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SVZ Sportler des Jahres : Dem Ziel Olympia alles untergeordnet

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für ihren Traum trainiert Amateur-Boxerin Sarah Scheurich dreimal täglich. Wir stellen die Nominierte unserer Sportlerwahl vor.

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Beruflich muss Sarah Scheurich konsequent auf ihre Ernährung achten: Kohlenhydrate sind verboten, Süßigkeiten sowieso, aber auch Obst ist vom Speiseplan gestrichen. Dreimal täglich gehört es außerdem zum Job der 20-Jährigen, in der Sporthalle zu trainieren: Laufen, Krafttraining und Sparring. Als Sportsoldatin und Amateur-Boxerin arbeitet Sarah hart für den Erfolg. „Es braucht jede Menge Motivation und Ehrgeiz, um das straffe Programm durchzuziehen“, sagt sie. Von Vorteil ist dabei, Job und Training in Einklang bringen zu können. „Nach meiner Grundausbildung im September vergangenen Jahres kann ich nun dank der Bundeswehr meinem Sport nachgehen, ohne mir dabei groß Gedanken zu machen“, freut sie sich.

Erfreulich war für sie auch, dass im August 2013 Michael Timm der neue Trainer an ihrer Seite wurde. „Seitdem habe ich das Gefühl, mehr zu leisten und effektiver zu trainieren.“ Für ihr großes Ziel Olympia 2016 ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Denn im nächsten Jahr startet bereits die Qualifikationsphase für das Großereignis in Rio de Janeiro. Für die Teilnahme möchte die Boxerin noch in eine Gewichtsklasse unter ihrem jetzigen Halbschwergewicht wechseln. Im Mittelgewicht tritt Sarah bereits bei der EM im Mai in Bukarest an. Bis dahin muss sie die 75 Kilo-Marke erreicht haben. „Kurzfristig die nötigen sechs Kilo abzunehmen, wäre für den Körper sehr ungesund. Daher hab ich mir ein langfristiges Ziel gesetzt. Neben der EM werfe ich jetzt schon einen Blick in den Oktober, um dann möglichst fit an der WM in Kanada teilnehmen zu können“, erzählt sie weiter.

Bis die großen Wettkämpfe anstehen, freut sie sich erst einmal über die Nominierung für die Kandidatenliste zur Wahl der SVZ-Sportlerin des Jahres. „Es fühlt sich toll an“, erzählt sie, „besonders als Frau in einem männerdominierten Sport.“

Noch immer muss sie sich mit Klischees rumschlagen. „Viele sind, wenn sie mich kennnenlernen, positiv überrascht, weil sie sich eine Boxerin doch anders vorgestellt haben“, erzählt Sarah grinsend. Generell glaubt die Neu-Schwerinerin an gewisse Vorurteile gegenüber dem Boxen. „Ich prügel mich ja nicht, sondern betreibe Sport, bei dem es um die richtige Technik und Ausdauer geht“, meint sie. Es freut sie aber, dass Frauenboxen mittlerweile akzeptierter ist. „Einen Teil trägt das Show-Boxen im TV wie ,Promi-Boxen‘ bei – obwohl das wirklich wenig mit meinem Sport zu tun hat“, vergleicht Sarah Show und Realität.

Zusammen mit der deutschen Nationalmannschaft nutzte die 20-Jährige einmal im Trainingslager in Italien die Gelegenheit, sich die Sendung anzusehen. „Ich habe selten in meinem Leben so viel gelacht“, gesteht sie. Aber: „Dadurch sehen die Leute, wie anstrengend Boxen wirklich ist und dass es eben nicht darum geht, wahllos zuzuhauen.“

Auch dem Argument, dass sich Boxer durch die Schläge schneller verletzen als andere Sportler, widerspricht Sarah. „Beim Volleyball hab ich mir den Mittelfinger gebrochen, beim Handball einen Bänderriss zugezogen. In den acht Jahren, in denen ich nun boxe, war ein Daumenbruch dabei – Verletzungen passieren halt in jedem Sport“ resümiert sie.

Das Training im BC Traktor Schwerin hat ihr nicht nur die Angst vor Verletzungen genommen, auch vor Wettkämpfen fürchtet sich Sarah nicht mehr. „Wenn man mit den Jungs trainiert, ist das eine harte Schule und die beste Vorbereitung für Kämpfe mit anderen weiblichen Boxern.“

 

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