Prozess : Jetzt wird es richtig eng für Hoeneß

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Der Bayern-Präsident hat mindestens 27 Millionen Euro an Steuern hinterzogen.

svz.de von
11. März 2014, 20:56 Uhr

Wenn Uli Hoeneß im Saal 134 des Münchner Justizpalastes nach oben schaut, blickt er auf ein Flammenschwert, auf einen Pflug und Steine. Sie „symbolisieren die Vertreibung aus dem Paradies“, heißt es in einer ausliegenden Erklärung. Das passt zum Prozess gegen den Präsidenten des FC Bayern München. Für den Fußball-Funktionär, der seinen Verein zum erfolgreichsten in Europa gemacht, selbst Millionen verdient hat und von den Reichen und Mächtigen hofiert wurde, könnte es bald heißen: Raus aus dem Garten Eden.

Was in seinem Steuerprozess bislang ans Tageslicht kam, macht ein mildes Urteil immer unwahrscheinlicher. Erst räumte der Bayern-Boss ein, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben – fünfmal so viel wie die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft. Einen Tag später wird selbst diese Summe gesprengt. Laut einer Rosenheimer Steuerfahnderin hat Hoeneß 27,2 Millionen Euro hinterzogen.

Um so viel Geld ging es in einem Promi-Steuerprozess vor einem deutschen Gericht wohl noch nie. Der Vorsitzende Richter Rupert Heindl kann sich ein Lächeln kaum verkneifen, als er den Staatsanwalt fragt, ob man sich angesichts dieser Summe wirklich noch mit irgendwelchen Verlustvorträgen befassen muss.

Der Prozess scheint Hoeneß zu entgleiten. Dabei war er am Montag angetreten als geläuterter Sünder, demütig und um Aufklärung bemüht. Die Verteidigungsstrategie war eindeutig: offenes Visier, absolute Transparenz. „Mir ist klar, dass mir nur absolute Steuerehrlichkeit hilft“, las er zu Prozessbeginn vor. „Mein Fehlverhalten bedauere ich zutiefst. Sämtliche Steuern werde ich natürlich zahlen. Ich werde alles dafür tun, dass dieses für mich bedrückende Kapitel abgeschlossen wird.“

Inzwischen klingen die Sätze wie Worthülsen. Nach der Aussage der Rosenheimer Steuerfahnderin scheint nun klar: zeitweise hatte Hoeneß in einem Depot mehr als 140 Millionen Euro. Doch dann muss er sich verzockt haben. „Ende 2010 ist nicht mehr sehr viel von den Gewinnen da“, schildert die Beamtin vor Gericht. „Was leider an der Steuer nichts ändert.“

Womöglich hat Hoeneß sich jetzt noch einmal verzockt. Er reichte wichtige Dokumente erst spät nach, die wohl schon am 18. Januar 2013 erstellt wurden – vor mehr als einem Jahr. Fristen, weitere Unterlagen zu seiner wohl mehr als unvollständigen Selbstanzeige einzureichen, ließ Hoeneß nach Gerichtsangaben immer wieder verstreichen.

Womöglich könnte doch schon morgen das Urteil fallen, bei dem Hoeneß dank der spektakulären Enthüllungen nach Expertenansicht immer weniger auf Milde hoffen kann. „Hoeneß war auf dem Weg sich in eine Moralinstanz des Landes zu verwandeln“, schreibt die spanische Wochenzeitung „El Pais“. „Aber das Leben hat viele Facetten.“


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