Jürgen Brähmer : Boxprofi und Geburtshelfer

Links ein Brähmer, rechts ein Brähmer: Beim Schattenboxen vor der Spiegelwand kann der Weltmeister selbst seine Bewegungen kontrollieren. Auf der Treppe sitzend beobachtet Artem Harutyunyan, EM-Dritter der Amateure, den prominenten Kollegen.
1 von 2
Links ein Brähmer, rechts ein Brähmer: Beim Schattenboxen vor der Spiegelwand kann der Weltmeister selbst seine Bewegungen kontrollieren. Auf der Treppe sitzend beobachtet Artem Harutyunyan, EM-Dritter der Amateure, den prominenten Kollegen.

Jürgen Brähmer erlebt seine aufregendste Kampf-Vorbereitung / voll motiviert für WM-Duell mit Glazewski

von
27. November 2014, 08:07 Uhr

Vorbereitungen hat Box-Weltmeister Jürgen Brähmer schon jede Menge durchgestanden. Immerhin stehen für ihn 46 Kämpfe zu Buche, von denen er 44 gewann (32 durch K.o.) und nur ganze zwei verlor. Eine wie die aktuelle Vorbereitung auf seine WM-Titelverteidigung am 6. Dezember in Oldenburg gegen den Polen Pawel Glaziewski (23 Siege/5 K.o.; 2 Niederlagen/1 K.o.) hat aber selbst der 36 Jahre alte Schützling von Trainer Karsten Röwer noch nicht erlebt.

Als in der vorigen Woche Söhnchen Joris geboren wurde, war Papa Jürgen mittendrin, ging als Geburtshelfer quasi kurzzeitig einem Zweitberuf nach. Weil es der neue Erdenbewohner etwas zu eilig hatte, war die Geburt zu Hause – nur mit der herbeigerufenen Hebamme und dem Papa. „Ich hatte zwar mit Handreichungen vollauf zu tun, aber es war ein tolles Erlebnis“, schwärmt der nun zweifache Papa, der wegen der anstehenden Geburt seine Vorbereitung diesmal an den Bundesstützpunkt seiner Heimatstadt Schwerin verlegte. Schwerins Cheftrainer Michael Timm, der Jürgen bei den Universum-Profis betreute und früher mit Karsten Röwer an der KJS Schwerin in eine Klasse ging, brauchte die Sauerland-Truppe dabei nicht lange zu bitten.

„Toll“ nennt Jürgen auch die Tage seit der Geburt. Es sei zwar „ein gewisser Mehraufwand und auch der Schlaf ist etwas weniger“, aber das störe ihn nicht. „Ich versuche mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Training ist Training – nur die Ruhepausen sind halt etwas kürzer. Aber ich fühle mich gut“, sagt er lächelnd.

Nicht von ungefähr. „Wenn ich jemandem das Prädikat ,Vollprofi‘ geben würde, dann Jürgen“, sagt Trainer Röwer. „Er teilt sich die Zeit zwischen Familie und Boxen genauestens ein. Und ich glaube sogar, dass ihm die Geburt seines Sohnes einen Extraschub verleihen wird.“

Extraschübe durchaus gegenseitiger Art gibt die Ende der Woche zu Ende gehende Vorbereitung in Schwerin sowohl dem WBA-Champion als auch Schwerins Boxern. Mit seinen Sauerland-Kollegen Tyron Zeuge, der in Oldenburg seinen internationalen IBF-Titel im Supermittelgewicht verteidigt, und Stefan Härtel, zwei eingekauften Sparringspartnern sowie den Schweriner Amateur-Assen Denis Radovan und Albon Pervizaj hatte Brähmer gleich ein halbes Dutzend Sparringspartner. „Das war sehr abwechslungsreich“, sagt er und freut sich, dass die beiden Schweriner am Wochenende Turniersieger im Kosovo werden konnten.

„Auch Jürgen haben die Übungseinheiten mit den Amateuren auf jeden Fall geholfen“, ist sich sein Trainer sicher. Schwerins Boxer seien gut ausgebildet und auch Glazewski, in den top 15 der Weltrangliste stehend, sei einer, der boxerische Mittel dem Klammern und Halten vorziehe.

„Glazewski darf man nicht unterschätzen. Ich glaube, dass er ein guter Mann ist. Ohnehin hat jeder, der um eine WM kämpft, seine Chance“, sagt Brähmer: „Aber dass er auf das Boxerische setzt, kommt meinem Stil sogar entgegen.“ Sein Trainer bringt es auf diesen Nenner: „Glazewski kann vieles gut, Jürgen kann jedoch alles noch besser!“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen