Nach den Terroranschlägen in Paris : Kein normaler Bundesliga-Spieltag

Gewöhnungsbedürftiges Bild: Die Polizeipräsenz rund um die Bundesliga-Stadien wird erhöht, auch Beamte mit Maschinengewehren werden im Einsatz sein.
Gewöhnungsbedürftiges Bild: Die Polizeipräsenz rund um die Bundesliga-Stadien wird erhöht, auch Beamte mit Maschinengewehren werden im Einsatz sein.

Partien des deutschen Fußball-Oberhauses finden unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Breitenreiter: „Ein mulmiges Gefühl“

svz.de von
19. November 2015, 18:18 Uhr

Keine Panik, aber auch keine Normalität. Die 198 Spieler und 18 Trainer der Fußball-Bundesligisten werden nach den Terroranschlägen von Paris und der Länderspiel-Absage alles andere als unbeschwert zum Anpfiff des 13. Spieltags antreten. „Ich habe Vertrauen in die Sicherheitsmaßnahmen, aber es bleibt ein mulmiges Gefühl“, sagte Schalke-Coach Andre Breitenreiter vor dem Topspiel am Sonnabend gegen Bayern München. Er betonte aber auch: „Ich bin total dafür, dass die Bundesliga-Partien stattfinden.“

Wie schwierig es ist, den Weg zurück in die Normalität zu finden, schilderte Nationaltorwart Ron-Robert Zieler, der in Paris und in Hannover die terroristische Bedrohung aus der Nähe erlebte. „Ich habe viel mit der Familie und Freunden gesprochen. Ich habe den Eindruck, dass ich mit der Situation ganz gut zurechtkomme und sie gut verarbeitet habe“, meinte Zieler. „Da hilft mir auch die Normalität.“

Für Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel ist es etwas unwirklich, „über Positionen auf dem Feld in der Videoanalyse“ zu sprechen, weil es „1000 wichtigere Dinge auf der Welt als eine Videoanalyse“ gebe. Natürlich sei er mit seinen drei Nationalspielern Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Matthias Ginter über die Vorfälle im Gespräch. Tuchel: „Aber ich habe da mehr Fragen als Antworten. Deshalb will ich meinen Spielern auch keine Ratschläge geben, sondern nur zuhören.“

Für Borussia Mönchengladbachs Coach André Schubert ist es wichtig, den Fußball zu nutzen, um von den dramatischen Ereignissen etwas abzulenken. „Diese schrecklichen Vorfälle sind ein Thema, mit dem man sich in seinem Alltag beschäftigt“, sagte er. „Aber es wäre der falsche Weg, jetzt nur noch voller Angst zu sein und auf alles zu verzichten.“ Auch der niederländische Nationalspieler Bast Dost will sich nicht einschüchtern lassen. „Ich lasse mich nicht von solchen Sachen wie am Dienstag ablenken“, sagte der Stürmer des VfL Wolfsburg. „Es ist einfach traurig. Aber das Leben geht weiter, jetzt spielen wir gegen Bremen – darauf haben wir Lust.“

Die neun Erstligapartien finden unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt, patroullierende Polizisten mit Maschinengewehren werden rund um die Arenen an der Tagesordnung sein. „Wir dürfen uns vom Terror nicht einschüchtern lassen. Gleichzeitig muss sehr deutlich gemacht werden: Der Schutz von Menschenleben hat höchste Priorität“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. Der Übergangschef des DFB sieht den Profifußball generell jedoch nicht „im Fokus der Terroristen“.

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