Tobias Wächter früh raus, Miriam Welte holt zweites Gold

Enttäuscht: Tobias Wächter fuhr deutlich an seinem Ziel vorbei.
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Enttäuscht: Tobias Wächter fuhr deutlich an seinem Ziel vorbei.

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28. Februar 2014, 16:11 Uhr

Der Traum vom Finale oder gar einer Medaille im Keirin-Wettbewerb bei der Bahnrad-Weltmeisterschaft im kolumbianischen Cali war für den Schweriner Tobias Wächter früh ausgeträumt: „Ich bin schon im Hoffnungslauf rausgeflogen. Bis ins Halbfinale kam ich gar nicht erst“, schrieb der 25-Jährige uns gestern per E-Mail. „Irgendwie hatte ich gestern nicht so das gute Gefühl in den Beinen und dann hat mein Kopf automatisch auch nicht richtig mitgespielt. Somit fehlte mir dann das Auge, das gerade im Keirin, wo man ja schon die Übersicht behalten muss, nötig ist.“

Weiter schreibt der gebürtige Düsseldorfer: „Der Vorlauf lief schon nicht so optimal. Ich hatte das Gefühl, ich bekomme den Gang nicht richtig rum. Im Hoffnungslauf versuchte ich dann unter dem Australier Shane Perkins durch zu fahren, der mich dann aber runter fuhr. Mein Riemen am Schuh ging auf und ich verlor Schwung. Dadurch kam ich am Ende dann nicht richtig vorbei. In der ein oder anderen Situation in beiden Läufen habe ich wohl auch zu lange gewartet und nicht früh genug agiert. Das Ergebnis ist für mich völlig enttäuschend und inakzeptabel.“ Am Ende stand für den Schützling von Trainer Ronald Grimm, der vor Jahresfrist in Minsk noch Zehnter geworden war, ein 13. Platz.

Mit offensichtlichem Frust zog Wächter seine persönliche Bilanz: „Ich stehe bei der WM im Keirin am Start, weil es 2012 die einzige Disziplin war, in der ich mich anbieten konnte. Ich versuche mich jetzt über den Sprint zu etablieren und dann bei den Weltcups diesen Winter auch endlich wieder dort am Start zu stehen. Ich denke, dort bin ich besser aufgestellt. Da muss man eben nur einen Gegner im Auge behalten anstatt fünf andere ;-). Nun schaue ich mir die Wettkämpfe der anderen an, drücke ordentlich die Daumen und versuche meine Enttäuschung zu verarbeiten. Nächste Woche Freitag gehts dann mit meiner Freundin in Urlaub und dort wird erst mal abgeschaltet von allem.“

Zumindest standen noch zwei Teamkollegen von Wächter im Endlauf der besten Sechs. Dennoch war dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) in diesem Wettbewerb keine Medaille vergönnt. Während der Franzose Francois Pervis seinen Sieg bejubelte, saß der als Mitfavorit gestartete Berliner Maximilian Levy lädiert und mit zerrissenem Trikot auf der Bahn. Der Weltmeister von 2009 war auf Medaillenkurs liegend etwa 150 Meter vor dem Ziel nach einer Kollision zu Fall gekommen und hatte dabei einen Schlüsselbeinbruch an der rechten Schulter sowie Hautabschürfungen erlitten. Unter Schmerzen wurde der 26-Jährige in eine Klinik gebracht. Joachim Eilers aus Chemnitz fuhr als Vierter knapp an einem Podestplatz vorbei.

Ein ehemaliger Schützling von Ronald Grimm hatte dagegen allen Grund zum Jubeln: Nach ihrer zweiten Goldfahrt schickte Miriam Welte, die bis zum vergangenen Sommer noch für das Track Cycling Team MV fuhr, Handküsse ins Publikum und strahlte über das ganze Gesicht. Mit ihrem Sieg im nichtolympischen 500-m-Zeitfahren in 33,451 Sekunden gewann Welte den ersten Einzeltitel ihrer Laufbahn, und selbst die jahrelange Dominatorin und Weltrekordlerin Anna Meares aus Australien (33,548) konnte nur neidlos gratulieren.

Diese WM entwickelt sich für Welte zu einem wahren Triumphzug. Einen Tag nach dem überlegenen WM-Titel im Teamsprint an der Seite von Kristina Vogel (Erfurt) hatte Welte ein lang ersehntes Ziel erreicht und zugleich die insgesamt dritte Medaille für den BDR eingefahren. „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen, ich wollte das unbedingt. Das ist so, so toll. Ich bin so froh, dass es geklappt hat“, sagte die 27-Jährige, die über die 500 Meter schon in den vergangenen drei Jahren auf dem Podest gestanden hatte. Dass sie diesmal endlich die viermalige Zeitfahr-Weltmeisterin Meares hinter sich ließ, nötigte Bundestrainer Detlef Uibel großen Respekt ab. „Das war nicht zu erwarten. Wir können völlig happy sein. Für die Miriam ist das sehr emotional“, sagte der 54-Jährige über die erste deutsche Weltmeisterin auf dieser Distanz.

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