WBA-Box-WM in Rostock : K.o. in Runde 10 - Brähmer bleibt Weltmeister

23-69291704.JPG
1 von 6
Bernd Wüstneck/dpa

Der rechte Haken kam in Runde 10 - Robin Krasniqi erholte sich nicht. Jürgen Brähmer verteidigte am Sonnabend in der Rostocker Stadthalle seinen WBA-Weltmeistertitel zum vierten Mal erfolgreich.

23-10879802_23-66108346_1416393144.JPG von
21. März 2015, 23:58 Uhr

Mit diesem Sieg stehen Jürgen Brähmer nunmehr in 48 Profikämpfen 46 Siege, davon 34 K.o., zu Buche. Eine eindrucksvolle Bilanz. Dabei war es ein eindeutig anderes Kaliber als Ende vergangenen Jahres, das der Schweriner an diesem Abend vor sich hatte. Am 6. Dezember noch hatte Jürgen Brähmer bei seiner dritten Titelverteidigung in Oldenburg gerade einmal knapp 50 Sekunden gebraucht, um den Polen Pawel Glazewski auf die Bretter zu schicken.

"Es war ein starker Kampf, Robin hat mir sehr viel abverlangt", zollte Jürgen Brähmer seinem jungen Kontrahenten Respekt. Er sei zwischendurch etwas fest geworden, zudem habe Krasniqi eine stabilere Deckung als zuletzt präsentiert. "Da musste ich ihn schon ganz schön herauslocken." Leider hätte er nicht hundertprozentig nachgesetzt - deshalb habe sich der Kampf Runde um Runde gezogen. Auch Krasniqi sah einen "sehr guten Kampf". Er gratulierte dem Gegner, bedauerte aber auch den Cut, den er durch die Rechte erlitten hatte. Er wollte noch einmal im Endspurt zulegen - eigentlich. Für den Münchener - der bereits vor zwei Jahren gegen Nathan Cleverly aus Wales eine WM-Kampf verloren hatte - war dieser technische K.o. in Runde 10 die vierte Niederlage in 47 Fights im bezahlten Boxen.

Die lautstärkeren Fans unter den 4800 Zuschauern in der ausverkauften Stadthalle hatte eindeutig der Titelverteidiger hinter sich. Mit Trommeln feuerten sie ihren Champion nach vorn. Doch die erste Runde war zunächst gekennzeichnet von vorsichtigem Abtasten - wirklich zählbare Aktionen sahen die Fans beider Akteure nicht. Nach dem zweiten Rundengong ging Krasniqi überraschend stark nach vorn, brachte Brähmer in unerwartete Bedrängnis. Schon hier ahnten die Experten: Das wird ein spannender, hochklassiger Fight.

In den nächsten Abschnitten schenkte der Herausforderer seinem Gegenüber wenig. Mit platzierten Aufwärtshaken kam er mehrfach durch Brähmers Deckung, der allerdings konterte sofort und ebenso wirkungsvoll. Zu diesem Zeitpunkt sahen die SAT1-Zuschauer übrigens sogar Krasniqi leicht vorn. In der fünften Runde aber zeigte Jürgen Brähmer seine Qualitäten: Mit wuchtigen Angriffen brachte er Krasniqi ins Wanken. Der erholte sich nur langsam, schaffte es aber in die Pause. "Immer locker bleiben, immer locker", gab Trainer Karsten Röwer dann auch seinem Schützling mit auf den Weg in Runde 6.

Ab dem 7. Abschnitt übernahm der Weltmeister immer mehr die Regie. Überlegen, aber abwartend ließ er Krasniqi agieren - der wurde zwischenzeitlich auch stärker, ohne aber wirklich Wirkung zu zeigen. In der Runde 8 ging der Herausforderer wie meist vorwärts. Brähmer hingegen blieb weiter weniger aktiv. Aber dann! Ein klasse Volltreffer von Krasniqi, dem ein ebenso schneller, aber deutlich schlagkräftigerer Konter des Champions folgte. Auch die letzten Sekunden gehörten Brähmer mit einem wahren "Trommelfeuer" bis zum Gong.

Die Weichen waren also endgültig gestellt - für Runde 10!! Ein rechter Hammer-Haken von Brähmer kommt voll durch. Karsniqi taumelt in die Seile und kommt nur schwer wieder auf die Beine. Mit einem Cut an der Lippe gibt die Krasniqi-Ecke schließlich auf - k.o.-Sieg für den alten und neuen Weltmeister!

Nun stehen Brähmer auch die Türen für die ganz großen Kämpfe weit offen. Befragt zu seinen nächsten Zielen, die schließlich nach diesem Abend nicht "Box-Rente" lauten können, sagte der 36-Jährige: "Mein Traum... Ja, der wäre, dass Angebote kommen. Und dann mal gucken!" Er sei für alles offen, habe viele Optionen - auch zum Beispiel das Mittelgewicht. Schon vor dem Rostock-Fight hat sein Sauerland-Stall bereits Kontakt mit dem Management von WBC-Weltmeister Adonis Stevenson (Kanada) aufgenommen. Auch der britische Supermittelgewichts-Weltmeister Carl Froch, der einst Arthur Abraham deklassierte, ist eine Option. „Jürgen traut sich auch einen großen Kampf in den USA zu“, sagte Sauerland vor dem heutigen Fight. Von Herbst an könnte es auch ein deutsches Turnier im Supermittelgewicht mit Brähmer, Abraham, Robert Stieglitz und Felix Sturm geben. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen