzenarbeit oder im Sparring.

Apropos Sparring: Die heiße Sparringsphase kann Jürgen Brähmer der unbedingten Konzentration wegen erst nach Zeuges WM-Kampf in Angriff nehmen. „Aber das passt schon“, sagt der Routinier. „Drei Wochen Sparring sind nötig, danach eine Woche Lockerung – und dann wären wir genau beim 15. Juli.“

Bleibt nur zu hoffen, dass er dann auch boxen kann. Dass Cleverly sich verleugnen lässt, deutet – vorsichtig ausgedrückt – auf großen Respekt vor Brähmer hin. Für den angestrebten Kampftermin aber ist es kein gutes Zeichen. „Das ist sogar ein ganz besch… Zeichen“, sagt Brähmer und ist richtig sauer: „Dafür, dass Cleverly gern große Töne spuckt, ist sein Vorgehen regelrecht erbärmlich.“

Zugleich aber nimmt er die Situation tiefenentspannt hin. Er weiß: Wenn Cleverly tatsächlich kneifen sollte, bekäme er irgendwann den WM-Titel aberkannt. Der würde dann vakant, „und in dem Falle wäre ich der erste Kandidat, um diesen zu boxen“, so Brähmer.

So lange aber will er nicht Däumchen drehen. „Ich habe noch mehrere Kampfangebote, die interessant klingen“, sagt er. Nur der 15. Juli wäre dann sicherlich endgültig vom Tisch, denn: „Du musst der Fairness halber dem Gegner schon ebensoviel Zeit zur Vorbereitung einräumen, wie du selber hast.“

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