Boxen : Eiszeit im Boxen – außer in Schwerin

Die Kooperation von Michael Timm (l.) und Jürgen Brähmer in Schwerin läuft im wahrsten Sinne des Wortes Hand in Hand.
Die Kooperation von Michael Timm (l.) und Jürgen Brähmer in Schwerin läuft im wahrsten Sinne des Wortes Hand in Hand.

Abwerbung von Europameister Baraou: DBV-Chef verbietet Kooperation mit Profis. „Kein Problem mit Brähmer“

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12. April 2018, 12:00 Uhr

Dass Altmeister Arthur Abraham mit dem Kampf gegen den Dänen Patrick Nielsen am 28. April seine X-te Rückkehr auf den WM-Thron der Profis einläuten will, interessiert die Führungsetage der deutschen Amateurboxer herzlich wenig. Dass aber im Offenburger Rahmenprogramm mit Weltergewichtler Abbass Baraou das bisherige Aushängeschild ihres Verbandes sein Profi-Debüt geben wird, hat die Gemüter der DBV-Funktionäre schwer in Wallung gebracht.

Mit dem kürzlich erfolgten Wechsel des 2017er Amateur-Europameisters und WM-Dritten zum Sauerland-Stall droht dem deutschen Boxsport eine neue Eiszeit. Legt man Äußerungen der vergangenen Wochen von DBV-Präsident Jürgen Kyas zugrunde, so ist die Eiszeit sogar längst ausgerufen.

„Das war gegen unsere Absprachen. Baraou ist erst 23 Jahre. Er sollte bis Olympia 2020 bei den Amateuren bleiben und erst danach zu den Profis wechseln. Jetzt warben sie den Jungen hinter unserem Rücken ab“, wetterte der Chef der deutschen olympischen Boxer in Richtung von Sauerland-Boss Kalle Sauerland und dessen Geschäftsführer Frederic Ness.

Und Kyas verbot prompt den Trainern des Verbandes, weiterhin mit Profis von Sauerland zu arbeiten. Zudem verhängte der Verband für Letztere ein komplettes Trainingsverbot in den Hallen des DBV.

Baraous Wechsel ins Profilager sei eigentlich nur noch der Auslöser gewesen, meinte hingegen DBV-Sportdirektor Michael Müller auf Anfrage. „Was ursprünglich zu unseren Maßnahmen führte, ist die Tatsache, dass der Sauerland-Stall vereinbarte Zahlungen für die Arbeit unserer Trainer nicht geleistet hat.“ Auf rund 30 000 Euro sollen sich die Außenstände verschiedenen Quellen zufolge belaufen.

Das Kooperations- und Hallenverbot gelte aber nicht überall, schränkte Sportdirektor Müller ein. „Im Süden läuft es zwischen Rainer Gottwald, dem Manager von Vincent Feigenbutz, und dem Stützpunkt Heidelberg ein bisschen anders. Und mit Jürgen Brähmer in Schwerin haben wir überhaupt kein Problem.“

Dass der Bann um die Boxhochburg im Norden einen Bogen macht und hier alles weitergehen kann wie gewohnt, ist für Bundesstützpunkt-Cheftrainer Michael Timm eine große Erleichterung. „Wir haben hier in Schwerin eine für beide Seiten absolut fruchtbare Kooperation aufgebaut.“ So würde die Truppe von Jürgen Brähmer, den Timm auch noch selbst betreut, mit Weltmeister Tyron Zeuge und dem früheren Schweriner Traktor-Boxer Araik Marutjan vom teils gemeinsamen Training mit den Athleten des Bundesstützpunktes ebenso profitieren wie umgekehrt.

„Ich habe zum Beispiel mit Artur Ohanyan, dem deutschen Männermeister im Mittelgewicht, ein 21 Jahre altes Talent, das es zu Olympia schaffen kann. Wenn denn die Trainingsbedingungen stimmen. Wäre auch uns hier in Schwerin die Tür zu den Profis tatsächlich wieder zugeschlagen worden, hätte ich keine Idee gehabt, mit wem Artur Sparring machen sollte, ohne dass das mit großem Aufwand verbunden wäre.“

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