Boxen : Pulew hat den Preis bezahlt

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Klitschko besiegt WM-Herausforderer durch K.o.

svz.de von
16. November 2014, 20:38 Uhr

Fünf Runden, vier Niederschläge, ein K.o. – Boxweltmeister Wladimir Klitschko hat seinen 63. Sieg beeindruckend und für Herausforderer Kubrat Pulew besonders schmerzhaft in Szene gesetzt. Der 35-jährige Bulgare musste nach dem Kampf in ein Hamburger Krankenhaus. „Er war sehr schwer gezeichnet“, sagte Ringarzt Stephan Bock. Die von ihm zunächst diagnostizierte Mittelgesichtsfraktur am Jochbein bestätigte sich aber zum Glück nicht.

Nach 2:11 Minuten der fünften Runde streckte Pulew ein linker Haken von Klitschko zu Boden, er wurde ausgezählt. Drei Niederschläge in den Runden zuvor waren dem Finale furioso vorausgegangen.

„Unfassbar, beeindruckend“, schwärmte Ex-Weltmeister Henry Maske. Der 38-jährige Klitschko hat mit seiner 17. Titelverteidigung gegen einen der besten Konkurrenten, den das Schwergewicht derzeit zu bieten hat, seine Vormachtstellung zementiert.

„Wladimir ist der beste Techniker der Welt. Er wird mit jedem Kampf besser. Ich sehe keinen, der ihn schlagen kann“, belobigte Ex-Weltmeister und Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko seinen Bruder. Jetzt ist die große Motivation, neben den WM-Gürteln von WBO, IBF und WBA auch den früheren WBC-Titel von Vitali Klitschko in die Familie zurückzuholen. Den besitzt der Kanadier Bermane Stiverne.

Der nahezu unversehrte Sieger bekannte, „ein bisschen emotional“ in den Kampf gegangen zu sein. Noch nie habe er bei einem Gegner „diese Arroganz und keinen Respekt“ gesehen, entrüstete sich der seit acht Jahren amtierende Champion. „Er ist wie ein Mädchen!“, hatte Pulew seinen Rivalen vor dem Duell beleidigt. Dem waren Dauerfehden zwischen beiden Ställen vorausgegangen. „Ich habe versucht, die Emotionen im Griff zu behalten“, berichtete der Ukrainer. Nach dem Sieg las er dem Bulgaren die Leviten. Den Inhalt der Tirade wollte „Dr. Steelhammer“ nicht verraten. Nur so viel: „Das war eine gute Lehre für Pulew. Er hat den Preis bezahlt.“

Die giftige Atmosphäre in der ausverkauften Hamburger O2-Arena habe ihn beflügelt, meinte Klitschko. „Es ist leichter für mich, wenn die Halle gegen mich ist.“ Tausende bulgarische Fans hatten dem mutigen, aber chancenlosen Pulew ein Heimspiel bereitet.

Einen Eisbeutel auf die riesige Schwellung unter dem rechten Auge drückend, zögerte Pulew mit einer Ehrerbietung: „Wladimir ist ein wirklich großer Kämpfer. Ich denke, er hat Glück gehabt. Ich will Revanche haben, das nächste Mal gewinne ich.“

Den Zwist im Vorfeld wollte Bulgariens Sportler des Jahres nicht beilegen: „Klitschko ist ein schlechter Spieler. Er war nicht korrekt.“ Vermutlich spielte er auf die Dopingkontrollen im Training an, die Klitschko ablehnt, während er selbst in der Vorbereitung sechsmal getestet wurde. Genauere Erklärungen gab es nicht. Das Sauerland-Lager erschien nicht zur Pressekonferenz.

Champion Klitschko reiste gestern zu seiner hochschwangeren Verlobten Hayden Panettiere nach Nashville im US-Bundesstaat Tennessee. „Ich hoffe, dass ich die Geburt nicht verpasse.“ Sein Bruder, der drei Kinder hat, habe ihm immer „von seinen Heldentaten“ erzählt. Da will der vier Jahre jüngere Wladimir mithalten. „Ich habe 38 Jahre auf diesen Moment gewartet. Ich bin aufgeregt. Das ist der schönste Moment im Leben.“

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