Stabhochspringen in Prag : Strutz: „Ich brauch Eis und ’n Bier“

Martina Strutz bei Stabhoch-Meeting in Prag durch spektakulären Stabbruch leicht verletzt.

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03. Juli 2015, 08:00 Uhr

Da dachte Martina Strutz vom Schweriner SC, sie hätte am Stab alles erlebt, was ein Stabhochspringerleben zu bieten hat – und dann kommt der 1. Juli 2015: Vor der malerischen Kulisse der Prager Altstadt nimmt die 33-Jährige Anlauf für ihren dritten Versuch über die Weltklasse-Höhe von 4,67 m. Sie springt ab, der gewünschte Katapulteffekt setzt ein – und plötzlich wieder aus. Mit lautem Krachen bricht der Stab. „Strutzi“ ist nur noch Passagier, aber sie hat die physikalischen Gesetze auf ihrer Seite und landet nach einem unfreiwilligen Salto rückwärts weich auf der Matte. Ihre irische Konkurrentin Tori Pena hat den ganzen Vorfall gefilmt.

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Gott sei Dank kann Martina umgehend Entwarnung geben: „Nichts passiert, nur die linke Hand hat ein bisschen was abgekriegt.“ Genauer gesagt: Die Knochen sind heil, aber sie hat einen Bluterguss, Sehnen und Bänder sind gereizt. „Bis zum nächsten Wettkampf am 11. Juli am Tegernsee wird das schon wieder“, ist sich der Schützling von Trainer Thomas Schuldt sicher.

Die Vize-Weltmeisterin ist nicht die Erste, der ein solcher Unfall passiert ist – und nicht immer gehen solche Sachen glimpflich ab. Auch sie selbst hat schon Stäbe zerbrochen und bei dem bis dato letzten Vorfall dieser Art 2007 wegen einer Platzwunde in der Handfläche ihre Startchance bei der WM in Osaka eingebüßt. „Aber im Wettkampf ist mir so etwas noch nie passiert. Und schon gar nicht zweimal. Das hat wohl überhaupt noch niemand geschafft – außer mir“, sagt Martina.

In der Tat: In Prag ereilte sie das gleiche Missgeschick auch schon bei ihrem ersten Versuch über 4,40 m. Obwohl die linke Hand danach schon ein wenig summte, sprang die Mecklenburgerin unbeeindruckt weiter. Sie durfte ihren Versuch wiederholen, nahm die 4,40 schließlich im zweiten Anlauf, meisterte 4,50 m und 4,60 m jeweils auf Anhieb, wurde mit dieser Höhe am Ende Zweite hinter Lokalmatadorin Jirina Ptacnikova (4,72).

Für die 4,67 m hatte die Schwerinerin dann einen besonderen Stab ausgepackt. Mit dem seinerzeit nagelneuen Gerät hatte sie 2011 in Karlsruhe mit 4,78 m den ersten ihrer beiden deutschen Rekorde aufgestellt (der zweite folgte mit 4,80 beim WM-Silber, aber mit einem anderen Stab). Nun ist der Karlsruhe-Stab hin. „Keine Ahnung, wieso“, rätselt die Athletin. „Klar, die Stäbe lagen in der Sonne, aber das liegen sie oft. Und den zweiten bin ich nach Karlsruhe nur ganz selten gesprungen. Materialermüdung sollte von daher auch ausscheiden.“

Zum Glück muss man sich bei einer Top-Springerin wie Martina Strutz nicht sorgen, dass sie nun ohne Stäbe dastünde. Zum einen hat sie einen identischen Satz an Stäben und zur Sicherheit hat sie über ihren Stab-Lieferanten bereits Ersatz bestellt. „Strutzi“ blickt nach vorn, so wie man sie kennt: ungerührt. Nur gleich nach dem Crash, da zeigte sie doch – zumindest ein bisschen – Nerven. „Jetzt brauch ich Eis und ’n Bier – das Eis für die Hand, das Bier für die Seele“, hatte sie noch auf der Wettkampfanlage verkündet.

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