Box-Promoter : Mr. Universum Kohl: «Boxen war nicht das Wichtigste»

Klaus-Peter Kohl posiert 2003 im Ring mit Wladimir Klitschko. /Zentralbild/dpa
Klaus-Peter Kohl posiert 2003 im Ring mit Wladimir Klitschko. /Zentralbild/dpa

Klaus-Peter Kohl stand einst dem größten Boxstall Europas vor. Davon ist nichts geblieben. Der Kaufmann ist aber erfolgreich wie eh und je, nur nicht im Boxen. Jetzt wird er 75.

svz.de von
03. Mai 2019, 23:59 Uhr

Boxen war einmal seine Leidenschaft. Jetzt ist Boxen für ihn eine Marginalie, ähnlich aufregend wie die Tiefenwirkung von Waschpulver oder der maximal erlaubte Krümmungsgrad von Salatgurken. Klaus-Peter Kohl hat mit dem Boxen abgeschlossen.

Der frühere Promoter und Chef des Hamburger Universum-Stalls will sich dazu auch nicht mehr äußern. Man muss fast schon betteln. Wenn man Glück hat, hat er Mitleid. «Es war schon eine tolle Zeit. Aber wenn vorbei, dann vorbei. Ich gucke nicht nach hinten», sagt der Hamburger, der am 4. Mai seinen 75. Geburtstag feiert. Für Kohl steht trotz aller Erfolge fest: «Boxen war nicht das Wichtigste in meinem Leben.»

Wie sich der in Deutschland einst blühende Profisport in die Talsohle manövriert hat, schmerzt Kohl. «Es ist sehr schade, was sich in den letzten Jahren getan hat», bedauert der Kaufmann. Der Abstieg kam mit dem Ausstieg des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Auf bis zu 20 Millionen Euro ist die Summe geschätzt worden, die das ZDF Universum per anno zur Verfügung gestellt hat.

Weil die Einnahmen aus TV-Geldern nicht mehr reichten, um seine Boxer angemessen zu bezahlen, gab er auf. 2011 verkaufte er den einst größten Boxstalls Europas. Sein Nachfolger stolperte wenig später in die Insolvenz. Viel mehr als die Erinnerungen sind nicht geblieben. «Boxen schläft nur. Es ist nicht tot. Man muss es nur wecken», sagt Kohl. «An spektakulären Boxern kommt das Fernsehen nicht vorbei.»

Seine erste Profi-Veranstaltung 1984 war ein finanzielles Desaster. Unterm Strich stand ein sechsstelliges Minus, zu Hause eine wütende Frau. «Man darf aber nicht gleich den Mut verlieren, muss dranbleiben», sagt Kohl. Sein Ex-Geschäftsführer Peter Hanraths lobt Mr. Universum: «Klaus-Peter war ein absoluter Erfolgsmensch.»

In den Jahren danach ging es aufwärts. In der Universum-Blüte wurden Weltmeister am Fließband produziert. Die bekanntesten Namen: Dariusz Michalczewski, Felix Sturm, Juan Carlos Gomez, Jürgen Brähmer, Regina Halmich, Ina Menzer, Ralf Rocchigiani, Artur Grigorjan, Zsolt Erdei, Susi Kentikian und natürlich Wladimir und Vitali Klitschko.

Die beiden Ukrainer, weil gebildet, im Doppelpack und noch dazu in der Königsklasse Schwergewicht, sorgten weltweit für Furore. Den Erfolg genießen durften Kohl und sein Universum, bis die Brüder 2004 die Trennung vor Gericht erstritten und sich selbständig machten. «Ihnen ging es danach sicherlich nicht schlecht. Aber mit mir hätten sie mehr verdient», behauptet Kohl.

Dem Vorwurf, der Promoter hätte sich das meiste Geld in die eigene Tasche gestopft und die Boxer nicht fair bezahlt, widerspricht Jean-Marcel Nartz. Als Technischer Direktor des Sauerland-Boxstalls und später bei Universum war er im Bilde. «Kohl hat seine Boxer am besten bezahlt», sagt Nartz. «Er ist zwar wie ich ein Stier, sehr temperamentvoll, impulsiv und manchmal cholerisch, aber immer geradeaus und gerecht.»

Hanraths weist auf einen Systemfehler hin: «Die Boxer haben bei uns das Drei- bis Vierfache von dem heute verdient. Aber wer viel hat, will noch mehr. Das Fernsehen hat den Fehler gemacht, dass es den selbstständigen Klitschkos, Sturm und Marco Huck Verträge gegeben hat. Von dem Geld haben sie aber keinen Nachwuchs aufgebaut. Wir schon. So hat sich das Fernsehen selbst die Beine weggehauen.»

Seine früheren Geschäftsfelder jenseits des Boxens, wie Gastronomie und Immobilien, hat Kohl ausgebaut. Das «Hall of Fame»-Mitglied beteuert, dort wirtschaftlich erfolgreicher zu sein als er im Boxen je war. In seinen Restaurants lässt er sich kaum blicken. «Das macht alles mein Schwiegersohn. Ich mache Verträge. Das kann ich gut.»

Was die Gesundheit betrifft, will er nicht klagen. Obwohl er dazu Veranlassung hätte. Der schwere Autounfall 1997 mit vierfachem Beckenbruch, 22 weiteren Knochenbrüchen und neuntägigem Koma haben Spuren hinterlassen. «Mit 75 wird es nicht besser», meint Kohl. Der Geschäftsmann meidet die Öffentlichkeit. «Früher musste ich, aber ich mochte es nie. Jetzt gehe ich nirgends hin, lass' mich nicht sehen», verrät er und schwört: «Ich bin froh, dass ich meine Ruhe habe.»

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