Leichtathletik : „Potenzial an den Stab bringen“

Ihr größter Moment: Martina Strutz springt in Daegu mit 4,80 m deutschen Rekord und feiert noch in der Luft.
Ihr größter Moment: Martina Strutz springt in Daegu mit 4,80 m deutschen Rekord und feiert noch in der Luft.

Stabhochspringerin Martina Strutz vom SSC landet heute zu ihrer WM-Mission in Peking und sieht noch viel Potenzial.

23-11371788_23-66108086_1416392671.JPG von
18. August 2015, 12:00 Uhr

Die vergangene Nacht hat Stabhochspringerin Martina Strutz vom Schweriner SC in der Luft verbracht, auf dem Weg nach Peking, wo am Sonnabend die WM der Leichtathleten beginnt. Um 20 Uhr hob der Flieger in Berlin ab, für 11 Uhr Ortszeit (5 Uhr MESZ) war die Landung vorgesehen. Dann bleiben der 33-Jährigen noch knapp sechs Tage, ehe am kommenden Montag um 9.30 Uhr Ortszeit die Qualifikation für die zwei Tage später um 19 Uhr Ortszeit anberaumte WM-Entscheidung ansteht.

„Sechs Tage Akklimatisierung sind okay, ich habe damit ohnehin nicht die großen Schwierigkeiten“, sagt der Schützling von Trainer Thomas Schuldt. „Man darf bloß nicht den Fehler machen, sich nach der Ankunft gleich elend lange schlafen zu legen. Wenn wir um 11 Uhr ankommen, wird nachher gleich Mittag gegessen, dann folgt eine Stunde Mittagsschlaf und anschließend ist Training. Dann ist man am Abend auch so kaputt, dass das Schlafen kein Problem sein sollte.“

Mit diesem Procedere hat die Schwerinerin nicht zuletzt 2011 gute Erfahrungen gemacht, als die WM im südkoreanischen Daegu – und damit sozusagen nur einen Steinwurf weiter entfernt war – und sie am Ende mit der Silbermedaille im Gepäck heimkehrte. Wie damals hat ein großer Teil der deutschen WM-Equipe erst einmal wieder zu einem Akklimatisierungs- und Vorbereitungslager auf der zu Südkorea gehörenden Insel Jeju Quartier genommen. Die Stabhochspringer/innen allerdings gehören nicht dazu.

„Wir hatten dort damals so schlechte Bedingungen für den Stabhochsprung vorgefunden und eine so schlechte letzte Trainingseinheit dort absolviert, dass wir diesmal lieber auf das Lager verzichten und gleich nach Peking anreisen“, erzählt „Strutzi“.

Das hat gleich zwei Vorteile. Weil zum einen die Stäbe schon in Chinas Hauptstadt angekommen sind, kann die deutsche Stabhoch-Gilde auf ansprechenden Anlagen nahtlos weitertrainieren. Zum anderen bleibt ihr der Visa-Stress erspart, der die Insel-Fahrer ereilte. Denn weil die deutsche Mannschaftsführung den Hinweg nach Jeju mit einem Zwischenstopp in Peking versehen hatte und nicht bedachte, dass die erteilten Visa für China zwar für drei Monate, aber dennoch nur zur einmaligen Ein- und Ausreise gelten, müssen dieser Tage noch neue Visa besorgt werden, um zur WM überhaupt anreisen zu können.

Sportlich ist bei Martina Strutz alles im Lot. „Nichts tut weh, das Training lief super und die athletischen Werte sind so gut wie 2011.“ Von der damaligen WM-Entscheidung datiert auch ihre immer noch aktuelle persönliche Bestleistung – 4,80 m. Das reichte zu Silber und bedeutete damals zugleich deutschen Rekord, den ihr zwischenzeitlich jedoch Silke Spiegelburg (4,82 m) entrissen hat. Die Leverkusenerin ist auch in Peking dabei und steht in der aktuellen Jahresbestenliste, die von der Kubanerin Yarisley Silva ( 4,91 m) angeführt wird, mit 4,75 m vor „Strutzi“, die bislang mit 4,65 m notiert ist. Zwischen beiden steht mit 4,70 noch die deutsche Meisterin und dritte WM-Springerin des DLV, Lisa Ryzih. Allerdings war der Ludwigshafenerin Anfang August bei einem 4,75-Wettkampfsprung der Stab gebrochen. Und weil der 27-Jährigen ein wenig das Image eines Sensibelchens anhaftet, sie seither bei Wettkämpfen nicht zu sehen und auch sonst nichts nach außen gedrungen war, waren gestern Abend alle gespannt, ob sie überhaupt am Abflug-Gate auftauchen und nach Peking mitkommen würde.

Für Martina Strutz sollen ihre 4,65 m für dieses Jahr natürlich noch nicht das letzte Wort gewesen sein. „Die Voraussetzungen, höher zu springen, sind allemal gegeben. Ich muss mein Potenzial dann nur halt im entscheidenden Moment technisch sauber an den Stab bringen.“ So einfach ist das. Drücken wir die Daumen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen