Gustav Baumgardt wird 80 : Ein Leben für den Boxsport

Im Spiegel der Zeiten: Gustav Baumgardt heute mit 80 Jahren auf seiner Gartenterrasse…
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Im Spiegel der Zeiten: Gustav Baumgardt heute mit 80 Jahren auf seiner Gartenterrasse…

AIBA-Kampfrichterlegende Gustav Baumgardt feiert heute seinen 80. Geburtstag

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13. August 2015, 12:00 Uhr

„Es wird Zeit, dass ich mich aus dem Boxen zurückziehe und den Jüngeren das Feld überlasse.“ Das sagte Gustav Baumgardt, als er 75 wurde. Heute, genau fünf Jahre später, feiert der frühere AIBA-Kampfrichter wieder ein rundes Jubiläum, seinen 80. Geburtstag. Und aus seinem Sport ist der gebürtige Schweriner, der 1948 als Aktiver Ostzonenmeister der SV Lokomotive war, nach wie vor nicht wegzudenken. „Was die Jungs um Michael Timm, Dieter Berg oder Sebastian Zbik, die ich alle schon von klein auf kenne, hier jetzt in Sachen Boxen auch wieder auf die Beine stellen, ist aber auch toll mitzuerleben“, begründet Gustav Baumgardt, warum er den Absprung bis heute verpasst hat.

Erst kürzlich bildete er die Genannten und weitere beim BC Traktor engagierte Ex-Athleten zu Kampfrichtern aus. Die wären ehrlich gesagt aber auch schön dumm, wenn sie auf diesen einzigartigen Erfahrungsschatz einfach so verzichten würden.

In 47 Kampfrichter-Jahren leitete Gustav Baumgardt 12  738 Kämpfe als Ringrichter, saß bei weiteren 17  934 als Punktrichter am Ring. Er war bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul ebenso im Einsatz wie bei den Weltmeisterschaften 1986 in Reno (USA) und 1989 in Moskau, bei zehn Europameisterschaften, zwei Weltcups und fünf Junioren-EM. Auch zu Panafrikanischen, Panamerikanischen und Mittelmeerspielen wurde er als neutraler Kampfrichter angefordert.

Seiner Fairness und seines Fingerspitzengefühls wegen galt Gustav Baumgardt als einer der besten, wenn nicht gar der weltbeste Ringrichter seiner Zeit. Er war einer, dem neben dem Sieger eines Kampfes auch der Verlierer anschließend ehrlichen Herzens für seine Leistung dankte. „Ich hatte sie alle im Ring. Alle, die Rang und Namen hatten. Viele spätere Profis ebenso wie die Russen oder die starken Kubaner um Teofilo Stevenson und Felix Savon, der mich in Havanna sogar mal zu sich nach Hause einlud. Mir haben die Verbände immer gern die schweren Jungs überlassen. Und bei mir ist nie einer umgefallen. Darauf bin ich stolz“, sagt der umsichtige Referee.

Viele Freundschaften sind durch den Sport entstanden, wovon zahlreiche Bilder und Erinnerungsstücke in der Gartenlaube zeugen, die der Bau-Fachmann erst in den letzten Jahren selbst gebaut hat und in der – wie könnte es anders sein – der BC Traktor auch schon Vorstandssitzungen abhielt. Gustav verstand sich prächtig mit Max Schmeling, „der 1949 bei einem Vergleich unserer Schweriner Lok-Staffel in Hamburg Ringrichter in meinem Kampf war“. Er traf Muhammad Ali und ist bis heute väterlicher Freund für Schwerins Weltklasse-Boxer und deren Trainer, die er als Referee durch die ganze Welt – außer Australien – begleitete. Und was er davon zu berichten weiß, damit lassen sich spannende Abende füllen. Oder der heutige Geburtstag, den er mit der Familie, mit Freunden und Weggefährten feiert. Für danach hat sich der Jubilar eines fest vorgenommen: „Es wird Zeit, dass ich mich aus dem Boxen zurückziehe und den Jüngeren das Feld überlasse.“

Wie sich die Bilder gleichen – fragen wir doch in fünf Jahren noch mal nach…

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