Boxen in Rostock : Eine Werbung für den Boxsport

Trotz Doppeldeckung: Dieser Schlag Jürgen Brähmers findet sein Ziel bei Herausforderer Robin Krasniqi.   Fotos: Klaus Frevert
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Trotz Doppeldeckung: Dieser Schlag Jürgen Brähmers findet sein Ziel bei Herausforderer Robin Krasniqi. Fotos: Klaus Frevert

Jürgen Brähmer verteidigt in einem mitreißenden Kampf seinen WM-Titel gegen Herausforderer Robin Krasniqi durch technischen K.o.

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22. März 2015, 21:15 Uhr

Die Boxer-Rente muss warten. In diese hatte Herausforderer Robin Krasniqi am Sonnabend in Rostock Jürgen Brähmer schicken und dem Schweriner Sauerland-Profi dabei dessen WBA-Weltmeistertitel im Halbschwergewicht entreißen wollen. Doch wie sich vor 4800 Zuschauern in der vollbesetzten Stadthalle herausstellte, hatte der für den Magdeburger SES-Stall boxende Münchner damit eine zu dicke Lippe riskiert.

Und eine dicke Lippe wird prompt in den nächsten Tagen das Gesicht des gebürtigen Kosovo-Albaners zieren. Nach der neunten Runde des auf zwölf Runden angesetzten Kampfes nahm Trainer Dirk Dzemski seinen Schützling aus dem Ring. „Mir blieb gar nichts anderes übrig“, erklärte der SES-Coach und zeigte auf seinem Handy ein Foto des rund einen Zentimeter langen Cuts, der sich von Krasniqis Oberlippe senkrecht in die Höhe zog. „Die Lippe lässt sich regelrecht aufklappen. Keine Ahnung, wie das passiert ist – aber so kann ich meinen Athleten nicht weiterboxen lassen“, sagte Dzemski, gestand aber ein: „Robin musste sich in der Runde nach harten Treffern anzählen lassen, sodass es eh aussichtslos geworden war.“

Der Titelverteidiger, der seinen 34. K.o. beim 46. Sieg in 48 Profikämpfen errang, hatte von der Verletzung seines Widerparts, der im 43. Kampf zum dritten Mal verlor, nichts bemerkt. „Ich war überrascht, dass auf einmal Schluss war“, sagte Brähmer und dachte nicht im entferntesten daran, nach Krasniqis Verbal-Attacken der Vorwochen nachzukarten. Ganz im Gegenteil. „Ich danke Robin für einen tollen Kampf“, zollte der 36-Jährige seinem knapp 28 Jahre alten Herausforderer Respekt und begründete: „Er hat mir eine ganze Menge abverlangt.“

Und zwar deutlich mehr, als er und Karsten Röwer erwartet hatten. „Es lief nicht alles nach Plan“, bekannte der Trainer und meinte grinsend zu seinem Champion: „Du brauchst mich gar nicht so anzugucken. Guck dich lieber selber an.“

In der Tat wies auch Brähmers Gesicht deutliche „Gebrauchsspuren“ auf, die der Weltmeister mit der unerwartet stabilen Deckung Krasniqis erklärte. „Da kam ich nicht so an ihn heran, wie ich wollte und musste ab der zweiten Runde meine Taktik ändern.“

Heraus kam ein Kampf, von dem Promoter Kalle Sauerland im Anschluss schwärmte: „Das war Werbung für den Boxsport.“ Denn Brähmer präsentierte sich in der Folge deutlich offener, lockte Krasniqi zu Angriffen, um die beim Schlagen zwangsläufig entstehenden Deckungslücken selbst blitzschnell zu nutzen. „Das klappte ganz gut, aber dabei habe ich mir auch ein, zwei Schläge abgeholt, die ich eigentlich nicht hatte nehmen wollen.“ Dass diese Taktik ein Risiko birgt, ist dem Titelverteidiger klar: „Natürlich, aber das ganze Boxen ist mit Risiko verbunden.“

Das bekam auch Sauerland-Shootingstar Vincent Feigenbutz bei seiner WBO-Interkontinental-Titelverteidigung im Supermittelgewicht gegen den technisch versierten, aber schlagschwachen Balazs Kelemen zu spüren. Der Ungar vermittelte dem als K.o.-Prinz „Vince the Prince“ bezeichneten 19-jährigen Karlsruher zumindest einen Eindruck davon, was diesem passieren kann, wenn er mal auf einen trifft, der das Boxen wirklich beherrscht. „Bei Feigenbutz ist noch viel Arbeit nötig, ehe seinen Worten, Artur Abraham zu entthronen, Taten folgen können“, urteilte denn auch Abraham-Coach Ulli Wegener. „Aber der Junge hat gute Ansätze. Er ist unbekümmert – und das sollte man ihm nicht nehmen.“

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